Bis zu 1.000 Abstriche werden täglich analysiert

Coronavirus-Tests in Lüdenscheider Labor: Das Virus ist ein roter Punkt

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Seit einigen Tagen ist das neue Extraktionsgerät im Einsatz. Hier können 96 Proben auf einmal untersucht werden.

Lüdenscheid – Die Nachfrage nach Coronavirus-Tests ist ungebrochen. Gestillt wird sie in Medizinischen Laboren. Sie befinden sich einer Ausnahmesituation - wie in Lüdenscheid. 

  • Immer mehr Menschen wollen sich auf das Coronavirus testen lassen
  • Labore wie in Lüdenscheid testen fast rund um die Uhr
  • Nachschub ist nicht so ohne Weiteres zu bekommen

Ein Corona-Test dauert zwei Stunden: 60 Minuten für die Aufbereitung des Abstrichs und eine Stunde für den eigentlichen PCR-Test. „Spätestens aber innerhalb von 24 Stunden bekommen unsere Kunden – Krankenhäuser und Ärzte – das Ergebnis“, sagt PD Dr. Dr. Hans Günther Wahl, Leiter des Medizinischen Labors Wahl in Hellersen.

 Seitdem im Untergeschoss des Klinikums Lüdenscheid am vergangenen Freitag ein neues Extraktionsgerät angeliefert wurde, können dort bis zu 96 Proben pro Testlauf analysiert werden. Zuvor waren es 16. Die Kapazität hat das Labor Wahl damit von täglich 300 Tests auf 1.000 erhöht.

Labor Wahl in Lüdenscheid ist dem Coronavirus Sars-CoV-2 auf der Spur

Die Nachfrage kann das Labor derzeit dennoch kaum stillen. Vier der 100 Mitarbeiter sind auf die Corona-Tests spezialisiert. Aktuell wird in Hellersen zwischen 7 und 22 Uhr gearbeitet – im Akkord. Bis zum Dienstschluss müssen alle Abstriche des Tages ausgewertet sein, sonst ist es nicht zu schaffen. Am nächsten Morgen warten schon die nächsten Proben auf die Analyse. Sie kommen aus Nordrhein-Westfalen und Hessen

Coronavirus-Tests für Kunden in Hamm, Warstein, Kassel, Bad Wildungen und Plettenberg

Das Abstrichzentrum am Krankenhaus Maria Hilf in Warstein gehört ebenso zu Wahls Kunden wie das evangelische Krankenhaus in Hamm, die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid und Werdohl, das Radprax-Krankenhaus in Plettenberg, das Agaplesion in Hagen, das Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen, die Werner-Wicker-Kliniken in Bad Wildungen und die Habichtswald-Klinik in Kassel. Corona-Tests von insgesamt zehn Krankenhäusern und rund 100 Arztpraxen wertet das Lüdenscheider Labor aus. 

Das Gesundheitsamt des Märkischen Kreis verzichtete dagegen auf die Labor-Dienste vor der Haustür. Anfang März habe er dem Kreis seine Dienste angeboten, berichtet Wahl. Ohne Erfolg. Dort setzte man von Beginn an auf das Labor am Hygieneinstitut in Iserlohn. Rund 2.500 Abstriche wurden in der vergangenen Woche durch Mitarbeiter des Märkischen Kreises genommen

An der Sicherheitswerkbank füllt eine Mitarbeiterin den Abstrich mit der Pipette in eine Kartusche.

Die Testmethode ist in jedem Labor der Welt gleich. An einer Sicherheitswerkbank wird der Rachenabstrich in Kartuschen gefüllt. Anschließend wird die RNA in der Extraktionsmaschine freigelegt. „Wir kannten die Sequenzen der Coronaviren. Beim Auftreten des neuartigen Typs wussten wir schon, wo wir in der RNA suchen mussten, um das Genom zu finden“, berichtet Labor-Leiter Wahl. 

Eine bestimmte Reihenfolge in der RNA verrät das Virus. Die Ergebnisse werden in Form von kleinen Punkten auf einem Computer-Bildschirm dargestellt. Grün bedeutet negativ, ein rotes Kästchen liefert den Nachweis für Sars-CoV-2

Die Auswertung von 96 Abstrichen befindet sich links: Grün bedeutet negativ, hinter einem roten Punkt verbirgt sich das Virus.

Dr. Hans Günther Wahl hat beim Blick auf die Auswertung zuletzt häufiger rot gesehen. In jedem siebten Rachen-Abstrich (14 Prozent) entdeckt sein Team derzeit das Virus. Bei den ersten Testreihen Anfang März war nur jede 25. Probe positiv. 

Höhere Trefferquote wegen geänderter Test-Voraussetzungen für Patienten

Das liegt auch an den geänderten Voraussetzungen für einen Abstrich. Aktuell werden nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur noch Menschen getestet, die Kontakt zu einem Infizierten hatten und grippeähnliche Symptome aufweisen. Es ist eine Reaktion auf die weltweiten Engpässe bei den sogenannten PCR-Tests. 

Das spürt auch das Lüdenscheider Labor. „Die Lage ist sehr dramatisch. Wir bekommen nicht mehr das, was wir ordern. Wenn ich 10.000 Einheiten bestelle, kann ich froh sein, wenn 1.000 ankommen“, sagt Dr. Hans Günther Wahl. Produzenten in Italien und den USA liefern gar nicht mehr. Wahl nutzt seine guten Kontakte zu den verbleibenden Herstellern, um das benötigte Material doch noch zu beschaffen. 

Ganz neu im Angebot sind Antikörper-Tests auf das Coronavirus - die Nachfrage ist riesig

Am Donnerstag kam eine neueLieferung im Klinikum an. Die Erleichterung ist dem Labor-Chef anzumerken: „Das reicht für die nächsten 14 Tage.“ Auch Antikörper-Tests auf Sars-CoV-2 kann Wahl jetzt durchführen. Damit wird Immunität nachgewiesen. Die Nachfrage aus Krankenhäusern und von Privatpersonen ist riesig. 

Dr. Hans Günther Wahl, Medizinisches Labor Wahl, Lüdenscheid

Der 64-jährige Facharzt für Laboratoriumsmedizin hat in seiner Karriere viel erlebt. Den gesellschaftlichen und politischen Folgen der Coronavirus-Pandemie steht er mit gemischten Gefühlen gegenüber. Er wünscht sich eine Versachlichung der Debatte. 

Labor-Chef wünscht sich neben Infizierten-Zahlen auch Angaben zu der Test-Häufigkeit

Die aktuell hohen Fallzahlen und Steigerungsraten, die durch die Medien geistern, führt der Experte auch auf die massive Ausweitung der Tests zurück. Ein Anfang für eine realistischere Einschätzung der Lage wäre aus seiner Sicht, die Infizierten-Zahlen immer in Relation zu den durchgeführten Tests zu setzen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus im Märkischen Kreis lesen Sie in unserem Newsticker.

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