Herbert Michl hat aus dem Tunnel zurück ins Licht gefunden

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Herbert Michl ist wieder auf einem guten Weg. Dank der Hilfe durch das Team um Traude Rittinghaus vom Wohnheim im Amalie-Sieveking-Haus hat er eine schwere Lebenskrise gemeistert.

Lüdenscheid - Wer Herbert Michl heute gegenübersitzt, merkt ihm nicht an, dass er vor rund drei Jahren ganz unten war. „Ich hatte eine Tüte gepackt und irrte in Lüdenscheid herum, suchte draußen einen Platz zum Übernachten. Ich war fix und fertig, sah keine Perspektive mehr. Ich säße heute nicht hier, wenn es das Wohnheim im Amalie-Sieveking-Haus nicht gäbe. Da bin ich mir sicher.“

Eine Freundin und seine Stieftochter waren auf der Suche nach Hilfe für den damals 47-Jährigen und stießen auf die Einrichtung an der Sedanstraße. Die Leiterin Traude Rittinghaus und ihr Team kümmerten sich um den Gestrandeten, der seinen Arbeitsplatz verloren hatte, weil er in der Firma Geld unterschlagen hatte. „Ich wollte meiner Frau ein schöneres Leben bieten.“ So begann nach und nach ein Leben mit Lügen, das irgendwann aufflog, ihn den Job kostete. Natürlich erstattete sein Arbeitgeber Strafanzeige. Die Ehe zerbrach. Aus Scham meldete er sich nicht arbeitslos. Als er die Miete nicht mehr bezahlen konnte, verlor er seine Wohnung. „Ich hatte jeglichen Mut verloren und begann zu trinken, wenn auch nicht exzessiv. Aber ein bestimmter Alkoholpegel beruhigt schon, zumal ja auch der Strafprozess drohte.“

Herbert Michl fasste großes Vertrauen zu der Sozialarbeiterin, der er sich öffnete und die mit ihm seine Biografie, die Hintergründe der Unterschlagung, die damit verbundenen Wechsel zwischen Wahrheit und Lüge und auch das drohende dauerhafte Alkoholproblem besprach. „Das kostet Überwindung“, weiß Traude Rittinghaus, „ist aber der einzige Weg, um wieder Haftung zu finden.“ Die fand Herbert Michl zunächst ein gutes halbes Jahr im Wohnheim und schnell in einer dezentralen Wohnung. Der Prozess dann führte allerdings zu einem heftigen Rückschlag. Das Urteil lautete 18 Monate ohne Bewährung. Jede Unterschlagung wurde als Einzeltat gesehen. Die Summierung ergab das Strafmaß, obwohl keine Vorstrafen vorlagen. Der Richter sah keine günstige Prognose. Eine Berufung zog er auf Anraten seines Anwalts kurz vor der Verhandlung zurück.

Neun Monate seiner Strafe verbüßte Herbert Michl im offenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt in Attendorn. Während dieser Zeit hielt er telefonischen und brieflichen Kontakt zu der Sozialarbeiterin im Sieveking-Haus, obwohl der Zeitraum für die Nachbetreuung eigentlich abgelaufen war. „Wir hatten ein gutes Gefühl und glaubten fest daran, dass Herr Michl das schafft. Daher hatten wir seine Möbel aus der dezentralen Wohnung auch eingelagert, damit er nach der Haft wieder darauf zurückgreifen kann.“

Herbert Michl enttäuschte das Vertrauen nicht. Nach der Haft war er nur knapp drei Wochen im Wohnheim, danach wieder in einer dezentralen Wohnung, die er inzwischen selbst gemietet hat. Der jetzt 50-Jährige hat wieder Arbeit gefunden, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau als früher. „Aber das macht mir nichts. Ich bin wieder selbstbestimmt und kann dank der Hilfe wieder ein geregeltes Leben führen.“

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