Die Dialysepatienten kommen mehrmals die Woche

Coronavirus: Masken und Desinfektionsmittel knapp - Hilferuf des Nierenzentrums

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Viele Einzelspenden können eine große Hilfe sein. Das Praxisteam ist froh über die Resonanz.

Lüdenscheid – Trotz aller Sorge, was noch kommt: Die Erleichterung ist spürbar. Das Team des Nierenzentrums am Buckesfeld hatte sich mit einem Hilferuf auf der eigenen Facebook-Seite und über das rotarische Netzwerk an die Öffentlichkeit gewandt, weil der Vorrat an Desinfektionsmitteln und Mundschutz knapp zu werden drohte.

Am Tag danach kann das Team erst einmal aufatmen: Der Aufruf hat gewirkt. „Wir sind alle total happy“, sagte Dr. Christoph Mohler gestern: „Herzlichen Dank.“ Weil die Resonanz Mut macht, weil sie Solidarität zeigt, weil sie hilft, weil sie neue Wege aufzeigt. Und weil sie zu ganz unerwarteten Reaktionen geführt hat: Ein Nähkränzchen wolle Mundschutz-Masken nähen. 

Eine junge Frau, deren Großmutter nach langer Pflege gestorben sei, habe ungeöffnete Flaschen mit antiviralem Desinfektionsmittel gebracht, ein Malermeister Masken. Die brauche er im Moment ohnehin nicht für Lackier- oder Asbestarbeiten. „Du kannst ein Kreuzfahrtschiff abschließen, aber keine Dialysepraxis“, sagt Dr. Mohler. 

"Wir müssen auch unser Personal schützen"

Die 38 Schwestern, Pfleger und Ärzte betreuen rund 160 Patienten in Lüdenscheid und Plettenberg. Die Dialysepatienten kommen mehrmals die Woche, die Ansteckungsgefahr ist hoch, der Verbrauch an Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung ebenso. „Wir müssen auch unser Personal schützen“, sagt Dr. Mohler. 

Und weil das natürlich nicht nur für die Lüdenscheider Praxis gilt, bezog er in seinen Hilferuf ausdrücklich die Kollegen in anderen Städten mit ein. „Der Appell erfolgt auch im Namen des Nephrologischen Regionalverbundes Westfalen-Lippe, der regionalen Vertretung der meisten Dialysezentren in Westfalen-Lippe.“ Die Hoffnung ist, dass die Menschen in vielen Orten so reagieren wie in Lüdenscheid und ihre heimischen Dialysepraxen unterstützen. Zumal diese Unterstützung längerfristig notwendig sei, wenn sich die Lage nicht entspanne. 

Erst einmal erleichtert: Die Mitarbeiter des Nierenzentrums Dres. Mohler, Loke, Meinke & Lehne am Buckesfeld sind überwältigt von der Reaktion auf ihren Hilferuf. Auch, weil frühzeitige Bestellungen nicht ankamen, wurde der Vorrat an Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln knapp.

Zwar habe Gesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag die Verteilung von zehn Millionen Atemschutzmasken an die Praxen angekündigt. Aber Dr. Mohler sieht solche Ankündigungen nach seinen jüngsten Erfahrungen eher skeptisch: „Wir haben, Stand heute, null Unterstützung von der Politik und der Ärztekammer bekommen.“ Im Gegenteil, man müsse sich noch vorwerfen lassen, warum sich die Ärzte nicht rechtzeitig eingedeckt hätten. 

Dabei habe man eben das versucht, so Dr. Mohler. Doch eine größere Bestellung von Ende Januar, die normalerweise innerhalb weniger Tage geliefert werde, sei erst in dieser Woche eingetroffen. Zum Glück habe der Aufruf der Praxis weitere Liefermöglichkeiten eröffnet – sei es eine Firma, die ihre Textilproduktion auf Mundschutz umgestellt habe, sei es die Apotheke vor Ort, die nun Desinfektionsmittel für sie anmische. 

Es bleibe, so Dr. Mohler, eine Daueraufgabe, sich um die Materialbeschaffung auf vielen Wegen zu kümmern. Neben dem üblichen Praxisalltag: Um auch hier für den Ansteckungsfall gerüstet zu sein, hat man inzwischen „die Kapazität für zehn Quarantäne-Plätze in zwei Schichten geschaffen“.

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