Interview mit Sparkassen-Marketingleiter Thomas Meermann

Corona-Krise: Sparkassen-Kunden verlangen viel weniger Bargeld

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Thomas Meermann zeigt: Das Personalrestaurant der Sparkasse ist auf coronasicher gemacht worden

Lüdenscheid – Wie geht die Sparkasse Lüdenscheid mit der Coronakrise um, was hat sich im Alltag für Beschäftigte und Kunden in den Geschäftsstellen in Lüdenscheid, Schalksmühle und Herscheid geändert? Darüber sprach Willy Finke mit Sparkassen-Marketingleiter Thomas Meermann.

Herr Meermann, wann ist es für die Sparkasse ernst geworden in Sachen Corona?

Thomas Meermann: Ende Februar/Anfang März hat unser Corona-Besprechungsstab zum ersten Mal getagt. Relativ schnell entwickelte sich daraus ein Ein-Tages-Rhythmus. Morgens um kurz vor neun Uhr haben wir dann immer in Video-Schaltkonferenzen zusammengesessen und uns neu organisiert. Das war schon spannend. 

Gab es da schon konkrete Entscheidungen? 

Ganz zu Anfang zeigte sich die Lage noch nicht so dramatisch wie später. Darum entschieden wir drei Tage vor der Veranstaltung, die Knax-Kinoveranstaltung am 8. März noch durchzuführen. Das war ein kleines Wagnis, und wir haben schon etwas kontrovers diskutiert. 300 glückliche Kinder und deren Eltern haben sich aber am Ende gefreut, ebenso wie Filmpalast-Besitzer André Lubba. 

Absage der Knax-Party: "Das tat weh!"

Später gab es dann weniger Grund zur Freude?

So ist es. Leider mussten wir nicht nur die Schüler-Fußballstadtmeisterschaft, die wir ja seit vielen Jahren gemeinsam mit den LN durchführen, absagen, sondern auch die größte Kinderparty weit und breit. 

Sie meinen die Knax-Party im Nattenberg-Stadion? 

Natürlich. Diese Entscheidung ist mir ganz persönlich sehr schwer gefallen – eine Absage nach 25 Jahren. Ich habe nicht eine der Partys ausfallen lassen müssen. Das tat weh. 

Zurück zum Beginn der Krise: Worum ging es in Ihren ersten Konferenzen? 

Abstandsregeln mussten definiert, Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel besorgt werden. Da gab es ja erhebliche Lieferprobleme. Das war nicht anders als bei vielen anderen Betrieben auch. Einige Kollegen haben selbst gebastelte Masken mitgebracht. Da gab es bei uns von Anfang an auch viel Eigeninitiative.  

Waren Ihre elf Geschäftsstellen die ganze Zeit über geöffnet?  

Ja, bis auf zwei kleine Service-Geschäftsstellen. Diese mussten wir eine Zeitlang schließen, weil das Personal knapper wurde. Bei uns arbeiten ja auch viele Eltern, die zuhause Kinder zu betreuen hatten. Da mussten wir beim Personal teilweise umdisponieren, gerade im Publikumsbereich. 

"Das sind unsere Alltagshelden"

Wie wurden die Geschäftsstellen ausgestattet? 

Für die neun geöffneten Geschäftsstellen mussten wir Sicherheitsstandards festlegen. Stop-Punkte vor und innerhalb den Geschäftsstellen mussten aufgeklebt, ebenso auch Acrylglaswände als Spuckschutz angebracht werden – ganz wie in Supermärkten zum Beispiel. Außerdem wurde intensiv desinfiziert. Die Kolleginnen und Kollegen, die dort die ganze Zeit wirklich klaglos die Stellung gehalten haben, das sind unsere Alltagshelden. 

Wie hat sich in dieser Zeit die Zahl der Privatkunden-Einzelberatungen entwickelt? 

In den Geschäftsstellen ging die Zahl der Beratungsgespräche am Anfang stark zurück. Das verlagerte sich teilweise in Richtung Telefongespräche. Viele Kunden hatten aber auch zunächst ganz andere Sorgen, als sich von uns beraten zu lassen. Inzwischen hat sich das wieder normalisiert. Kunde und Berater sitzen sich jetzt eben mit mindestens anderthalb Metern Abstand im Einzelbüro maskiert gegenüber. 

Wie sah es bei den Firmenkunden aus? 

Dort gab es schon kurz nach Eintreten des Lockdowns sehr viel zu tun. Viele Firmen wollten KfW-Mittel (KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowie Mittel der Landes- und der Bundesregierung abrufen. Diese Beihilfen mussten über die Hausbank beantragt werden. Da gab es einen sehr hohen Informationsbedarf. Zu einem sehr großen Teil lief das per Telefon. 

Wie hat die Sparkasse die Arbeit während der Coronakrise intern grundsätzlich organisiert? 

Das war schon ein gewisser Kraftakt. Wir sind mit unseren Geschäftsstellen sehr stark vor Ort präsent und haben natürlich auch vor Ort unsere stationären Arbeitsplätze. Da galt es nun, relativ schnell die nötige Technik bereitzustellen, um ins Home-Office gehen zu können. 

"Guter Pandemie-Notfallplan"

Waren Sie technisch darauf vorbereitet? 

Nicht alle von uns sind mit dieser Technik vertraut gewesen, allerdings hatten wir einen guten Notfallplan für Pandemien. Dazu sind Banken verpflichtet. Ganz unvorbereitet waren wir also nicht. Trotzdem war es eine großartige Leistung unserer Orga, binnen ziemlich kurzer Zeit Home-Office-Arbeitsplätze für 80 von unseren rund 350 Mitarbeitern einzurichten. 

Warum überhaupt Home-Office? 

