Diese Touristen stören die Idylle am Gardasee

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Regina  Voß-Passow und Frank Gerhardt als Gianna und Carlo Heitmann in der Premiere des CVJM-Bühnenmäuse "O solemio".

Lüdenscheid – Italienisches Flair wehte am Samstagabend durch das Kulturhaus in Form von Fähnchen, echten Italienern und „nachgemachten“. Mit „O sole mio“ stiegen die Bühnenmäuse des CVJM in die neue Spielzeit ein – stehend spendeten die Gäste im nahezu ausverkauften Kulturhaus nach fast drei Stunden den Schauspieler Beifall. Die Verlegung der Premiere vom Heim an der Mathildenstraße ins Kulturhaus war notwendig.

Sind die Bühnenmäuse doch seit Jahrzehnten dafür bekannt, dass sie selbstlos jeden Cent, der übrig bleibt, ohne Abzug nach Sierra Leone überweisen, so ging’s diesmal um die „CVJM-Hardware“, wie Christoph Weiland (CVJM) in seinem Grußwort formulierte: „Wir müssen das Gebäude und alles, was darin ist, finanzieren.“

Dazu gehören beispielsweise auch die Erschließungskosten, hat doch das Haus durch seine Lage gleich mehrere Anbindungen rund um die Mathildenstraße. Aber auch Brandschutz, die Betreuung der Kinder- und Jugendgruppen, die dringend notwendige Hausaufgabenbetreuung, die Ferienfreizeiten, die Blechbläserarbeit und nicht zuletzt auch die Arbeit der Bühnenmäuse – all das müsse bezahlt werden.

Und um das Jugendheim des CVJM finanzieren zu können, brauche man die Stiftung, in die das Geld des Premiereabends fließt. „Aber“, so Christoph Weiland weiter, „es ist gelungen, die nicht gerade befreundeten Sparkasse und Volksbank beide als Sponsoren zu gewinnen, das spricht für den CVJM!“ Genug dann der Vorrede und Bühne frei für das „Bundesnotausgangsgesetz“, das, so der Magier Arnd Clever, soeben verabschiedet worden sei. Der Lüdenscheider Zauberer trieb ein paar Späße und Aufwärmübungen mit dem Publikum, bevor sich der Vorhang dann für die Sonne über dem Gardasee hob.

Im Mittelpunkt: Karl-Heinz „Carlo“ Heitmann (Frank Gerhardt), ein ambitionierter Hobbymaler, der dem nasskalten Deutschland den Rücken kehrte und an den sonnigen Gardasee flüchtete. Hier betreibt er mit Ehefrau Gianna eine kleine und irgendwie ein bisschen in die Jahre gekommene Trattoria. Der Verfall des Restaurants liegt, so viel ist schnell klar, nicht unbedingt nur an maroden Steinen und veralteten Möbeln, sondern vielmehr darin, dass Carlo lieber auf die malerische Inspiration wartet, als sich um Gäste zu kümmern.

Schlimmer noch: Ein Reisebus auf Werbefahrt mit Rheumadecken kündigt sich an, was weder Carlo, noch seinem arbeitsscheuen und launischen Oberkeller und Kumpel Ludwig „Luigi“ (Guido Hesmer) passt. Zahlungskräftige Touristen als Störenfriede im italienischen Paradies. Bühnenmaus Regina Voß-Passow hat ohne Zweifel einen ganzen Sommer lang einen Mischmasch aus italienischen und deutschen Worten geübt. Sie gibt in „O sole mio“ die Gianna mit italienischem Temperament und radebrecht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Zuletzt war sie in „Der möblierte Herr“ 2017 auf der Bühne zu sehen.

Kopfschmerzen nach durchzechter Nacht: Susanne Gerhardt als Lilly Lichter und Guido Hesmer als Oberkellner "Luigi".

Die Herzen des vielköpfigen Publikums gehörten ziemlich schnell dem Reisegast Helga Hartmann (Jenny Morales) aus der Elektrobranche, die in bemerkenswerter Geschwindigkeit vom farblos-maulenden Mauerblümchen, voll des süffigen Vino Rossos zur Oberkellner-Verführerin und am Ende zur schnippisch-herrschsüchtigen Geschäftsfrau mutierte. Ein hinterhältiger Busfahrer (Jürgen Pathun), Reisegast Franziska von Hasselbach (Simone Meykranz), eine neugierige Lauschepperin (Susanne Gerhardt) und Salvatore als Eisverkäufer (Andreas Schmale) komplettierten das Ensemble.

In den Pausen tischte wie immer Robert Zapp amüsante Geschichten auf. 46 700 Euro konnten die Bühnenmäuse aus der vergangenen Spielzeit an den CVJM-Weltdienst überweisen. Diese Summe gilt es in dieser Spielzeit zu halten, wenn nicht zu übertrumpfen. Im Reisebüro Wietis an der Freiherr-vom-Stein-Straße gibt es noch Eintrittskarten für verschiedene Vorstellungen (13 Euro).

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