Plötzlich stand ein Mann im Schutzanzug in der Tür

Paketmassen wie vor Weihnachten: DHL-Zusteller im MK im Dauerstress

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Dennis Domke ist Paketzusteller in Lüdenscheid und berichtet über kuriose Begegnungen und deutlich mehr Arbeit.

Lüdenscheid - Seit 2006 arbeitet Dennis Domke bei der Deutsche Post DHL Group. Doch eine solche Situation, wie sie sich ihm momentan bietet, hat er nach eigener Aussage noch nie erlebt. Einiges hat sich in seinem Berufsalltag verändert. Dazu gehört, dass er deutlich mehr Pakete ausliefern muss. Auch der Umgang mit den Kunden sei ein anderer geworden – kuriose Corona-Begegnungen inbegriffen.

„Ich denke, so etwas haben wir alle noch nicht erlebt. Kein Tag ist wie der andere“, sagt der 35-jährige Paketzusteller. Denn nicht nur die Arbeitsbedingungen haben sich geändert, auch der Aufwand ist größer geworden. „Wir haben locker 40 Prozent mehr Pakete auszuliefern“, berichtet Domke. 

Diese Zahlen bestätigt auch Jessica Balleer, in der Presseabteilung der Deutsche Post DHL Group für das Sauer-, Sieger- und Bergische Land zuständig: „Aufgrund der aktuellen Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie verzeichnen wir bereits seit Ende März einen deutlichen Anstieg der Paketmengen im DHL Netzwerk. Bundesweit haben wir in den vergangenen Wochen an einzelnen Tagen rund neun Millionen Sendungen täglich bearbeitet.“ Zudem veranschaulicht Balleer: „Dies ist ein Aufkommen wie in der Vorweihnachtszeit – nur, dass es in dieser Form so nicht absehbar war und wenig Zeit blieb, die sonst üblichen Vorbereitungen zu treffen.“ 

Um den neuen Anforderungen in Corona-Zeiten gerecht zu werden, hat DHL nach eigenen Angaben personell aufgestockt – um 2 000 Mitarbeiter. Einige davon verstärken auch das heimische Team. „Glücklicherweise durften wir sechs neue Leute einstellen und haben zudem zwei Auszubildende beschäftigt“, sagt Dennis Domke und Karl Schmidt, Zustellstützpunktleiter für den Bereich Lüdenscheid, ergänzt: „Wir setzen hier vermehrt Abrufkräfte ein, ähnlich wie an Weihnachten, und begegnen der Paketmenge mit effizienten Personalverschiebungen. Aktuell unterstützen fünf Verbundzusteller in Lüdenscheid die reine Paketzustellung.“ 

Weil nach DHL-Angaben die Menge an verschickten Briefen in den vergangenen Wochen deutlich gesunken ist, liefern Brief-Zusteller im DHL-Team jetzt Pakete aus. Der Grund für das nachlassende Briefgeschäft: Viele lokale Unternehmen sind geschlossen und haben den Geschäftsbetrieb heruntergefahren. 

Dank der Neueinstellungen hat sich die Arbeitszeit von Dennis Domke und seiner Kollegen in Lüdenscheid trotz der gestiegenen Paketmengen kaum erhöht. Das liege auch am Zusammenhalt, sagt Domke: „Man ist untereinander ständig im Austausch und versucht das Beste daraus zu machen. Wenn ein Kollege mit seiner Tour früher fertig ist, bietet er anderen an, Auslieferungen zu übernehmen.“ 

Bei diesen Auslieferungen bieten sich den Zustellern teils kuriose Szenen. Dass Kunden die Tür im Bademantel oder in Unterhose öffnen, kommt auch in normalen Zeiten vor. Nicht aber das Erlebnis, das Domke kürzlich in Lüdenscheid hatte. „Einmal“, erzählt er, „stand mir ein Mann gegenüber, der einen kompletten Schutzanzug trug und mir lediglich seine Hände entgegenstreckte. Das war schon etwas merkwürdig, aber auch witzig.“ 

Die Veränderungen im Berufsalltag und somit auch der direkte Kundenkontakt bringen viel Positives mit sich. 

Aufklären muss er die Kunden beispielsweise darüber, dass sie nun die Zustellung des Pakets nicht mehr selbst quittieren. „Wir haben die vereinfachte Zustellung eingeführt. So müssen unsere Kunden nicht mehr das Quittiergerät oder den Stift in die Hand nehmen, um eine Unterschrift zu leisten“, erklärt Domke. Außerdem müsse der Mindestabstand gewahrt werden. „Der Kontakt zu den Kunden ist ein sehr guter. Wenn man die Leute aufklärt, dann ziehen sie auch mit und geben uns eine positive Resonanz“, sagt der Plettenberger. 

Um seine Mitarbeiter zu schützen, hat die Deutsche Post verschiedene weitere Maßnahmen ergriffen. So wurden den Zustellern in den Dienstwagen Desinfektionsmittel und mit Wasser gefüllte Kanister und Seife bereitgestellt. Zudem arbeiten die Angestellten mit Mund- und Nasen-Schutzmasken und tragen Handschuhe. 

„Natürlich ist das momentan schwierig, aber im Endeffekt kann ich nur sagen: Wir schaffen das schon irgendwie“, sagt Domke. Jeden Tag aufs Neue.

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