Denkmalschutz wird kniffeliger

240 Objekte stehen in dem Kulturgutverzeichnis der Stadt, das Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre von einer Denkmal-Kommission erstellt wurde. Darunter ist auch das Haus Herzogstraße 1, das jetzt in die Denkmalliste eingetragen wird. ▪

LÜDENSCHEID ▪ In den meisten Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens ist die Eintragung von historisch bedeutsamen Gebäuden in die Denkmalliste Sache der Verwaltung. „Lüdenscheid nimmt mit der Position, dies durch die Politik entscheiden lassen zu wollen, eine Sonderrolle ein“, sagt Kulturamtsleiter Stefan Frenz. An der grundsätzlichen Systematik des Verfahrens habe sich allerdings seit 30 Jahren nichts geändert. „So lange besteht das Denkmalschutzgesetz unverändert. Nichts ist kompliziert geworden“, betont der Experte.

Seit gut 30 Jahren existiert auch ein Lüdenscheider Kulturgutverzeichnis, in dem 240 Objekte aufgelistet sind, die damals von einer Kommission der Denkmalbehörde in Münster begutachtet und als denkmalwürdig eingestuft worden waren. „Das ist damals in allen Kommunen Nordrhein-Westfalens gemacht worden, und zwar als Arbeitshilfe für die Untere Denkmalbehörde vor Ort. Dabei lag der Entscheidung natürlich nur eine äußerliche Betrachtung zugrunde.“ In den Anfängen habe es bei der Denkmalwürdigkeit keinerlei Probleme gegeben, denn die Einstufungen wie zum Beispiel von Schloss Neuenhof, den Kirchen oder von alten Fabrikantenvillen seien unstrittig gewesen. Das sei alles einvernehmlich erfolgt.

„Heute ist das zum Teil kniffliger geworden, weshalb den beabsichtigten Eintragungen in die Denkmalliste auch eine ausführlichere Begründung zugrunde liegt. Das Denkmalschutzgesetz sieht dabei keine Entscheidung durch die Politik vor, sondern nur den fachlichen Aspekt, nach dem ein Gebäude als Denkmal einzustufen ist“, beschreibt Stefan Frenz die 1. Stufe des Denkmalschutzgesetzes.

In der 2. Stufe geht es um denkmalschutzrechtliche Auflagen. Hier kommt der Eigentümer mit ins Spiel. „Das heißt aber nicht, dass wir als Untere Denkmalbehörde gleich mit der dicken Keule kommen, sondern die Wünsche des Eigentümers im Mittelpunkt stehen.“ Zu prüfen sei auch, ob bei einem erheblichem Substanzverlust, ein einst als Denkmal eingestuftes Objekt auch noch eines ist. „Immerhin wurde die Liste vor 30 Jahren erstellt.“ Entscheidungen der Unteren Denkmalbehörde werden immer in Abstimmung mit dem westfälischen Amt für Denkmalpflege getroffen.

Auch hier kommt die Politik nicht vor. Ob das die Lüdenscheider Gremien auf Dauer hinnehmen, steht noch nicht fest. Zwar vertagte sich, wie berichtet, der Bau- und Verkehrsausschuss und verwies vorliegende Entscheidungen über Eintragungen in die Denkmalliste zurück in die Fraktionen. Aber der Kulturausschuss befasst sich Mittwoch erneut damit.

„Letztlich stellt sich die Frage, ob wir künftig nur alles durchwinken oder uns intensiv mit den Objekten befassen und die Denkmalwürdigkeit diskutieren“, sagt Jens Holzrichter (FDP), Vorsitzender des Bau- und Verkehrsausschusses.

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