Dampfloks schnaufen von Brügge nach Lüdenscheid

Schöne alte Dampflok im modernen Kleinbahnhof: Am Wochenende waren Loks der Baureihen 78 und 38 zu Gast.

LÜDENSCHEID ▪ Einen solchen Andrang gibt es am Bahnhof Lüdenscheid im regulären Verkehr nur selten: Hunderte warteten am Wochenende auf die Ankunft der Dampfloks der Baureihen 78 und 38, um in den dazwischengekoppelten Personenwagen der Baujahre zwischen 1918 und 1939 nach Oberbrügge und zurück zu fahren.

Der Zug stammte mitsamt der kleineren Lok der Baureihe 78 von dem Verein „Dampf-Tradition Lengerich“. Die zweite, größere Lok der Baureihe 38, die früher zwischen Brügge und Lüdenscheid gefahren war, steuerte das Eisenbahnmuseum in Dahlhausen bei. Bei ihrer Anfahrt hatte es einen schweren Zwischenfall gegeben: Einer der Lokführer hatte sich im Tunnel hinter Hagen zu weit aus dem Seitenfenster gelehnt und war in voller Fahrt mit einer Tunnelleuchte zusammengeprallt. Der schwer Verletzte wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen und dort in künstliches Koma versetzt.

Mehr Bilder von Dampfloks

Dampfloks zwischen Lüdenscheid und Oberbrügge

Organisiert hatte der Bürgerverein zur Förderung des Schienenverkehrs die Dampftage. In einer ersten Schätzung bezifferte der BfS-Vorsitzende Oliver Reitz die Zahl der verkauften Fahrkarten auf rund 3000. Dazu kamen viele Menschen, die das Ereignis vom Rand der Bahnstrecke aus beobachteten.

Vor allem die Kinder waren fasziniert von der Größe der schnaufenden Ungetüme, die den steilen Berg zwischen Brügge und Lüdenscheid zunächst nur mit Mühe bewältigten. Nachdem ein Wagen im Bahnhof Brügge abgekoppelt worden war, ging es besser. Bei schönstem Wetter hingen alle Mitfahrer an den offenen Fenstern oder genossen die Fahrt auf den offenen Übergängen zwischen den Wagen. Der Fahrtwind hatte dabei seine Tücken: Wer Vincents flammengeschmückte schwarze Kappe in der Nähe des Bahnübergangs Lösenbach findet, wird gebeten den Jungen kurz anzurufen (Tel. 0 23 52/ 3 38 39 51).

Doch nicht nur die Kinder genossen die wie ein Museum aussehenden Abteile, Großraumwagen und die Freiluftübergänge zwischen den ältesten Wagen, die ein ganz besonderes Fahrgefühl vermittelten. An der Strecke winkten immer wieder Trauben von Menschen den „Fern“-Reisenden zu, Anwohner grüßten aus den Fenstern und Fotografen säumten fast die gesamte Strecke, um die schönsten Bilder von dem Dampfzug zu machen. Am Rande löste der Dampfzug sogar Diskussionen über zentrale Fragen der bundesdeutschen Energieversorgung aus. Doch auch das machten die beiden Dampflokomotiven mit ihrem imposanten Ausstoß von Feinstaubpartikeln deutlich: Eine Wiederkehr von kohlebefeuerten Antriebsfahrzeugen dürfte außer für solche Ausnahmeveranstaltungen niemand ernsthaft befürworten.

Am Bahnhof Oberbrügge, der zwei Tage lang aus seinem tiefen Dornröschenschlaf erwachte, feierten die Besucher ein Bahnhofsfest. Die Schleifkottenbahn lud zu Kurzfahrten mit dem Schienentaxi ein, das eines Tages vielleicht zwischen Brügge und Halver verkehren wird. Und der Verkehrsclub Deutschland warb mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz auf einem historischen Schüttwagen mit Motor oberhalb der B 54 für die Volme-Agger-Bahn und den „Lückenschluss zwischen Brügge und Marienheide“.

Zu den Dampftagen gibt es auf http://www.come-on.de auch eine Bildergalerie.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare