Sie lassen sich allerhand einfallen, um sich nah zu sein

Coronavirus-Folgen: Liebe auf Distanz - Enkel vermissen ihre Großeltern

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„Wir haben euch lieb!“: Über diese Botschaft der Enkelkinder haben sich Elke und Detlev Besler ganz besonders gefreut. Zwar können sie ihre Enkel nicht drücken, ihnen aber auf andere Weise nah sein.

Lüdenscheid – Eine innige Umarmung, das gemeinsame Mittagessen oder das Buddeln in der Sandkiste: Es sind die vielen kleinen Momente, welche die Beziehung zwischen den Großeltern und ihren Enkeln zu etwas Besonderem machen. Doch was normalerweise eine Selbstverständlichkeit ist, ist in Zeiten von Corona komplett weggebrochen.

Kontakte zwischen Großeltern und Enkelkindern finden nicht mehr statt – zumindest nicht auf die übliche Weise. Stattdessen gewinnen Telefonate, Video-Anrufe oder das Winken aus der Ferne an Bedeutung. „Da wir nur eine Straße voneinander entfernt wohnen und ein Einfamilienhaus mit Garten haben, ist unser Enkel Quentin normalerweise jeden Tag bei uns“, erzählt die Lüdenscheiderin Iris Schlingmann. 

„Im Moment sehen wir uns allerdings nur aus der Entfernung – vom Balkon runter in den Garten.“ Denn weil die kleine Familie selbst nur einen Balkon hat, darf sie das schöne Wetter zum Aufenthalt im Garten der Großeltern nutzen – während diese „von oben“ zuschauen. „Das ist natürlich noch komfortabel“, weiß Schlingmann, dass es weitaus schlimmere Situationen geben kann. 

"Quentin ist mein Herz"

Und dennoch sei es natürlich schwer, Abstand zu halten, den Zweieinhalbjährigen nicht ins Haus lassen zu dürfen. „Quentin ist mein Herz und ich genieße die Zeit mit ihm.“ Dennoch sei man sich der Verantwortung bewusst und halte sich an die Vorgaben. 

Normalerweise sehen sich Iris Schlingmann und ihr Enkel Quentin nahezu täglich – derzeit jedoch nur mit dem nötigen Abstand.

Hinzu komme, dass sich Iris Schlingmann und ihr Mann nach einem Aufenthalt in der Schweiz in die freiwillige Quarantäne begeben haben, seitdem das Haus nicht mehr verlassen. „Aber es ist unglaublich, wie gut man von seinen Mitmenschen betreut wird, wie viele ihre Hilfe anbieten. Das ist schon toll.“ 

Ebenfalls auf Abstand geht die Familie derzeit zur Schwiegermama (79) nebenan. Auch sie werde derzeit mit Einkäufen versorgt, die Kommunikation kann theoretisch von Balkon zu Balkon stattfinden. Insgesamt sei es natürlich für alle eine schwierige Situation, Abstand halten zu müssen. „Aber wir möchten ja nicht, dass jemand ernsthaft krank wird.“

Kreide-Gruß auf dem Hof

Mit Straßenmalkreide hinterließen Enkelkinder ihren Großeltern in Lüdenscheid einen Gruß auf dem Hof des Hauses. „Wir haben euch lieb! Oma und Opa“ steht dort geschrieben. In diesen Zeiten eine Botschaft, die Elke und Detlev Besler besonders berührte. Denn wegen des Kontaktverbots müssen viele Familien, die nicht zusammenleben, Abstand halten. Sie lassen sich aber reichlich einfallen, um sich auf andere Weise nah zu sein. 

„Ich kam gerade von meiner Arbeitsschicht nach Hause, als ich die Malerei vom Balkon aus auf dem Hof gesehen habe“, sagt Elke Besler. „Ich habe mich riesig, riesig darüber gefreut.“ Die Enkelkinder sind 5 und 9 Jahre alt, wohnen im Haus nebenan. „Wir laufen uns aber nicht mehr wie sonst über den Weg.“

Coronavirus im MK: "Das sind Luxusprobleme"

Sehen können sie sich zwischendurch trotzdem: „Wenn wir auf dem Balkon stehen und die Kinder im Garten sind, sehen und hören wir uns. Wir rufen uns dann manchmal etwas zu, haben auch schon mal Süßigkeiten oder ein Ratespiel runtergeworfen für die beiden.“ 

Das dritte Enkelkind von Elke und Detlev Besler ist erst eineinhalb Jahre alt, lebt mit den Eltern in Schalksmühle. „Wir telefonieren regelmäßig per Video, damit man sich trotzdem noch sehen kann“, erzählt die 59-Jährige. Der wenige Kontakt sei schwer, „aber das sind Luxusprobleme. Solange es allen gut geht, ist das in Ordnung. Anders geht es nicht“.

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