Ab Montag

Paradoxe Coronavirus-Folgen: Ärzte und Pfleger im MK in Kurzarbeit

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Coronavirus: Ärzte und Pfleger müssen ab Montag in eine 50-prozentige Kurzarbeit. (Symbolbild). 

Lüdenscheid – Die Folgen der Corona-Krise treffen die heimische Wirtschaft. Bereits mehr als 5.000 Unternehmen im Kreis haben Kurzarbeit angemeldet. Nun gerät sogar ein Krankenhaus in Schwierigkeiten.

  • Fachklinik in Lüdenscheid meldet Kurzarbeit an
  • Betroffen ist medizinisches Personal wie Ärzte und Pfleger
  • Dabei werden die Mitarbeiter in der Corona-Krise dringend gebraucht

Ab Montag (6. April) schickt die Sportklinik Hellersen Ärzte und Pflegepersonal in Kurzarbeit. Der Klinikbetrieb an der Paulmannshöher Straße wird deutlich heruntergefahren. 

Die Betriebsvereinbarung unterzeichneten Geschäftsführung und Betriebsrat am Donnerstag. Sie gilt ab dem 6. April für Mitarbeiter in allen medizinischen Abteilungen. Rund 250 der rund 300 Mitarbeiter sind davon betroffen. 

Coronavirus-Folgen: 50-prozentige Kurzarbeit für Ärzte und Pfleger angemeldet

Dabei wird das Personal für die Hälfte der Zeit Kurzarbeitergeld beziehen, die restliche Zeit gehen die Mitarbeiter ihrer Arbeit nach. Die Dienstpläne werden gemäß den Betriebserfordernissen nun angepasst. Von der Kurzarbeit ausgenommen ist der Verwaltungsbereich.

Die Sportklinik bleibt mit reduziertem Angebot geöffnet. „Wir werden Notoperationen und andere Notfälle auch weiterhin durchführen. Unsere Ambulanzen und die 24-Stunden-Notfallversorgung halten wir aufrecht. Wir sind weiter für unsere Patienten da“, betont Geschäftsführer Dirk Burghaus.

Als Notfall werden dabei alle Patienten gesehen, bei denen der Verzicht auf eine schnelle Operation irreparable Schäden nach sich zieht. Dazu zählen beispielsweise Kreuzbandrisse. Zwar hätten einzelne Patienten aus Angst vor Ansteckung von sich aus geplante Operationen abgesagt. Das sei aber nicht der Grund für die jetzt beschlossene Maßnahme, sagt Burghaus. Mit der Einführung von Kurzarbeit reagiere die Sportklinik vielmehr auf drastische Umsatzeinbußen durch die Corona-Maßnahmen des Bundesgesundheitsministeriums

Hintergrund ist die Anweisung von Gesundheitsminister Jens Spahn, alle planbaren Operationen und Eingriffe zu verschieben, um freie Kapazitäten für eine möglichst große Anzahl an Covid-19-Patienten zu schaffen. Für jedes frei gehaltene Bett erhält das Krankenhaus im Gegenzug eine Pauschale von 560 Euro pro Tag. Das gilt auch für Kliniken, die zunächst gar nicht auf die Behandlung von Covid-19-Patienten ausgerichtet sind.

Spezialkliniken leben von einer hohen Anzahl von Operationen mit kurzer Liegedauer

Fach- und Spezialkliniken, deren Geschäftsmodell auf einer möglichst hohen Anzahl von Operationen mit kurzer Liegedauer beruht, bringt das in finanzielle Schwierigkeiten. In der Folge beklagt zum Beispiel die Sportklinik nach eigener BerechnungEinnahmeverluste bis zu 48 Prozent pro Bett

Um auf die Schieflage im Gesetzentwurf hinzuweisen, hat Geschäftsführer Dirk Burghaus zwei persönliche Briefe an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geschrieben, in denen er vor „einigen Insolvenzen im Krankenhausbereich“ warnt. 

Die Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid meldet für einen Großteil seiner Mitarbeiter Kurzarbeit an. 

Sein eigenes Haus sieht Burghaus nicht akut gefährdet. Die betriebswirtschaftlichen Ziele für dieses Jahr werde man trotz der Umsatzeinbußen nicht verfehlen. „Die jetzige Situation wird kein Sargnagel für die Sportklinik“, verspricht Burghaus, der hofft, die Kurzarbeit-Vereinbarung so schnell wie möglich wieder aufheben und in den Normalbetrieb zurückkehren zu können. 

Sportklinik-Geschäftsführung hofft auf rasche Nachbesserungen

Der Wirkung der getroffenen Maßnahmen ist sich der Geschäftsführer bewusst. Burghaus bezeichnet es als „paradox“, dass ein Krankenhaus durch die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mitten in der Krise medizinisches Personal in Kurzarbeit schicken müsse. Da es neben der Sportklinik auch andere Fachkliniken treffe, glaubt er an einen Fehler und hofft auf rasche Nachbesserungen im Gesetz.

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