Orientalische Klangfarben in der Musikschule

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An die Baglama von Deniz Kutlu kann man problemlos einen Verstärker anstöpseln. - Foto: Rudewig

Lüdenscheid - Deniz Kutlu ist ein stiller und freundlicher Mann. 38 Jahre alt, wohnt seit Ende der 90er-Jahre in Lüdenscheid, ist Werkzeugmacher, verheiratet, hat zwei Kinder. Und es ist anzunehmen, dass viele Lüdenscheider ihn oder besser sein Instrument auf der einen oder anderen Veranstaltung schon einmal gehört haben. Sein Instrument, das ist eine Baglama, eine türkische Laute mit einem langen Hals. Und dieses Instrument möchte er in der Bergstadt etablieren.

Von Jutta Rudewig 

„Noten?“ Nein, es habe eine sehr lange Zeit überhaupt keine Noten für die Baglama gegeben, sagt er: „Das Spiel wurde von einer Generation zur anderen weitergegeben. In Anatolien hängt fast in jedem Haushalt eine Baglama, selbst wenn niemand darauf spielen kann.“ Vor rund 50 Jahren machten sich die ersten Musiker die Mühe, Noten für das Instrument zu Papier zu bringen. Mittlerweile ist daraus ein ansehnlicher Fundus professioneller Literatur geworden. Grund genug für die Musikschule Lüdenscheid, nach den Sommerferien einen Kurs im Baglama-Spielen anzubieten. Lehren wird Deniz Kutlu.

„Ich möchte mein Instrument integrieren“, erklärt Kutlu seine Intention, „ich habe schon im alevitischen Kulturzentrum unterrichtet und bin beim Stadtfest aufgetreten, aber ich möchte eigentlich nicht, dass dieses Instrument unter uns bleibt.“ Sieben Saiten, drei verschiedene Töne, die als Vierteltöne den unvergleichbaren orientalischen Klang erzeugen. „Diese Musik hat völlig andere Strukturen als die, die wir von unserer Musik her kennen“, sagt Katja Fernholz-Bernecker (Musikschule), als Expertin für unzählige Zupfinstrumente in unserer Stadt bekannt. Sie selbst nimmt seit einiger Zeit Stunden bei Deniz Kutlu. Ziel ist, die Baglama in die Musik eines Orchesters zu integrieren und damit eine internationale Begegnungsplattform zu schaffen.

Aus dem Budget der Musikschule an der Altenaer Straße werden Leihinstrumente angeschafft. „So viele, wie wir brauchen“, hofft Musikschulleiter Franz Schulte-Huermann auf reges Interesse bei den Lüdenscheider Musikliebhabern. Drei bis sechs Lernwillige wären ideal – „es dürfen aber gerne mehr sein.“ Je nach Verarbeitung kostet ein Instrument zwischen 250 Euro und mehreren tausend. Das neue Unterrichtsangebot startet direkt nach den Ferien, mit Blick auf die musikpädagogische Nebentätigkeit Kutlus werden die Unterrichtseinheiten freitags in den Nachmittagsstunden sein. Kosten: zwischen 24 und 54 Euro pro Monat.

„Wir machen keine religiöse Musik“, ist ihm wichtig, zu sagen, „das, was wir spielen, ist einfach türkisches Liedgut. Jedes Instrument ist am Anfang schwer zu spielen. Man muss üben, und die Klangfarbe ist anders.“ Geeignet ist das Instrument für Kinder ab zehn Jahren, für die es etwas kleinere Instrumente gibt. Die Leih-Baglamas dürfen auch mit nach Hause genommen werden.

Eher zufällig, so sagt Katja Fernholz-Bernecker, hat das Land NRW unter dem Titel „MüzikNRW“ zeitgleich Fachtagungen aufgelegt, um an den nordrhein-westfälischen Musikschulen Menschen aus verschiedenen Musikkulturkreises zusammenzubringen. Noch in diesem Jahr gibt es an der Landesakademie NRW in Heek-Nienborg einen „Baglama-Kongress“.

„Agustos 2014 den itibaren Baglama dersleri okulumuz’da verilecektir“ – „Ab August wird Baglama unterrichtet“ ist der eigens für das neue Angebot gedruckte Flyer überschrieben, der an vielen Stellen in der Stadt verteilt wird. Wer sich auf etwas Neues einlassen will, kann sich noch bis zum Beginn der Sommerferien an der Musikschule unter der Rufnummer Tel. 0 23 51/17 24 26 melden oder persönlich im Sekretariat an der Altenaer Straße 9.

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