„Der Aufbau von Fronten bringt uns nicht weiter“

Evangelia Kasdanastassi, Vorsitzende des Integrationsrates.

LÜDENSCHEID ▪ Nur in der Presse hat Evangelia Kasdanastassi, Vorsitzende des Integrationsrates, bisher die Diskussion um Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ verfolgt, aber für sie steht fest: „Es hilft uns nicht, Fronten aufzubauen und sich gegenseitig zu bekämpfen. Wir brauchen mehr Brückenschläge.“

Sie glaube jedenfalls nicht, dass es sinnvoll sei, sich im Umgang miteinander gegenseitig zu beschuldigen. „Wir neigen oft dazu, den Fehler bei den anderen zu suchen. Die negative Kraft der Vorwürfe kann nachhaltig Ängste schüren und sogar Hassgefühle auslösen, was zu weiteren Beschuldigungen führt.“ Dies alles bedeute aber nicht, dass Tatsachen nicht benannt werden dürften. Wenn Ursachen allerdings einseitig gesucht würden, um zu ganz bestimmten, vorgefertigten Meinungen zu gelangen, werde das der Situation nicht gerecht. „Wenn Problemlagen beleuchtet werden sollen, damit alle Seiten gemeinsam nach Lösungen suchen, dann ist es wichtig, dass dies auf humanitären Diskussionebenen geschieht und ohne gefährliche Pauschalisierungen, die nur Trennwände zwischen ‚wir‘ und ‚ihr‘, den Einheimischen und den Fremden schaffen.“

Dabei werde oft vergessen, dass „neue Welten“ im Miteinander entstehen. Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln böten hierzulande wertvolle Dienstleistungen an. Evangelia Kasdanastassi ist SPD-Ratsfrau und engagiert sich seit vielen Jahren für die Integrationsarbeit in Lüdenscheid. Ob die Sarrazin-Diskussion Auswirkungen auf diese Arbeit hat? „Ich weiß es nicht. Vielleicht. Vereinzelte Stimmen, die sowieso den Sündenbock immer bei den anderen suchen und Gründe dafür haben, ihn auch da, wo sie suchen, zu finden, werden bestärkt.“ Was sie unter Integration versteht, erklärt sie ganz persönlich: „Ich bin nicht nur Griechin, auch nicht nur Deutsche, sondern ich integriere beides. Neue Identitäten entstehen, die gegenüber diesem Land loyal sind, es als zweite Heimat ansehen und trotzdem ihr Ursprungsland immer noch lieben!“

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