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„Das Zehnfache“: Grunderwerb für Talbrücke gestaltet sich schwierig - UPDATE

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Von: Jan Schmitz

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Als Vorbereitung für die Sprengung hat Enervie eine neue Ortsnetzstation an der Altenaer Straße gebaut.
Als Vorbereitung für die Sprengung hat Enervie eine neue Ortsnetzstation an der Altenaer Straße gebaut. © Cornelius Popovici

Das nächste Bauwerk für den Neubau der Talbrücke Rahmede steht. Nach zwei Fledermaustürmen hat der Energieversorger und Netzbetreiber Enervie an der Altenaer Straße ein neues Trafohäuschen errichtet. Derweil steckt die Autobahn Westfalen noch in Verhandlungen zum notwendigen Grunderwerb. Das gestaltet sich offenbar schwieriger als erwartet.

UPDATE Freitag, 23. September, 14.03 Uhr: Eigentümer des Hauses, das nur 25 Meter von der Talbrücke entfernt steht und das die Autobahn GmbH gerne vor der Sprengung kaufen möchte, ist Ersan Acar. Seit zehn Jahren wohnt er hier mit seiner Familie, beim Besuch von Verkehrsminister Wissing schilderte er ihm die Lage, in die er unverschuldet geraten sei.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Acar, dass er noch mit der Autobahn GmbH über einen Verkauf des Gebäudes in Gesprächen sei. Um den Verkaufspreis zu ermitteln, habe er auf Verlangen der Autobahn GmbH ein Wertgutachten durch einen vereidigten Sachverständigen erstellen lassen müssen, das erst seit einigen Tagen auf dem Tisch liege und das Grundlage für die Verkaufsverhandlungen mit der Autobahn GmbH ist. Dieses Gutachten orientiere sich ganz selbstverständlich an den ortsüblichen Marktpreisen.

„Das Zehnfache“: Grunderwerb für Neubau der Talbrücke gestaltet sich schwierig

Erstmeldung: Bereits im Sommer hatte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn GmbH Westfalen, in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe einen Einblick in die schwierigen Gespräche gegeben. Sie berichtete von Grundstücksverhandlungen in Lüdenscheid, in denen das Zehnfache der ortsüblichen Marktpreise gefordert wurde. Das könne man nicht verantworten, man arbeite mit Steuergeldern. „Es ist verständlich, dass die Menschen versuchen, das Optimale rauszuholen. Uns sind da aber Grenzen gesetzt, obwohl ich mir sehr wohl bewusst bin, dass die Menschen und die Wirtschaft, die Schaden erleiden, sagen, dass es jetzt wohl nicht am Geld scheitern wird“, erklärte Sauerwein-Braksiek im Interview. Man müsse alle gleich behandeln. „Was sage ich sonst den Nachbarn oder den Grundstücksbesitzern an der nächsten Brücke? Ich bin aber zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen werden, dass die Eigentümer ein Einsehen haben. Oder dass wir uns überlegen, wie wichtig der Erwerb des jeweiligen Grundstücks wirklich ist“, so die Autobahn-Direktorin. Sie sei nicht sicher, „ob wir alle Grundstücke bekommen.“

Drei Monate später scheint sich die Sorge zu bewahrheiten. „Alle Fragen in Sachen Grunderwerb unter der Brücke sind noch nicht beantwortet, es laufen noch Verhandlungen“, sagt Autobahn-Sprecher Bernd Löchter. Dabei soll es dem Vernehmen nach auch um ein nur wenige Meter von der Brücke entferntes Wohnhaus gehen, das die Autobahn GmbH aus Sicherheitsgründen gerne noch vor der Sprengung kaufen würde. Autobahn-Sprecher Löchter machte mit Bezug auf die im Oktober beginnenden Fällarbeiten im Hang deutlich, dass dort, „wo wir jetzt die Arbeiten beginnen, die Grunderwerbsfragen natürlich geklärt sind“.

Die Hausaufgaben bereits gemacht hat Enervie. Wie berichtet, muss das alte Trafohäuschen an der Altenaer Straße für die Sprengung der Talbrücke weichen. Dafür ist inzwischen alles vorbereitet, sagte Enervie-Sprecher Andreas Köster auf Anfrage. Eine neue Ortsnetzstation für Strom wurde unweit des alten Standorts gebaut und „bereits in Betrieb genommen“. Das alte Häuschen soll nun in den kommenden Wochen abgerissen werden.

Nach eingehender Prüfung hat die Enervie zudem entschieden, dass die Wasserleitung des Wasserbeschaffungsverbands Lüdenscheid und die Gasleitung der Enervie Vernetzt, die unter der Talbrücke verlaufen, während der Sprengung – ausreichend gesichert – liegen bleiben können. „Während der Zeit der Sprengung wird es keine Einschränkung der Versorgung bei Wasser und Gas geben“, erklärt Enervie-Sprecher Köster. Zwar werden die Leitungen während dieser Zeit außer Betrieb gestellt, Gas und Wasser würden allerdings durch andere Leitungen umgeleitet. Im Zuge des Neubaus der Talbrücke Rahmede wird dann in einem Teilbereich die Wasserleitung erneuert. „Diese Maßnahme soll ein kleiner Teil der Gesamtausschreibung für den Ersatzneubau der Talbrücke Rahmede werden“, sagt Andreas Köster.

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