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Das sind die Think-Tank-Ideen für die Lüdenscheider Innenstadt

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Von: Susanne Kornau

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In einer Zoom-Konferenz stellten Hasso-Plattner-Studenten ihre Analyseergebnisse und Vorschläge für eine Belebung der Lüdenscheider Innenstadt vor.
In einer Zoom-Konferenz stellten Hasso-Plattner-Studenten ihre Analyseergebnisse und Vorschläge für eine Belebung der Lüdenscheider Innenstadt vor. © Susanne Kornau

Die Erwartungen waren hoch, der Etat dafür, dem Vernehmen nach, auch, die Fragestellung klar: Im Frühjahr 2021 erteilte die Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL) der School of Design Thinking des Hasso-Plattner-Forschungsinstituts (HPI, Potsdam) den Auftrag, die Innenstadt durch Fernglas und Lupe zu betrachten.

Lüdenscheid - Die Aufgabe: „Designe neue Konzepte für die Revitalisierung des Stadtzentrums mit dem Schwerpunkt Einzelhandel, die die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger berücksichtigen.“ Dass internationale Studenten „die Lüdenscheider Situation völlig neu denken“ könnten – das war die Hoffnung des damaligen Stadtmarketing-Geschäftsführers André Westermann.

Zum Jahresende legten zwei multidisziplinäre Studierendenteams ihren Interviewpartnern, die das Projekt mit Lüdenscheider Innenansichten gefüttert hatten, Ergebnisse des achtwöchigen Innovationsprojektes vor.

„Es fehlt gar nicht an tollen Ideen“, lautet ein Ergebnis der Gruppe „City lightbulbs“: Was fehle, seien Wege und Möglichkeiten, den Ideenfunk transparent zusammenzubringen und fruchtbar werden zu lassen. Der Vorschlag: Ein Thema pro Jahr konzentriert anzugehen, eine Plattform für Bürgerbeteiligung zu schaffen, für Transparenz zu sorgen und „ein Kickoff-Festival zu organisieren, wo die Challenge des Jahres gelauncht wird“. Das „Forum“, losgelöst von Eigentumsverhältnissen und Rahmenbedingungen, war allerdings ein denkbar schlechtes Beispiel für ein erstes Projekt.

Die Gruppe „Die Lüders“ setzt mit der „Lüdmeile“ einen anderen Schwerpunkt. Der Einzelhandel sei als Magnet „tatsächlich relevant“ und als Ort für Begegnungen „zentral“. Der Vorschlag: jede Woche ein Straßenmarkt mit Food- und Verkaufstrucks von Knapp bis Altstadt. Als Zeichen Lüdenscheider Identität könne man in jeden Truck einen Zeppelin hängen. Auf die häufig gehörte Kritik, Farben, Pflanzen, Aufenthaltsqualität fehlten, reagiert die Gruppe mit Bildern bunt bemalter Straßen aus Lissabon und Reykjavik.

Hier das Fazit von einigen Teilnehmern der Runde:

Katja Schlorff

Sie begleitet die Innenstadtentwicklung für die LSM und findet es „grundsätzlich gut, dass man das mal von außen beleuchtet“. Ihre Kritik: „Sie haben nicht das große Ganze gesehen, nur einzelne Baustellen.“ Aber: „ein Ansatz“.

Reinhold Zimmermann

Der Lüdenscheider Investor mit Herz für die Innenstadt sagt u.a.: „Eine tolle Teamleistung, alles auf den Punkt zu bringen. Wer aber fertige Konzepte erwartet, sorry, der ist bestimmt enttäuscht. Es gab noch nie eine Blaupause für die Zukunft. Wir als Bürger müssen gemeinsam mit Politik und Behörden wieder einen fruchtbaren Boden schaffen, wo Innovation, Mut zur Selbstständigkeit und neue Ideen entstehen. Service am Kunden und Erlebnis am POS schaffen Frequenzen und beleben damit die Stadt, die wir alle lieben.“

Vinay Sansi

Der Zimmermann-Freund und Lüdenscheider hat viel Erfahrung mit der Einbindung von ethnischen Gruppen und Jugendlichen. Für ihn kam die Rolle der Schulen zu kurz: „Junge Leute denken sehr ‘out of the box’“, hätten kreative Ideen. Komme der Druck von Wählern von morgen, reagierten Behörden schneller, „und man erreicht auch die Eltern“.

Daniel Dalsasso

„Ich habe etwas anderes davon erwartet“, sagt der Stern-Center-Manager. Die Erkenntnisse seien nicht falsch: „Aber der große Wurf hat gefehlt.“ Die Frage sei doch: „Wofür steht Lüdenscheid? Als Stadt des Lichts habe ich es nie wahrgenommen.“ Und was wolle man in zehn Jahren hier haben: eine Stadt zum Einkaufen, zum Schlafen, zur Erholung, für Touristen? Man müsse die Stadt jung und frisch halten, mit Studenten, mit großen Firmen als Arbeitgeber. Deshalb brauche die Stadt eine Strategie für Wachstum. Ab einer Größenordnung von 100 000 Einwohnern werde es für Handel und Gastronomie einfach interessanter: „Wenn wir irgendwann nur noch 50- oder 60 000 Einwohner haben, wird’s bitter.“

Matthias Czech

Der Visionär sieht Präsentation und Ergebnisse kritisch, ringt sich aber ein „gute Ansätze“ ab und freut sich „über die von einem renommierten Institut beglaubigte Erkenntnis, dass wir mit unseren Visionen aus 2017 gut unterwegs waren, mit unserem Verein Willi&Söhne gute Dinge dazu beitragen und letztlich wir Lüdenscheider selbst das Ruder in die Hand nehmen müssen, um in der Zukunft die richtigen Maßnahmen durchzuführen“.

Stefan Zorn

Aus Sicht von Streetwork/ Jugendamt freut er sich, dass die junge Perspektive gefragt war. Jugendlichen mehr anzubieten, auch in Leerständen, sie einzubinden – das sei eine Gesamtaufgabe. Und: „Es braucht immer Leute aus der Stadt, die richtig Gas geben.“ Jetzt frage er sich allerdings: „Wie geht’s weiter?“

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