Detailverliebtheit wird bei Bühnenmäusen groß geschrieben

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Die Darsteller sowie alle Beteiligten der diesjährigen Saison der Bühnenmäuse. Nach monatelangen Vorbereitungen freut sich das Team, ab heute Abend die neue Komödie „Dreimal schwarzer Kater“ für einen guten Zweck präsentieren zu können.

Lüdenscheid - Eine rund 110-teilige Requisite – darunter allein 30 Gartenzwerge –, monatelange Vorbereitungen und 30 Aufführungen eines circa zweistündigen Stücks – die Arbeit des ehrenamtlichen Ensembles der Bühnenmäuse als Amateur-Theater zu bezeichnen, grenzt schon fast an eine Beleidigung.

Bei der Generalprobe für das aktuelle Stück „Dreimal schwarzer Kater“ zeigt sich das Team um Regisseurin Petra Schaller und den Leiter der Bühnenmäuse, Frank Gerhardt, am Mittwoch äußerst professionell und – trotz der ausverkauften Premiere am Freitag – recht gelassen.

Bereits um 15 Uhr beginnen die Vorbereitungen für die Probe, die für 19 Uhr angesetzt ist. Auf dem Programm steht zunächst das Make-up von Susanne Gerhardt. Die Frau von Frank Gerhardt hat die Federführung der Maske inne und muss später noch gemeinsam mit ihrem Team die anderen Ensemble-Mitglieder schminken. Frank Gerhardt, seit 2013 Leiter der Bühnenmäuse, sitzt derweil in der Mitte des Raumes, mit gutem Blick auf die Bretter, die sprichwörtlich die Welt bedeuten. Auf der sieben Meter langen Bühne sind zwei typisch deutsche Vorgärten entstanden: eine Sitzgruppe, Blumen, Mülltonnen in der Ecke, eine Bank. Für das richtige Gartengefühl sorgt nicht zuletzt der verlegte Kunstrasen. Was sofort ins Auge des Betrachters fällt, sind die zahlreichen Gartenzwerge, die in verschiedenen Größen aufgestellt wurden. Die Zwerge nehmen im Stück eine zentrale Rolle ein.

Augenfällig ist aber auch der große Phänomenta-Turm, der zwischen den aufgemalten Fassaden zu sehen ist. „Wir versuchen immer, möglichst viel Lokales in das Stück einzubauen. Und der Turm steht ja nun auch in unserer Nachbarschaft“, erklärt Frank Gerhardt. Ihr aktuelles Stück präsentieren die Bühnenmäuse wieder im Gebäude des CVJM Lüdenscheid-West an der Mathildenstraße. Die aktuellen Baumaßnahmen an der Straße sind dem Ensemble ein Dorn im Auge. „Aber das Gebäude ist fußläufig zu erreichen und die Bürgersteige sind bereits fertig. Nur parken müssen die Besucher etwas entfernt.“

Stadtgespräch Generalprobe der Bühnenmäuse

Der Raum vor der Bühne füllt sich über den Nachmittag zusehends. Dort wird das Make-up vorbereitet, hier werden Scheinwerfer montiert. In der mehr als 30-jährigen Geschichte des Ensembles stockte das Team das Equipment nach und nach auf. Für die Bühnentechnik und den Ton sind unter anderem Patrick Gerhardt, Robert Zapp und Sören Meyer zuständig. Gerhardt und Meyer gehören sozusagen von Geburt an zu den Bühnenmäusen, ihre Eltern zählen zu den Gründern des Ensembles.

Lange dabei ist auch Simone Meykranz, die seit ihrem zwölften Lebensjahr bei den Bühnenmäusen mitwirkt. In der Maske wartet sie gerade darauf, dass ihr Make-up vollendet wird. Eine Zeit lang überlegte Meykranz sogar, die Schauspielerei zum Beruf zu machen. „Mit Kinderrollen habe ich angefangen und die Rollen sind dann mitgewachsen“, erzählt die heute 34-Jährige. Letztlich wurde sie aber Verwaltungsfachangestellte und die Bühnenmäuse dienen heute als kreativer Ausgleich.

Meykranz spielt im aktuellen Stück die Rolle der Doris Schobel. „Sich auf die Rolle vorzubereiten, ist nicht schwer. Erstmal heißt es: Lesen, lesen, lesen. Meine Textstellen lese ich mir erst immer selbst vor und lasse mich später auch mal von meinem Mann abfragen.“ Vor den Aufführungen aufgeregt zu sein, Lampenfieber zu haben, gehöre zum Theater dazu. „Wir machen vorher immer eine Andacht, da kommt man dann wieder runter.“

Die Regie führt in diesem Jahr zum bereits zweiten Mal Petra Schaller. Bei der 55-Jährigen laufen alle Fäden zusammen – in ihr gebundenes Notizbuch schreibt Schaller Regieanweisungen, Requisite-Ideen und Dinge, die nicht vergessen werden dürfen. „Wir sind sehr detailverliebt“, gibt sie zu. Ob sie als streng gelte? Sie schmunzelt. „Ich glaube schon. Durch meinen Beruf und Projektdurchführungen gehe ich auch beim Theater sehr strukturiert vor. Ich gebe jedem Einzelnen aber auch viel Feedback und schaue, was gut war und was noch besser werden kann.“ Als Regisseurin mischt Schaller auch bei der Requisite mit, stimmt sich mit der Maske und der Technik ab.

Mitte August begannen die Proben für „Dreimal schwarzer Kater“. Doch die eigentliche Arbeit für ein neues Stück beginne bereits kurz nach der Premiere des Vorläufers. Eine richtige Auszeit gönnte sich Petra Schaller so wie viele andere der Bühnenmäuse in diesem Jahr nicht. „Eine Pause hab ich eigentlich nur gemacht, als ich drei Wochen Urlaub in Peru gemacht habe.“ Allein die Erstellung des Probenplans – 30 Mal wird geprobt – dauere ein ganzes Wochenende. Doch die Ehrenamtliche weiß, wofür sich die Bühnenmäuse einsetzen: Die Erlöse des Theaters spendet das Ensemble an das CVJM-Hilfsprojekt in Sierre Leone.

Die Saison 2015/16 der Bühnenmäuse läuft von heute bis zum 23. April. Karten für eine der 30 Aufführungen gibt es zum Preis von zwölf Euro im Lüdenscheider Reisebüro Wietis. Aufführungen sind zudem in Hagen, Herscheid und Hemer geplant. Die Bühnenmäuse würden sich über Unterstützung freuen: Wer Interesse hat, kann sich unter Tel. 0 23 51 / 8 94 85 59 melden.

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