Stumm und ohne Leben

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Ursula Delhougne und Uli Tütemann (rechts) wollen nicht nur Knöpfe zeigen: Die Dauerausstellung im Obergeschoss soll überarbeitet werden.

Lüdenscheid - Über die Erneuerung und Umgestaltung der Dauerausstellung im Geschichtsmuseum werden sich die Mitglieder des Kulturausschusses in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmittag im Kulturhaus (18 Uhr) Gedanken machen. Die Ausstellung sei, so heißt es seitens des Museums, in weiten Teilen wissenschaftlich überholt und mit Blick auf die Selbstdarstellung der Stadt Lüdenscheid veraltet.

Stumm sei sie und unbelebt. Es kommen keine Menschen darin vor, Nichts wird dargestellt über die arbeitenden und handelnden Menschen. Von einer kleinteiligen Struktur ist da die Rede: „Es dominieren Knöpfe, Orden, Ehrenzeichen und Schnallen.“ Vor zehn Jahren erfolgte der Abbau der Dauerausstellung im Erdgeschoss, um der Forderung aus dem politischen Raum Rechnung zu tragen, mehr Sonderausstellungen zu zeigen. Nun wirke die Dauerausstellung, die die industrielle Entwicklung Lüdenscheids zeigt, aber kulturelle und soziale Aspekte unberücksichtigt lässt, im Obergeschoss isoliert. Die Ausstellung endet derzeit im Raum „Nationalsozialismus“, der Bereich der Zuwanderung und Integration fehlt völlig.

Auf der Wunschliste für eine Neukonzeption dieser Ausstellung stehen ganz oben das Einbinden neuer Medien und die Reduzierung der Textmengen – filmische Reanimationen, die dem Besucher die Inhalte spielerisch erläutern, ihm eine Geschichte erzählen, einen didaktischen Leitfaden mit an die Hand geben.

Sieben Themenblöcke möchte das Museumsteam künftig anbieten können: Ur- und Frühgeschichte mit Blick auf die Eisenerzgewinnung, als filmisch-digitale Reanimation das späte Mittelalter und die frühneuzeitliche Arbeitswelt unserer Region an den Bächen, Landrecht und Hochindustrialisierung, ebenfalls als Film ein Einblick in die Berg’sche Montagehalle um 1900, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zwischen 1900 und 1930, die Kriegsjahre des Ersten und des Zweiten Weltkrieges sowie die Zeit von 1945 an bis in die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt sollen nicht mehr die klassischen Industrieprodukte stehen, sondern die Erweiterung um Lüdenscheider Produkte mit weltweiten Absatzstrukturen. Keinen Zweifel lassen die Vorschläge und Darstellungen aus den Museen daran, dass eine solche Umgestaltung nicht zum Nulltarif zu haben ist. Denn das Obergeschoss genüge nicht mehr den modernen Ansprüchen, sondern müsse gestalterisch-inszenatorisch überarbeitet werden.

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