„Der fragte nicht, der machte einfach“

Jürgen Dietrich, Ehrenbürger der Stadt und langjähriger Bürgermeister, ist am Freitag gestorben.

LÜDENSCHEID ▪ Jürgen Dietrich ist tot. Er starb gestern, wenige Tage nach Vollendung seines 75. Lebensjahres. Die Trauer in der Stadt ist groß, denn an so vielen Stellen hat er zeitlebens gewirkt, hat vielen Menschen geholfen, vielen Initiativen Start und Verwurzelung ermöglicht. In den Erinnerungen der Lüdenscheider lebt er weiter, die Spuren, die Jürgen Dietrich auf seinem Weg durch die Stadt in den letzten Jahrzehnten hinterlassen hat, sind tief. Die Dankbarkeit, Teil seiner Hingabe an jede einzelne Sache gewesen zu sein, ist in allen Gesprächen über ihn zu spüren. Wir fragten seine Weggefährten und Freunde, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Bürgermeister Dieter Dzewas: „Ich bin sehr ergriffen. Er hat in vielem für mich Vorbildcharakter gehabt. Er konnte bestimmte Ziele entwickeln und ganz unterschiedliche Leute darauf zuführen. Das war schon eine herausragende Fähigkeit.“ Die Aufbereitung der Nazizeit und der Emfpang ehemaliger jüdischer Mitbürger, die Öffnung der Stadt für Menschen mit Handicaps, aber auch das Stadtfest und die Vereine – das mache das eigentliche Leben in einer Stadt aus, das habe Jürgen Dietrich gezeigt. „Er war ein Intellektueller, ein Advokat, ein Mann mit tiefem historischen Wissen, hat aber nie damit geprahlt.“

"Er war CDU, ich SPD, aber das machte gar nichts"

Lothar Castner, ehemaliger Stadtdirektor: „Ich habe einen sehr, sehr guten Freund verloren. Wir haben 18 Jahre zusammen die Stadt geleitet. Das Herrliche war: Wir konnten aufeinander vertrauen. Er war CDU, ich SPD, aber das machte gar nichts. Die großen Sachen wie das Kulturhaus sind in dieser Zeit entstanden. Wir sind viel gereist, haben Partnerschaften begründet in Myslenice und Taganrog, waren oft in Calderdale. Ich bin erschüttert.“

Klaus Neumann (Johannes-Busch-Haus/ Kleiner Prinz): „Wir haben wirklich viel zusammen gemacht, das wäre ohne ihn nicht gegangen.“ Schon von Krankheit gezeichnet, wurde er wieder zum Vorsitzender der Freunde des Johannes-Busch-Hauses gewählt: „Wir konnten uns etwas anderes gar nicht vorstellen. Da hängen so viele dran, die sein großes Herz benutzen konnten.“

"Er hat die Behindertenhilfe in Lüdenscheid verankert"

Friedrich Linden, Vorsitzender der Lebenshilfe: „Die Lebenshilfe hat ihren besten Freund verloren. Jürgen Dietrich war jahrelang Vorsitzender des Beirats der Lebenshilfe, hat ihr dadurch Professionalität und Struktur gegeben. Er war unglaublich unbürokratisch und geradlinig. Er fand schnell naheliegende Lösungen. Als es 1979 die Möglichkeit gab, den Gutshof Wigginghausen zu kaufen, hat ein Anruf bei ihm gereicht, sofort das große Rad zu drehen. Er hat die Behindertenhilfe in Lüdenscheid verankert. Der fragte nicht, der machte einfach.“

„Sehr traurig“ waren gestern auch die Alt-Bürgermeister Lisa Seuster und Friedrich-Karl Schmidt. Letzterer schätzte besonders Dietrichs Gabe, „Demokratie, bei der die Bevölkerung mitgeht“, vorzuleben. „Wir haben manche Verbindung gehabt, haben uns über die kirchliche Schiene kennengelernt. Es hat mich überzeugt, wie er sich für andere eingesetzt hat.“ – „Stadt und Bürger haben ihm sehr viel zu verdanken“, sagt Lisa Seuster. „Wir haben über Jahrzehnte gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Er hat immer verstanden, eine breite Mehrheit zu finden – ohne Kampf.“

