Sterben in Corona-Zeiten: Heime im MK ermöglichen den Abschied

+
Trotz der Coronakrise dürfen Angehörige sterbenden Senioren in Lüdenscheider Alten- und Pflegeheimen beistehen und Abschied nehmen.

Lüdenscheid - Auch in Corona-Zeiten muss niemand im Lüdenscheider Hospiz oder in den Altenheimen alleine sterben. Dafür sorgen die Mitarbeiter.

„Das eigentlich Traurige ist, dass wir uns anschließend oft noch zusammengesetzt haben mit den Angehörigen. Die haben dann Geschichten darüber erzählt, wie der Verstorbene so war.“ Sabine Große ist Einrichtungs- und Pflegedienstleitung im Lüdenscheider Hospiz, das im Amalie-Sieveking-Haus untergebracht ist. Die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase ist das Anliegen des Hauses, auch in Corona-Zeiten ist die liebevolle Betreuung der Gäste in den acht Zimmern eine Herzensangelegenheit.

Die Lebenserwartungen seien sehr kurz, und selbstverständlich dürften Angehörige die Gäste auf ihrem letzten Weg begleiten. Die Vorstellung, dass ein Familienangehöriger einsam in einer Einrichtung stirbt, ohne Anteilnahme, ohne Fürsorge oder Trost, ist ein kaum auszuhaltender Zustand – für die Familie nicht und auch nicht für den Sterbenden.

Nach dem aktuellen Erkenntnisstand gehe auch von einer berührungslosen Abschiednahme am offenen Sarg mit entsprechendem Abstand keine Gesundheitsgefahr aus. Daher werde empfohlen, den Hinterbliebenen diesen mitunter wesentlichen Teil der Trauerbewältigung auf Wunsch wieder zu ermöglichen, heißt es im empathielosen Amtsdeutsch seitens des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Doch im Gegensatz zu unseren Nachbarländern obliegt in Lüdenscheid die Entscheidung, wer dem Sterbenden die Hand halten darf, der Einrichtungsleitung. Und dort macht man viel möglich, um ein einsames Sterben zu verhindern.

Für die Mitarbeiter im Hospiz ist das Arbeiten komplizierter geworden: „Aber ich habe ein so tolles Team“, zollt Sabine Große ihren Mitarbeitern großes Lob, „die haben gesagt: ,Wir tragen das mit!’. Die Arbeit ist für uns hier selbstverständlich.“ Und auch die Angehörigen arbeiten mit Respekt vor der Ansteckungsgefahr durch das Virus mit, rufen vor den Besuchen an, bleiben fern, wenn sich Erkältungssymptome zeigen.

Pro Gast ist hier ein Angehöriger erlaubt, Masken, Schutzkleidung und Desinfektion sind ebenso obligatorisch wie der Eintrag in die Besucherliste. Da im Amalie-Sieveking-Haus ohnehin nur Einzelzimmer eingerichtet sind, fällt der Aspekt spezieller Quarantänezimmer weg.

Coronavírus: So geht es in den Altenheimen zu

Ähnlich ist das im Johanniter-Haus am Hagedornskamp geregelt. Dort gibt es freie Zimmer, in denen neue Bewohner zunächst einmal untergebracht werden. Auch hier ist die Sterbebegleitung durch Angehörige nach Absprache möglich. „Das ist eine Frage des Pragmatismus. Wir sind schließlich Menschen“, erklärt Einrichtungsleiter Uwe Beul.

Einen Aufnahmestopp gibt es auch im Dietrich-Bonhoeffer-Seniorenzentrum nicht. Wer in die Häuser an der Bonhoefferstraße einzieht, muss einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als drei bis vier Tage ist, veranlasst durch den Hausarzt. „Danach bringen wir den neuen Bewohner zur Sicherheit noch einmal zwei Tage in Quarantäne unter und beobachten, ob sich Symptome zeigen“, erklärt Einrichtungsleiter Udo Terschanski. Spezielle Zimmer gibt es auch hier nicht. Im Regelfall kommt der neue Bewohner gleich in das Zimmer, in dem er auch nach der Quarantäne wohnen wird.

Sterbebegleitung ist im Bonhoeffer-Seniorenzentrum erlaubt, alles andere, sagt Terschanski, sei ethisch unvertretbar: „Angehörige dürfen sich verabschieden. Bei uns ist sogar eine kleine Haussegnung zulässig, unter den entsprechenden Schutzvorkehrungen wie zwei Meter Abstand, Schutzkittel und Maske.“ Wünschenswert, sagt Terschanski, wäre allerdings immer noch eine Testung der Mitarbeiter und Bewohner, um auch hier auf der sicheren Seite zu sein.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare