„Das wird mein Opfer sein“

LÜDENSCHEID ▪ Es ist vorbei, die Würfel sind gefallen, am Mittwoch gab es im Prozess um den jungen Lüdenscheider, der sich seit Ende April wegen sexueller Nötigung vor dem Hagener Landgericht verantworten musste, das mit Spannung erwartete Urteil: Zwei Jahre und neun Monate Haft und die Unterbringung des Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Der 25-Jährige, der aufgrund einer schizophrenen Erkrankung als vermindert schuldfähig gilt, hatte am 17. Oktober 2009 versucht, eine 19-Jährige zu vergewaltigen.

Nach Überzeugung der Kammer hatte der Angeklagte in der Tatnacht „eine innere Unruhe und einen gewissen Trieb“ verspürt, was ihn dazu veranlasste, die Wohnung zu verlassen und durch die Gegend zu streifen. Darin sei er durch krankheitsbedingte „Stimmen“ bestärkt worden. Dann fiel ihm die nichts ahnende junge Frau ins Auge. „Er wusste: Das wird mein Opfer sein”, erklärte die Vorsitzende Richterin gestern. Schließlich zerrte er die junge Frau auf die Wiese vor dem Amtsgericht und riss ihr die Kleider vom Leib.

Feuerwehrmann hörte Hilfeschreie der 19-Jährigen

Glücklicherweise hatte ein Feuerwehrmann die Hilfeschreie der 19-Jährigen gehört und sofort die Polizei verständigt. Nachdem der Täter zunächst die Flucht ergriffen und sich in einer nahe gelegenen Garage versteckt hatte, gelang es den Polizeibeamten kurze Zeit später, den Lüdenscheider zu verhaften.

Das Gericht machte gestern deutlich, dass im Moment der Tat ein Hemm-Mechanismus beim Angeklagten nahezu weggefallen sei. „Nicht klar war ihm aufgrund seiner Psychose, was er letztlich damit angerichtet hatte“, erklärte die Richterin.

Opfer leidet unter Erinnerungsschocks

Denn das Tatgeschehen, das nur wenige Minuten dauerte, verfolgt das Opfer bis heute. Die 19-Jährige leidet seither unter Flashbacks, also plötzlich auftretenden Erinnerungsschocks, und Albträumen. Zudem ist sie seit der Tat nicht mehr fähig, ihrer Arbeit nachzugehen.

Da der Angeklagte aus Sicht der Kammer eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, sei seine Unterbringung zwingend erforderlich. Denn: „Wenn die Krankheit wieder durchbricht, kann wieder so etwas passieren“, lautete die Begründung des Gerichts.

Für den 25-Jährigen hatten sich letztlich sein sehr detailreiches Geständnis sowie der Umstand, dass er zuvor noch nicht einschlägig straffällig geworden war, positiv auf die Urteilsfindung ausgewirkt. Denn gerade seine Aussagen hatten das Opfer vor einem ausführlichen Auftritt im Zeugenstand bewahrt. - jape

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