Demenz: Kleine Anzeichen  ernst nehmen

Martina Leo berät beim Demenz-Netzwerk Lüdenscheid Betroffene und ihre Angehörigen. - Foto: Kleinfeld

Lüdenscheid - „Demenz ist ein schleichender Prozess. Es fängt mit Kleinigkeiten an. Betroffene verlegen beispielsweise ständig etwas, erinnern sich nicht an die Namen von Freunden oder Bekannten, die sie auf der Straße treffen. Bis sie irgendwann plötzlich aus dem Haus gehen und nicht mehr wissen, wo sie sind, ist es in aller Regel ein weiter Weg.“

Martina Leo, Bereichsleiterin im Demenz-Kompetenzzentrum der Johanniter an der Philippstraße, appelliert deshalb an alle frisch Betroffenen und ihre Partner: „Gehen Sie so früh wie möglich zum Arzt oder lassen sich von Fachleuten beraten!“

Demenz-Netzwerk Lüdenscheid

In der Bergstadt hat sich das „Demenz-Netzwerk Lüdenscheid“ gegründet. Mit einer Informationsoffensive wollen Gesundheitsexperten aus den verschiedensten Bereichen den Menschen der Region signalisieren: Bei Demenzerkrankungen seid ihr nicht allein. Ziel ist die optimale Hilfe für Betroffene.

Je eher die Diagnose Demenz gestellt und Hilfe geleistet wird, umso größer sind die Chancen, den Vergessens-Prozess deutlich zu verlangsamen. Leider gestehe sich der größte Teil der Betroffenen bisher viel zu spät ein, dass sie demenziell erkrankt sind, meinte Leo. Häufig vertuschten sie ihre wachsenden Gedächtnisschwächen zunächst mit Erfolg selbst vor Lebenspartnern, nahen Angehörigen und Freunden. Bricht die Krankheit dann durch, sind „die Aussetzer“ für alle bemerkbar, ist zumeist sehr viel wertvolle Zeit verloren gegangen.

Deshalb sei es wichtig, möglichst bereits bei den ersten Anzeichen zum Hausarzt zu gehen, um Sicherheit zu erlangen. Nicht immer sei Demenz Ursache fürs Vergessen. Gerade bei älteren Menschen gebe es oft andere Gründe, beispielsweise Dehydration – die Betroffenen trinken einfach zu wenig. Auch Schilddrüsenerkrankungen können Ursache sein. „Dies kann der Hausarzt aber recht schnell feststellen“ sagte Leo. Bleibe am Ende der dringende Verdacht auf Demenz, folge eine Überweisung zum Neurologen. Der könne eine zweifelsfreie Diagnose stellen. Denn ganz wichtig sei es auch, die Art der Demenzerkrankung festzustellen, um die richtige Therapie einleiten zu können.

„Ziel unseres Netzwerkes ist es deshalb auch, die Hemmschwelle bei den Betroffenen abzubauen“, erklärte Martina Leo. Ist die demenzielle Erkrankung erst einmal diagnostiziert, müssten die Betroffenen nicht in ein Loch fallen. Alle Beratungs- und Anlaufstellen im Netzwerk zeigten den Erkrankten und auch ihrem persönlichen Umfeld gangbare Wege auf, mit der schwierigen Situation umzugehen – oder vermittelten den richtigen Ansprechpartner.

Nähere Informationen erteilt Martina Leo, Tel. 0 23 51/95 95 103.

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