Demo während Ausgangssperre im MK: „Viren gehen nicht nachts spazieren“

demo linke
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Kräfte der Polizei und des Ordnungsamtes behielten die Kundgebung am Dienstag im Blick.

Die äußeren Bedingungen für die Linken-Protestkundgebung Anfang Mai hätten kaum schlechter sein können: Auf dem Lüdenscheider Sternplatz herrschten am Dienstagabend Temperaturen knapp über 0 Grad Celsius und obendrein pfiff ein kalter Wind.

Lüdenscheid – Insofern war es nicht überraschend, dass der Sprecher der Lüdenscheider Linken, Otto Ersching, bei den Vorbereitungen der Protestaktion gegen die Ausgangssperre zunächst nur eine weitere Ordnerin dabei hatte.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Sowohl Ersching als auch Josef Filippek, der die Eröffnung der Kundgebung übernahm, betonten, dass der Schutz der Gesundheit aus der Sicht der Linken Priorität habe – daher seien viele Maßnahmen wie Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen sinnvoll und notwendig. Aber nächtliche Ausgangssperren zählten aus ihrer Sicht nicht dazu. Stattdessen sehen sie Handlungsbedarf in Betrieben. Dabei berief Ersching sich auf Angaben der IG Metall, wonach ein Drittel der Betriebe im Märkischen Kreis keine ausreichenden Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen.

Demo während Ausgangssperre im MK: Innenstadt fest menschenleer

Aber zunächst hallte der Check von Mikrofon und Lautsprecher laut zwischen den Gebäuden in der fast menschenleeren Innenstadt. Erst unmittelbar vor dem angesetzten Beginn um 21.59 Uhr kamen nach und nach Teilnehmer hinzu. Rund 30 Personen wurden es schließlich, die mit Masken und gebotenem Abstand an der Kundgebung teilnahmen.

Eine Streife des Ordnungsamtes fuhr erst kurz vor 22 Uhr auf den Sternplatz und postierte sich am Rande des Geschehens. Zudem kreuzten nacheinander zwei Streifenwagen der Polizei den Sternplatz. Ein kurzer Blick, dann fuhren die Beamten weiter. Von eventuell befürchteten Protesten von Corona-Leugnern, die die Kritik an der Ausgangssperre für sich nutzen wollten, keine Spur.

Stattdessen konnten die Linken ungestört ihre Botschaft und Sorgen kundtun und ließen sich nicht vom Regen unterkriegen, der pünktlich zum Beginn der Kundgebung einsetzte. Das Banner, das kurz vor 22 Uhr entfaltet wurde, brachte ihr Anliegen auf den Punkt: „Viren gehen nachts nicht spazieren, sie gehen tagsüber arbeiten“.

Demo während Ausgangssperre im MK: Ruhiger Einsatz für Ordnungsamt

Otto Ersching prangerte an, dass die Bundesregierung wirtschaftliche Interessen über einen effektiven Infektionsschutz stelle. Aus Sicht der Linken werde im privaten Bereich „unterschwellig Denunziantentum“ eingefordert, während eine Kontrolle des Arbeitsschutzes nur rudimentär erfolge. Die Produktion von „in solchen Zeiten unnützen Gütern“ kritisierte Ersching genauso wie Regelungen für den Profisport, während der Amateursport komplett untersagt sei.

Dagegen seien „Lohnabhängige und prekär Beschäftigte, Menschen in beengten Wohnverhältnissen oder ohne Obdach, Kulturschaffende und Solo-Selbstständige, Kinder in armen Verhältnissen in besonderer Weise sozial und mental durch den Lockdown belastet.“

Für das Team des Ordnungsamtes blieb es eine ruhige Kundgebung. Es griff nur einmal ein, als sich zwei Personen einen Schirm teilten, und achtete am Ende darauf, dass sich die Versammlung der durchnässten und durchgefrorenen Menschen am Ende zügig auflöste.

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