Hier werden jetzt Kurse live übertragen

Coronavirus im MK: So kommt die Tanzschule ins Wohnzimmer 

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Astrid Altmann und Volker Schmidt, Leiter des Krisenstabs des Kreises, absolvieren in Corona-Zeiten den Tanzkurs in den eigenen vier Wänden.

Lüdenscheid – Das alltägliche Leben ist durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Die Tanzschule bietet deshalb nun eine Besonderheit an: Tanzen im Wohnzimmer - per Live-Übertragung.

Wenn Volker Schmidt abends heimkommt, liegt ein langer und harter Arbeitstag hinter ihm. Die Stunden zählt er schon gar nicht. Als Leiter des Corona-Krisenstabes des Märkischen Kreises haben er und seine Fachbereichskollegen alle Hände voll zu tun. 

Anmerken lässt er sich nichts. Wer ihm begegnet, ist erstaunt über die Ruhe und Gelassenheit, die er ausstrahlt. Das ist auch seinem Hobby zu verdanken, das er mit seiner Lebensgefährtin Astrid Altmann teilt: Das Tanzen. 

Laptop an, der Tanzkurs startet.

„Wir tanzen zusammen, seit wir uns kennen“, erzählt der passionierte Fotograf, der nicht nur sportliche Freizeitbeschäftigungen kennt. „Ich tanze schon etwas länger, aber meine Frau besser als ich“, räumt er lächelnd ein. Doch das ist im Moment gar nicht so einfach. Tanzlokale haben geschlossen, Musikveranstaltungen sind ebenfalls wegen der Pandemie allesamt abgesagt. 

Immerhin lädt das gemütliche Wohnzimmer dazu ein: Das Haus von Volker Schmidt und Astrid Altmann bietet genug Platz, um nicht bei den ersten Steps mit dem Couchtisch zu kollidieren. Schnell wird der Teppich weggerollt, und schon kann es losgehen – mit der heißen Sohle auf dem eigenen Parkett. Die passende Musik gibt es, auch wenn die Geige als Dekostück über dem Vitrinenschrank hängenbleibt. 

Susanne Stadtmüller und Marc Tegtmeyer bieten jetzt Online-Kurse an.

Doch was fehlt, sind die Gesellschaft anderer Tanzpaare – und etwas fachliche Begleitung. Denn trotz aller Erfahrung besuchen Astrid Altmann und Volker Schmidt gerne Tanzkurse, die wegen der Virus-Epidemie auch geschlossen bleiben müssen. Glück im Unglück: In ihrer bevorzugten Tanzschule hat man sich etwas einfallen lassen. Susanne Stadtmüller und Marc Tegtmeyer bieten jetzt Online-Kurse an. 

Die fast menschenleeren Räume der Tanzschule S an der Humboldtstraße wurden zu einer Art Fernsehstudio umgerüstet. Die Schülerinnen und Schüler üben daheim vor dem Rechner oder Tablet. „Wir haben am Sonntag den letzten Tanzkurs gegeben, am Abend die Tanzschule abgeschlossen“, erzählt „Susi“ Stadtmüller. Die spontane Idee, Online-Kurse anzubieten, wurde sofort in die Tat umgesetzt. 

Nun wird nicht mehr in der Gruppe geübt, sondern Tanzlehrerin oder -lehrer stehen mit drei weiteren Protagonisten vor der Kamera. Deren Bild wird per Liveübertragung auf die Computer oder Smartphones der Schülerinnen und Schüler übertragen. Auch wenn Marc Tegtmeyer noch an der Technik feilt: Es läuft gut. Und: Die Kunden nehmen das Angebot so dankbar an. 

Mit modernster Technik werden die Anweisungen der Tanzlehrer ins Wohnzimmer übertragen.

Obgleich man sich in der Tanzschule S gut gerüstet sieht, und Video mit Sicherheit als Medium der Zukunft dazugehören wird: Dem hightech-begeisterten Tanzlehrer fehlen die persönlichen Kontakte: „Ich würde mich freuen, wenn wir den Normalzustand zurück hätten.“ 

Auch Susi Stadtmüller hat ein mulmiges Gefühl, wenn sie durch die verwaisten Räume ihrer Tanzschule geht. Da ist die Ablenkung durch neue Aufgaben eine willkommene Abwechslung. Zurück im Wohnzimmer von Astrid Altmann und Volker Schmidt: Auch hier freut man sich über Abwechslung, und auf den abendlichen Tanzkurs. 

Der Computer steht direkt an der Tanzfläche, ideale Bedingungen, um bei Rumba oder anderen lateinamerikanischen Tänzen den Anweisungen auf dem Bildschirm zu folgen. Die Liveübertragung klappt: Der Fern-Tanzkurs kann beginnen, los geht es mit Discofox. 

"So wird der Tag nicht langweilig"

Mit viel Elan werden die Schritte und Figuren absolviert, was beiden sichtlich Spaß macht, aber auch sportlich fordert. Das heimische Wohnzimmer als Tanzsaal funktioniert. In der aktuellen Krisenlage können sich der Landrats-Kandidat und die Immobilienverwalterin auf diese Weise von den Sorgen und Belastungen erholen. Gegen mögliche Eintönigkeit sieht sich Astrid Altmann gut gewappnet: „So wird der Tag nicht so langweilig, wenn man zuhause bleiben muss.“ 

Die Idee, die Tanzschülerinnen und -schüler in den eigenen vier Wänden weiter üben zu lassen, kommt offensichtlich gut an. Da werden die „Hausaufgaben“ doch gerne gemacht. Ein Modell, das auch anderorts bereits in den Startlöchern steht. In Brügge startet am Samstag ein Fitnessstudio ebenfalls damit, seine Kursangebote ins Internet zu „streamen“, wie es im Fachjargon heißt. Bereits jetzt sei der Zuspruch durch die Kunden sehr groß, berichten die Betreiberinnen

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