Den Schlüssel haben sie bereits

Aus bei Dahlmann - Wirte-Ehepaar macht in anderer Gaststätte weiter

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„Ganz verzichten auf unsere gut eingeführten Formate muss Lüdenscheid sicher nicht“: Christiana „Nanni“ Lange und Jürgen Wigginghaus eröffnen den Kirchhahn, die Gaststätte an der Fuelbecker Straße 160.

Lüdenscheid – Jetzt sind es, trotz allem, doch noch frohe Ostern für Christiana „Nanni“ Lange und Jürgen Wigginghaus. Seit Gründonnerstag haben sie den Schlüssel zum Kirchhahn, der Gaststätte an der Fuelbecker Straße 160.

„Da ist einfach nur Erleichterung“, sagt Nanni: „Man hat ein Ziel.“ Wann sie an dem neuen Standort eröffnen können, ist noch nicht klar. „Vielleicht Mitte Juli, wenn alles gutgeht.“ Damit endet die Dahlmann-Ära der Wirtin, die noch im Januar ihr 40-Jähriges hinterm Tresen der traditionsreichen Innenstadt-Gaststätte gefeiert hatte. Der Abschied kommt nicht ganz freiwillig, hatte der neue Eigentümer der Pächterin doch bekanntlich gekündigt. Ende Juni sollte Schluss sein. 

Auch wenn er die Kündigung nie gesehen habe, wie Jürgen Wigginghaus betont – das Verhältnis war zerrüttet. Die Suche nach einer neuen, auch beruflichen Bleibe lief an. Es hätten sich mehrere Möglichkeiten aufgetan, erzählt der Lebensgefährte der Wirtin, der den Dahlmann-Saal in den vergangenen Jahren mit Konzerten und Motto-Partys zu einer Event-Location machen konnte. 

Die Kochschule Capitol war darunter, der Reidemeister, und eine größere Gaststätte in der Innenstadt, die er aber nicht nennen möchte. „Wir haben lange nachgedacht“, sagt er. Aber letztlich habe man sich mit über 70, in einem Alter, da andere längst im Ruhestand sind, nicht noch mehr Arbeit, noch mehr Stress aufhalsen wollen. Mehr Personal hätte man managen müssen, die Anforderungen an die Küche wären größer geworden – nein, das sollte es dann doch nicht sein. 

Letztlich habe ihnen die Aussicht auf einen „Ausklang am Kirchhahn“ sehr gefallen. Ebenfalls ein traditioneller Gastronomiestandort, „in schöner Natur“ – das sei besser gewesen „als Dahlmann 2“. Für dreieinhalb Jahre haben sich die beiden nun noch einmal verpflichtet. Die Option auf Verlängerung gebe es. 

Der Kontakt zur Eigentümerfamilie sei auf Umwegen erfolgt. „Sie kommen uns sehr entgegen“, sagt Nanni Lange glücklich. „Jetzt haben wir die Schlüssel und können in Ruhe gucken.“ Seit zwei Jahren steht das Objekt nun leer; die Wirte zuvor seien in der Regel zehn Jahre tätig gewesen, haben sie erfahren. Der Zustand der Immobilie sei sehr gut, hier warte eine renovierte, bürgerliche Kneipe mit großem Biergarten auf sie. 

In die Kneipe selbst, so schätzt die neue Wirtin, passten „gut 40 Leute plus“. Das sei zu stemmen. Bei allem Druck, der seelischen Belastung und jetzt auch noch der Corona-Krise sehen die beiden aber auch etwas Gutes in dem Ablauf: „Wir haben genügend Zeit, den Umzug vorzubereiten.“ 

Alles, was sich im Laufe der Jahrzehnte an der Grabenstraße angesammelt habe, könne man nun in Ruhe aussortieren, ohne sich parallel dazu noch um das Alltagsgeschäft kümmern zu müssen. Und weil beide sich zugleich schon ein Bild davon gemacht haben, was am Kirchhahn vorhanden ist, „wissen wir auch, was wir hier aussortieren können“, sagt Nanni Lange. 

Das große Einzugsgebiet Vogelberg, die Wanderer und Ausflügler – doch, beide sind zuversichtlich, dass es genug Gäste gibt, die ein Auskommen ermöglichen. Und vielleicht, wenn Corona ausgestanden ist, wird es auch wieder das eine oder andere Dahlmann-Event geben. Auch ohne Dahlmann: „Warum nicht?!“, sagt Jürgen Wigginghaus. 

Gespräche während der Suche hätten gezeigt, dass es durchaus Möglichkeiten gebe, so etwas an anderer Stelle in der Stadt durchzuführen. „Ganz verzichten auf unsere gut eingeführten Formate muss Lüdenscheid sicher nicht“, erklärt der versierte Veranstalter. Aber auch ohne Events, die zu planen ohnehin viel zu früh sei, setzt das Paar auf bodenständige Kneipenkultur am Kirchhahn. 

„Wir könnten eventuell unsere Biergartenkonzerte wieder anbieten“, sagt Wigginghaus: „Ich glaube, dass der Biergarten da im Sommer auch gut angenommen wird. Und wir wünschen uns natürlich, dass der ein oder andere Stammtisch mitkommt. Alles andere muss man sehen.“ Wichtig ist jetzt erst einmal nur – die Aufbruchstimmung.

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