Der erhoffte Kundenansturm ist ausgeblieben

Saturn und Co. nach Corona-Öffnung im MK: "Wer kauft einen Koffer?"

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„Es läuft jeden Tag ein bisschen besser.“ Sandra Dunker von Leder, Reise und Mode Jaeger im Stern-Center.

Lüdenscheid – Eineinhalb Wochen ist es her, dass auch die großen Geschäfte wieder öffnen durften. Doch die Stimmung im Lüdenscheider Einzelhandel ist noch gedämpft.

Der erhoffte Kundenansturm auf die Läden ist bislang weitgehend ausgeblieben. Der Handelsverband Südwestfalen schätzt die Umsatzeinbußen nach wie vor auf 60 bis 70 Prozent. Verbandssprecherin Karina Brühmann: „Viele Betriebe sind noch weit davon entfernt, rentabel zu arbeiten.“ 

Oliver Scherff, Inhaber von Feinkost, Bistro und Weinbar Papageno am Kleinen Sternplatz, sagt, die Kundenfrequenz in der Innenstadt sei eine „absolute Katastrophe“. Viele Menschen seien einfach nur froh, sich wieder mehr draußen aufhalten zu können. „Aber ihre Einkäufe erledigen sie eher ganz gezielt im Supermarkt.“ 

Papageno-Chef Oliver Scherff und seine Köchin Isa Elmer-Stötzel haben die Flucht nach vorne angetreten.

Bisher hat sich der Geschäftsmann mit 50 Prozent Kurzarbeit und reduzierten Öffnungszeiten über Wasser gehalten. Doch aktuell tritt er „die Flucht nach vorne“ an, wie er sagt. Er baut seinen Laden um und hat sich eine Bistrotheke im Blockhaus-Stil errichten lassen. Seine Köchin Isa Elmer-Stötzel bereitet sich am laut Scherff “schönsten Arbeitsplatz Lüdenscheids“ auf die erhoffte Normalität vor. 

Im Stern-Center blickt Sandra Dunker, Verkäuferin bei Leder, Reise und Mode Jaeger, auf die erste Woche nach dem Neustart zurück. „Das war tote Hose.“ Niemand konnte verreisen, „wer kauft denn da einen Koffer?“. Doch seit dem 2. Mai, als auch große Mieter in dem Einkaufszentrum ihre Türen aufmachten, laufe es „jeden Tag ein bisschen besser“. 

"Der Boom hat schnell nachgelassen"

Einer der Großen in 1a-Lage ist der Saturn-Markt. Ladendetektiv Christian Ehm spricht von langen Schlangen am Eröffnungstag – von einer gesperrten Rolltreppe und Wartezeiten von einer halben Stunde. „Aber der Boom hat schnell nachgelassen.“ 

Immerhin: Ehm und seine Kollegen haben deutlich weniger Probleme mit Ladendieben, eher mit Kunden, die an ihre Maskenpflicht erinnert werden müssen. Center-Manager Daniel Dalsasso sagt: „Die Besucherfrequenzen liegen noch deutlich unter dem üblichen Niveau – bei etwa 70 Prozent des normalen Niveaus – mit leicht steigender Tendenz.“ 

Wird "noch viele Wochen dauern"

Die meisten Kunden kauften zügig und zielorientiert ein. Nach Einschätzung Karina Brühmanns haben Branchen wie Lebensmittel- oder Baumärkte oder Gartencenter weniger Schwierigkeiten. „Viele andere spüren die Verunsicherung der Verbraucher viel deutlicher.“ 

Im Modesektor habe die Kundenfrequenz nach der ersten Lockerung nur anfangs angezogen. Aber auch, wenn sich Händler anders aufgestellt haben, um die Hygienevorschriften zu befolgen, „sehen wir nicht, dass Kunden Lust aufs Einkaufen haben“. Es werde „noch viele Wochen“ dauern, bis sich die Frequenz wieder normalisiert hat.

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