Am Ende der Corona-Folgen-Kette: Taxifahrer warten stundenlang auf Kunden

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„Ich weiß nicht, wie das weitergeht“: Christo Michailidis arbeitet seit neun Jahren als Taxifahrer.

Lüdenscheid - Zwei bis vier Stunden Wartezeit zwischen zwei Fahrten sind für Taxifahrer in Lüdenscheid inzwischen Alltag. Seit Beginn der Corona-Krise ist die Kundschaft enorm zurückgegangen. "Ich weiß nicht, wie das weitergeht", sagt Christo Michailidis.

„Ich bin froh über manche Krankenfahrt, die ich noch machen kann. Laufkundschaft gibt es quasi fast nicht mehr, am Mittwoch war es das erste Mal wegen des Markts mal ein bisschen besser – aber es bleibt schwierig“, sagt Christo Michailidis.

Der 41-Jährige ist fest angestellt und seit neun Jahren als Taxifahrer tätig. Noch arbeite er normal, also die volle Anzahl an Stunden. „Für die Unternehmen ist das aber natürlich schwierig. Ich weiß nicht, wie das weitergeht – das ist für uns nicht mehr lange tragbar“, sagt er. An diesem Tag steht er mit seinem Taxi an der Altenaer Straße bereit, „ich bin hier oft locker zweieinhalb Stunden und es passiert nichts“.

Viele der Taxifahrer sind selbstständig, Kurzarbeit ist für sie keine Option, weiß Theodoros Kakanidis, Schriftführer der Lüdenscheider Taxen Funk Zentrale e.V. 

„Dankend haben alle Unternehmer das Soforthilfeprogramm des Landes NRW beantragt und zügig bewilligt bekommen. Banken kommen uns entgegen mit dreimonatigen Stundungen von Ratenkrediten der Fahrzeuge, Versicherungen ebenfalls mit zusätzlichen Rabatten“, sagt er. Befördern dürfen die Fahrer ihre Kunden zwar nach wie vor – allerdings unter gewissen Rahmenbedingungen, wodurch Einnahmen verloren gingen.

Wegen Corona: Umsatzverlust rund 80 bis 90 Prozent

Das Kontaktverbot minimiere die Einnahmen, vor allem entfallen laut Kakanidis aber die Schülerbeförderungen, Fahrten für Industriefirmen, Fahrten zu Flughäfen, Bahnhöfen und Reisebus-Terminals. Nicht zu vergessen sei die Haupteinnahmequelle: Die Fahrten am Wochenende, die es wegen der Schließung der Restaurants und Kneipen quasi nicht mehr gebe. Den Umsatzverlust berechne er auf rund 80 bis 90 Prozent.

Und auch im Taxi müssen Regeln eingehalten werden: darunter der Mindestabstand von eineinhalb Metern. Fahrgäste seien dazu aufgefordert, hinten Platz zu nehmen, idealerweise hinter dem Beifahrersitz, um einen möglichst großen Abstand zum Fahrer herzustellen, sagt Kakanidis. Falls mehrere Personen befördert werden müssen, soll ein Großraumtaxi angefordert werden. Ausnahmen gebe es allerdings, wenn es sich um notwendige Begleitpersonen von unterstützungsbedürftigen Personen handelt. Das sei zum Beispiel bei Dialyse-, Chemo- oder Bestrahlungstherapiepatienten der Fall.

Auch Fahrer Christo Michailidis transportiert häufiger Dialysepatienten, wie er sagt. „Zu deren Schutz, generell bei chronisch Kranken, tragen wir dann natürlich einen Mundschutz. Das mache ich auch auf Wunsch hin“, ab Montag könnte das ohnehin auch im Taxi verpflichtend sein. Desinfektionsmittel habe der 41-Jährige auch parat, um sich und andere zu schützen: „Ich helfe natürlich nach wie vor Menschen, die es benötigen – trage für ältere Leuten zum Beispiel mal die Einkaufstasche.“

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