Bei dem Verdacht einer Infizierung werden Patienten isoliert

Coronavirus und Influenza: Klinikum im MK bereitet sich auf Ernstfall vor

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Einen hundertprozentigen Schutz vor Grippe gibt es nicht, die Influenzaviren sind sehr wandlungsfähig. Dennoch kann eine Impfung schützen. Bisher verläuft die Grippe-Saison deutlich milder als in den Vorjahren.

Lüdenscheid – Der erste Coronavirus-Verdacht im Märkischen Kreis (MK) in dieser Woche hat sich zwar nicht bestätigt, im Klinikum Lüdenscheid herrscht dennoch erhöhte Aufmerksamkeit: Denn nicht nur dieses Virus ist dort Thema, auch die Grippe-Saison hat begonnen.

In jedem Fall gilt: Sobald der Verdacht einer hochinfektiösen Erkrankung besteht, werden die Patienten sofort isoliert – damit sich die Viren oder Keime nicht verbreiten, erklärt Kliniksprecherin Corinna Schleifenbaum. 

Eine solche Isolierung werde überwacht, für die Hygieneabteilung des Klinikums gehöre die Behandlung solcher Patienten zum Tagesgeschäft. Die Patienten werden auf Einzelzimmer gebracht, vor denen Wagen bereitstehen: „Wer hineingeht, zieht sich entsprechend um, bekommt einen Mundschutz und Handschuhe“, sagt Schleifenbaum. Diese Sachen werden im Anschluss in speziellen Behältern entsorgt. 

Klinikum rüstet sich

Möglich ist, dass das Klinikum bei einem Verdacht auf das Coronavirus besonders verfahren wird: Am Mittwoch wird sich eine Runde aus Mitarbeitern des Labors, der Hygieneabteilung, Notaufnahme und Intensivmedizin zusammensetzen, um das zu besprechen und sich für den Fall zu rüsten, sagt Schleifenbaum. Wie genau das aussehen kann, wird das Klinikum nach der Sitzung erklären. 

Generell gelte: Bei gewissen Symptomen, die auf eine der Erkrankungen hinweisen können, werden die Patienten sofort getestet. „Wir haben spezielle Schnelltests, um etwa eine Influenza nachzuweisen.“ Dass Patienten sofort isoliert werden müssen, „kommt aber nicht häufig vor“, sagt Schleifenbaum. 

Deutlich weniger Grippefälle als in Vorjahren

Insbesondere bislang nicht in diesem Jahr. Denn seit Dezember hat es im Klinikum Lüdenscheid 18 Grippefälle gegeben, darunter waren acht Kinder. Ein Patient musste intensivmedizinisch versorgt werden, alle anderen Fälle seien sehr leicht verlaufen. In den Jahren zuvor war nicht nur die Anzahl der Fälle deutlich höher, auch der Verlauf war schlimmer, sagt Schleifenbaum. 

Zum Vergleich: Seit Januar gab es im gesamten MK 24 Grippefälle, im Januar 2019 waren es 63, wie Ursula Erkens als Pressesprecherin des Kreises erklärt. Insgesamt gab es 2019 im Kreis 626 Grippefälle, 2018 waren es 686. Allein von Januar auf Februar 2019 stieg die Zahl der Grippefälle von 63 auf 312 an. 

Milder Winter und guter Impfschutz

Das könnte dieses Jahr anders aussehen: Die Grippe-Saison dauert zwar in der Regel bis etwa Februar/März an, „aber es ist gut möglich, dass sie mild bleibt, wir hoffen das auf jeden Fall“, betont Schleifenbaum. Laut der Notaufnahme des Klinikums habe es auch 2019 keine extreme Grippewelle gegeben, dieses Jahr sei sie aber auch im Vergleich dazu bisher „ganz anders und leichter verlaufen“. 

Eine Vermutung der Klinik-Ärzte ist, dass der Winter nicht so streng war und das Immunsystem deshalb nicht so gefordert wird. Vor allem aber könnte der seit Ende 2018 verabreichte Vierfach-Impfstoff eine Rolle spielen, sagt Schleifenbaum. Zuvor wurde nur ein Dreifach-Impfstoff verabreicht, der einen geringeren Schutz von rund 50 Prozent bot. Der Vierfach-Impfstoff schafft dagegen einen Schutz von etwa 70 bis 80 Prozent und „scheint zu wirken“, sagt Schleifenbaum. 

"Panik ist nicht angebracht"

„Vielleicht haben sich auch generell mehr Menschen impfen lassen und die Bevölkerung ist sensibler geworden für das Thema Grippe-Impfung.“ Die Impfzeit beginnt bereits im Oktober, sinnvoll könne eine Impfung aber auch jetzt noch sein, betont Schleifenbaum. Generell sollte man besonders in dieser Jahreszeit auf Hygienemaßnahmen wie Händewaschen achten. 

Einen hundertprozentigen Schutz vor Grippe gibt es zwar nicht, „Panik ist aber in keinem Fall angebracht. Die Notaufnahmen sind gut darauf sensibilisiert, zu dieser Zeit ganz besonders“.

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