Leiter der Pathologie im Klinikum plädiert für Obduktion von Corona-Toten

Lüdenscheid –Professor Dr. Johannes Friemann, der Leiter der Pathologie im Klinikum Lüdenscheid, plädiert für die Obduktion der Covid-19-Opfer. Damit vertritt er deutlich eine andere Meinung als das Robert-Koch-Institut, das zunächst die Empfehlung gegeben hatte, auf eine Obduktion von Corona-Toten zu verzichten.

Die Obduktion verstorbener Patienten liegt Professor Dr. Johannes Friemann sehr am Herzen – nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. 

Denn: „Wir klären bei einer klinischen Sektion, woran der Mensch gestorben ist. Und dabei kann herauskommen, dass der Patient an zum Tode führenden Grundleiden erkrankt war, die die Ärzte vorher gar nicht erkennen konnten. Diese Erkenntnisse sind von immenser Wichtigkeit für die Erfahrung der behandelnden Ärzte beim Erkennen von Symptomen und Befunden, die auf eine lebensbedrohende Situation des Patienten hinweisen.“

Prof. Dr. Johannes Friemann Leiter des Instituts für Pathologie

Diese Aussage, die der Leiter des Instituts für Pathologie am Klinikum Lüdenscheid noch in normalen Zeiten gemacht hat, gilt nun im Kampf gegen das Coronavirus insbesondere.

„Aus den Obduktionen können wir lernen, wie wir die Lebenden besser behandeln können“, sagte Friemann jüngst in einem Interview mit der Welt, nachdem das Robert-Koch-Institut zunächst die Empfehlung gegeben hatte, auf eine Obduktion von Corona-Toten zu verzichten. Eine Empfehlung, der der Bundesverband Deutscher Pathologen, zu dessen Vorstand Friemann gehört, von Beginn an widersprochen hat.

„Um Krankheitsverläufe vorherzusagen und rechtzeitig die richtigen Schritte einleiten zu können, müssen wir ihre Entstehung und ihren zeitlichen Verlauf noch besser verstehen lernen“, argumentiert Friemann. Am Obduktionstisch sehen Pathologen, so Friemann, das „gelebte Leben“ der Organe und ihre krankengeschichtliche Veränderung. 

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„Wir erkennen so die Risikopopulationen für Covid-19. Wir können sagen: Was war da los im Körper? Das lässt sich zu Lebzeiten nicht mit endgültiger Sicherheit sagen“, erklärt Friemann und fügt hinzu: „Wir können Organveränderungen sehen, die die behandelnden Ärzte gar nicht auf dem Schirm hatten. Das kommt ganz allgemein ohne im Zusammenhang mit Virusinfektionen bei fast jeder zweiten Obduktion vor. Gemeinsam können wir so den Krankheitsverlauf nachzeichnen, der zum Tod geführt hat.“

Hieraus könne die Medizin für zukünftige Behandlungen lernen. Konkret könne durch das Ergebnis der Obduktionen zum Beispiel herausgefunden werden, ob eine Therapie früher begonnen werden oder ein Patient früher auf die Intensivstation verlegt werden müsse. Und: „Wir müssen ein besseres Verständnis für das Todesursachengeschehen erreichen. Wir können eine Beatmung oder Behandlung auch über einen Zeitpunkt hinaus fortführen, bei dem es überhaupt keinen Weg zurück gibt. Dann ist es menschlich, wenn man so eine Behandlung nicht unendlich fortführt.“ 

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