„Das ist unbeherrschbares Teufelszeug“

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Friedrich-Wilhelm Giedinghagen. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Mit einer leidenschaftlichen Antwort hat Friedrich-Wilhelm Giedinghagen, Physiker und „Wettermann“ der LN, auf Politikeräußerungen reagiert, denenzufolge radioaktive Partikel aus Japan nicht bis nach Europa kommen könnten: „Das ist alles großer Quatsch! Diese Leute haben keine Ahnung von Geophysik.

Es sei zwar richtig, dass Teilchen im unteren „Wetterstockwerk“ bis zu einer Höhe von etwa zwölf Kilometern voraussichtlich regional begrenzt blieben. In größeren Höhen würden sie sich aber über die nördliche Hemisphäre ausbreiten: „Die fallen auch bei uns aus, wenn durch Explosionen das radioaktive Material in sehr hohe Luftschichten geschleudert wird“, erklärt Giedinghagen und betont, dass solche starken Explosionen in den havarierten Atomanlagen durchaus noch denkbar seien. Noch sei die Emission aber begrenzt: „Was jetzt passiert, ist die Zunahme der Bodenradioaktivität.“

Eine große Gefahr für die gesamten 55 japanischen Atomreaktoren sieht Giedinghagen in den durch die Havarien und Abschaltungen entstandenen Ungleichgewichten in der japanischen Stromversorgung: „Sie kriegen den Strom nicht verteilt.“ Da nicht klar sei, wie die verbliebenen Meiler ihre Stromversorgung für die Kühlsysteme auf Dauer sicherstellen können, seien weitere Überhitzungen derzeit nicht auszuschließen.

Mit der Staubfangfolienmethode, bei der ein mit Vaseline überzogenes Papier radioaktive Partikel aus der Luft filtert, sammelte Friedrich-Wilhelm Giedinghagen nach seinem Physikstudium in Göttingen Erfahrungen mit dem Nachweis atomarer Verschmutzungen durch oberirdische Atomtests in den 50er und 60er Jahren. So erinnert er sich an den Nachweis der fünften chinesischen Atombombenexplosion: „Nach 13 Tagen war der Mist hier und sorgte für starke Maxima in den Radioaktivitätsmessungen. Pünktlich nach jeweils 17 Tagen seien diese belasteten Luftmassen wiedergekommen. „Damals strahlte alles“, erinnert er sich an Zeiten, in denen auch aus eingesammeltem Gras problemlos radioaktive Präparate für den Physikunterricht gewonnen werden konnten.

Das Fazit des Physikers gegenüber der sogenannten „friedlichen“ Nutzung der Kernenergie fällt nach den jüngsten Ereignisse harsch aus: „Das ist Teufelszeug, das kann man nicht beherrschen, das muss weg.“ ▪ thk

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