"Ich habe nie einen wahrhaftigeren Menschen kennengelernt"

Immobilienmakler Horst Hellerforth: „Wir waren seit nahezu 50 Jahren befreundet. Für mich ist es ein unersetzlicher Verlust. Ich habe nie einen wahrhaftigeren Menschen kennengelernt. Er hat immer die Sache gesehen und die Lösung, er hat für die Stadt Unendliches getan mit seinem ungeheuren Wissen und seiner überragenden Intelligenz.“

Martin Buchheister, Anwaltskollege und RWL-Vorstand: „Die Nachricht trifft mich wie ein Hammer und macht mich endlos traurig. Er war wie ein väterlicher Freund, der erfahrenste Notar in Lüdenscheid. Er hat mich während meiner ganzen beruflichen Tätigkeit immer begleitet. Er war brillant. Rot-Weiß wäre nicht, wenn er nicht gewesen wäre, der Jürgen aus dem Bräucken.“

"Er war ein großartiger Mensch und Freund"

Klaus Eick, lange Geschäftsführer von Rot-Weiß: „Von ‘71 bis ’80 war er Vorsitzender, dann Ehrenvorsitzender. Er war ein großartiger Mensch und Freund über den Fußball hinaus. Er war maßgeblich beteiligt am Aufstieg und Höhenflug von Rot-Weiß. Er war einer aus dem Volk, der die Nähe des Bürgers suchte.“

Walter Neuhaus, CDU-MdL (1975 bis 95, trauert um einen „treuen Weggefährten“: „Was er sagte, hatte Hand und Fuß. Bei ihm wusste man, wo man dran war. Bei allem Tun musste unterm Strich etwas für den Bürger herauskommen. Das war eines seiner Markenzeichen.“

Paul Bosmans (ehemaliger Standortältester der Belgier und Dietrichs Vize bei der Deutsch-Belgischen Gesellschaft): „Ich habe ihn sehr geschätzt. Er hat uns neuen Elan, neuen Drive gegeben.“

"Mit ihm stirbt ein Stückchen Menschlichkeit"

Hans-Peter Osterkamp (Sieveking-Haus/Hospiz): „Das trifft mich sehr, es ist ein harter Schlag. Mit ihm stirbt ein großer Wohltäter von Lüdenscheid, jemand, der die Hospizarbeit im Herzen hatte. Unser Sprachrohr ist weg. Ohne ihn hätten wir die Anfänge nicht geschafft. Er hatte immer ein Auge für die, die am Rande sind. Mit ihm stirbt ein Stückchen Menschlichkeit.“

Museumsleiter Dr. Eckhard Trox: „Ich bin tief bestürzt. Er hat uns als Vorsitzender des Preußen-Vereins in schwierigen Zeiten über alle Hürden geholfen. Er war ein entscheidender Förderer des Museums seit Eröffnung. Meine Dankbarkeit ist tief.“

"Er war für die Stadt ein Glücksfall"

Sparkassendirektor Udo Lütteken (auch im Vorstand der Karl-Reeber Stiftung): „Er war sehr engagiert, hat kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um Geld zu sammeln. Man muss sich nur vorstellen, wie viel Zeit er dafür eingesetzt hat. Er war ein außerordentlich kompetenter Gesprächspartner, der für Vorträge keine große Vorbereitungszeit brauchte, um auf den Punkt zu kommen. Er war für die Stadt ein Glücksfall, nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Mensch.“

"Ihn kannte und schätzte jeder"

Stadtwerke-Vorstand Wolfgang Struwe: „Das geht einem nah. Er war immer jemand, der mit Konstruktivität geglänzt hat. Er wollte immer etwas nach vorne entwickeln. Er war beliebt in den Aufsichtsgremien weit über Lüdenscheid hinaus. Ihn kannte und schätzte jeder.“ - sum

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