Schützenhalle Loh

Prunkbau ohne Publikum: Bucci sauer auf "Laschet, diese Lusche"

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Unklare Zukunft: Schützenhallen-Pächter Felice Bucci kann derzeit nur abwarten.

Lüdenscheid – Man kann nicht gerade behaupten, dass Felice Bucci mit dem Corona-Management der nordrhein-westfälischen Landesregierung einverstanden wäre. Seine Worte: „Der Laschet, diese Lusche – der erlaubt uns die Ausrichtung von Schulabschlussfeiern, wenn sie vorbei sind.“

Der Frust des Gastwirts speist sich aus seiner Situation. Denn Bucci ist Pächter des Restaurants Castello in der Schützenhalle am Loh. Und auch des historischen Saals selbst, eines der größten Veranstaltungsräume in der Region mit 1000 Sitz- oder 2500 Stehplätzen. Beliebt bei deutschen Schützen wie bei türkischen Brautpaaren und ihren Gästen. 

Das Problem: Seit dem coronabedingten Lockdown und damit seit März ist der Prunkbau weitgehend verwaist – Großveranstaltungen sind bekanntlich verboten. Mal eine Blutspende-Aktion des Roten Kreuzes, mal die Sitzung des Kreistages, viel mehr steht nicht im Hallen-Kalender. 

Für Bucci regelrecht ein wirtschaftliches Desaster: „Allein im Juni haben wir Umsatzeineinbußen von 20 000 Euro. Es gibt auch keine Anfragen. Keine Hochzeiten, keine Abi-Feiern, nichts. Das geht langsam an die Substanz. Ich weiß nicht, wie lange wir noch durchhalten können.“ Der mittlerweile wieder zulässige Betrieb der Gaststätte könne die Verluste in keiner Weise ausgleichen, weiß Bucci, der die Schuld für das Dilemma klar bei der Politik verortet: „Das versteht doch niemand mehr. Im Flugzeug sitzen die Leute dicht an dicht und wir dürfen gar nichts.“ 

Die große Einsamkeit: In der Schützenhalle am Loh finden derzeit keine Feiern statt.

Dabei habe er Behälter mit Desinfektionsmitteln längst angebracht. Auch eine Abstandswahrung und eine spezielle Wegführung durch die Schützenhalle seien möglich – um wenigstens Feiern im reduzierten Umfang auszurichten. Der Gastronom: „Am Betrieb der Halle hänge ja nicht nur ich mit meiner Familie und meinen Mitarbeitern. Auch viele Veranstaltungsfirmen nebst Technikern und Musikern sind betroffen.“ Immerhin, Pacht muss Bucci der Eigentümerin der Halle, der Bergstadt-Stiftung Lüdenscheider Schützenhalle, derzeit nicht zahlen. Die Nebenkosten muss er allerdings schon aufbringen – 4500 Euro im Monat. So oder so: Der aktuelle Zustand ist für Bucci unhaltbar: „Wir bekommen keine offiziellen Informationen und wissen daher auch nicht, wie es weitergeht. Wir brauchen aber Perspektiven. Im Augenblick können wir nur auf Neuigkeiten warten.“ 

Auch Brüninghauser Halle und Passmann-Saal stehen leer

Nicht eben rosiger sieht es in der Brüninghauser Halle aus. In dem Saal hat es laut Pächter Thomas Kleinhorst seit März keine Feier mehr gegeben. Seine Einschätzung: „Die Halle bietet 250 Plätze. 50 Gäste sind derzeit erlaubt. So will aber niemand feiern.“ Kleinhorsts Vorteil: Er pachtet den Großraum – vom Ursprung her eine Turnhalle – nur jeweils im Bedarfsfall von der Stadt Lüdenscheid an. Dennoch – „die Feiern fehlen natürlich. So wurde im Mai etwa ein geplantes Fest mit 150 Personen abgesagt“. Und auch Kleinhorst hat im Moment vor allem eine Aussicht: das Warten auf andere Zeiten. 

In diese Hoffnung muss sich auch Silke Passmann vom Brügger Hotel-Restaurant Passmann flüchten. Ihr größter Saal fasst 120 Menschen. Richtige Feiern allerdings gibt es dort wegen Corona schon länger nicht mehr: „Der Saal steht leer“, sagt Passmann, für die jedoch eine andere Entwicklung noch schwerer wiegt: „Mir fehlen vor allem die Hotelgäste.“

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