Zum einen ging es natürlich darum, Mitarbeitern Kinderbetreuung zuhause zu ermöglichen. Zum anderen mussten wir aber Vorsorge treffen, um Mitarbeiter vor allem in wichtigen Funktionen voneinander zu trennen.  

Können Sie da ein Beispiel nennen? 

Nehmen wir mal die IT. Die Informationstechnik ist elementar für uns. Wenn das nicht läuft, bricht der ganze Betrieb zusammen. Die Mitarbeiter sitzen in benachbarten Büros. Das Risiko, dass sie einander anstecken, war uns definitiv zu groß. Wir mussten sie also trennen und zum Teil Heimarbeit anordnen.  

Und die Heimarbeit hat gut funktioniert? 

Sie hat, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, erstaunlich gut geklappt. Meine Bildschirm-Oberfläche aus dem Büro hatte ich 1:1 auch zuhause, und die Geschwindigkeit war gleich. Ich war echt verblüfft. Trotzdem wollen wir in den nächsten Tagen dahin kommen, dass alle Kollegen der Sparkasse wieder an ihren normalen Arbeitsplätzen sitzen werden. 

Zwei Corona-Krankheitsfälle

Gab es verstärkt Krankheitsfälle in der Belegschaft? 

Das war natürlich eine unserer Befürchtungen im Corona-Stab. Der Krankenstand war aber sehr konstant niedrig. Wir hatten allerdings auch zwei Corona-Infizierte. Der eine hatte sich während seines Urlaubs angesteckt und war in der fraglichen Zeit nicht im Dienst. Der andere wurde während des Home-Office krank, hatte also auch keine Kollegen- und erst recht keine Kundenkontakte. Beide sind inzwischen wieder gesund, die Krankheitsverläufe waren eher mild. 

Mit Corona wurde die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens ausgeweitet. Hat das dazu geführt, dass die Sparkasse weniger Bargeld ausgab? 

Im März trat erst einmal das Gegenteil ein. Auch die Lüdenscheider hamsterten offenbar nicht nur Hefe und Toilettenpapier, sondern auch Bargeld. Ab April ließ die Nachfrage dann aber stark nach. Wir gaben etwa ein Drittel weniger Bargeld als in vergleichbaren Zeiten vor Corona an unsere Kunden aus. 

Konferiert der Corona-Besprechungsstab immer noch täglich? 

Nein, so langsam normalisiert sich alles bei uns. Seit Dienstag ist beispielsweise auch unser Personal-Restaurant wieder geöffnet – mit den gleichen Sicherheitsspielregeln wie in anderen Restaurants. Beispielsweise gibt es eine Einbahnstraßen-Regelung für die Besucher. 

Jeden Tag maskierte Kunden

Aber Ihre Kolleginnen und Kollegen im Schalterbereich haben immer noch Tag für Tag mit maskierten Kunden zu tun – eigentlich doch eine Horror-Vorstellung für jeden Banker?

Ja, da war durchaus eine gewisse Sorge bei den Mitarbeitern zu spüren. Aber die Augen der Besucher sind ja zu sehen. Und im Zweifelsfall kann man den Menschen sehr gut an seinen Augen erkennen. 

Haben Sie denn zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen? 

Das haben wir. Rund um das Monatsende – also den klassischen Gehaltsauszahlungstermin mit verstärkter Kundenfrequenz – beschäftigen wir Sicherheitspersonal in unseren größeren Geschäftsstellen. 

Wie sind Ihre Kunden mit den veränderten äußeren Bedingungen klargekommen? 

Die allermeisten sehr gut. Sie haben sich beispielsweise an unserer Hauptstelle selbst an Ultimo, also am vergangenen Freitag und Montag, maskiert bis nach draußen mit mindestens 1,50 Metern Abstand zueinander in Reih und Glied aufgestellt – und das bis zum Foster-Schirm. So sind unsere Kunden eben – besonnen und freundlich.

INFO: Das Einmaleins des bargeldlosen Bezahlens

Kunden können mit ihrer EC-Karte in Geschäften kontaktlos bezahlen. Sie müssen also keine PIN eingeben und kommen – in Zeiten von Corona besonders wichtig – mit dem Karten-Lesegerät körperlich nicht in Berührung.

Bis zum Ausbruch des Corona-Virus galt für das kontaktlose Bezahlen eine von den Banken garantierte Höchstsumme von 25 Euro. Diese wurde auf 50 Euro heraufgesetzt, damit Kunden das Lesegerät nicht so oft anfassen müssen. Die Zahlen der Nutzer des kontaktlosen Bezahlens sind seit Beginn der Coronakrise laut Thomas Meermann sprunghaft angestiegen.

Darüber hinaus ist nach wie vor das bargeldlose Bezahlen mit PIN-Eingabe  möglich. Der Einzelhändler vor Ort kann das sogenannte Akzeptanzgerät darauf einstellen, ab welchem Betrag es die Eingabe einer PIN verlangt. Einige Händler verlangen dies aber grundsätzlich. Wird zur Bezahlung eine PIN eingegeben, so schreibt die Bank dem Händler die Summer in jedem Fall unwiderruflich gut. Gleiches gilt auch für die kontaktlosen Zahlvorgänge bis 50 Euro. Das ist für ihn der sicherste Weg, an sein Geld zu kommen.

Reicht dem Händler aber eine Unterschrift statt der PIN-Eingabe, so akzeptiert er damit einen Lastschrift-Einzug vom Konto des Kunden. Das heißt allerdings, dass der Kunde binnen acht Wochen diese Zahlung bei seiner Bank ohne Angabe von Gründen widerrufen kann und die Bank ihm sein Geld zurückzahlt. Der Händler muss dann allerdings sehen, wie er doch noch an sein Geld kommt.

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