So will die Wirtschaft ihre Mitarbeiter schützen

Coronavirus: Firmen "kämpfen an allen Fronten", um es durch die Krise zu schaffen

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Die Aufsteller stehen vor der Tür – dennoch ist das Möbelhaus XXXLutz Sonneborn geschlossen.

Lüdenscheid – Die heimische Wirtschaft reagiert mit zahlreichen Schutzmaßnahmen auf die Ausbreitung des Coronavirus. Denn der Betrieb in den Firmen steht nicht still – Lieferketten sollen nicht abreißen, die Produktion gewährleistet werden und gleichzeitig hat der Schutz der Mitarbeiter hohe Priorität.

„Natürlich geht es in erster Linie um die Gesundheit der Mitarbeiter, doch auch ihre Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben“, sagt David Kuntzsch, Marketingleiter der Firma Erco. Die Lage ist dynamisch, derzeit werde versucht, die Situation täglich neu zu bewerten: 

„Wir haben sozusagen drei Standbeine: Dabei geht es um aktives Büromanagement, die Sicherheit der Mitarbeiter bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Unternehmensprozesse sowie digitale Kundenbetreuung“, sagt Kuntzsch. Die Lieferkette sei abgesichert und ein Lagerbestand aufgebaut worden. 

Kontakte in Unternehmen sollen minimiert werden

Seit Beginn der Corona-Krise tage die Geschäftsführung täglich. „Wir haben das Glück, dass noch keiner unserer Mitarbeiter erkrankt ist – auch nicht im Ausland.“ Um sie weiterhin zu schützen, sollen Kontakte im Unternehmen minimiert werden. Heißt: Gearbeitet werde gruppenweise und im Wechsel im Homeoffice, die Arbeitsbereiche seien aufgesplittet worden und in der Fertigung gebe es Schichtmodelle. 

Ähnlich in der Lüdenscheider Firma Schriever: „Wir versuchen, an allen Fronten zu kämpfen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Jan Schriever. Maßnahmen werden getroffen, „um die Lieferkette nicht abreißen zu lassen. Wir arbeiten im Wechsel im Homeoffice, damit die Büros nur mit Einzelpersonen besetzt sind“. 

Online-Meetings statt Konferenzen

Außerdem sei auch in seinem Unternehmen die Fertigung in Gruppen eingeteilt worden, „damit sie sich nicht mehr treffen, und um die Produktion sicherzustellen, falls eine Gruppe ausfällt“. 

Beide Unternehmen setzen in diesen Zeiten auf Online-Meetings: Treffen mit mehreren Personen seien abgesagt, Geschäftsreisen ebenfalls. Die Kundenberatung oder Konferenzen finden digital aus dem Homeoffice statt. 

Ansonsten gilt: abwarten. Wie sich die Lage weiter entwickeln wird, ist nicht absehbar. „Wir bereiten uns strategisch vor und gucken gespannt nach Italien“, sagt Jan Schriever. „Als erstes Land in der EU wurden dort strengere Maßnahmen durchgesetzt und wir hoffen, dass die Kurve dort abflachen wird.“ Klar sei derzeit nur: „Das ist natürlich eine Bremse für die Wirtschaft, hart und abrupt.“ 

Märkische Werkstätten müssen schließen

Kurzfristig handeln mussten am Mittwoch auch die Märkischen Werkstätten in Lüdenscheid: Nach dem Erlass der Landesregierung am späten Dienstagabend müssen sie den Betrieb ab sofort einstellen – vorerst bis zum 20. April. Davon betroffen ist in Lüdenscheid die Betriebsstätte Studjo, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. 

Der Betrieb in den Märkischen Werkstätten steht still: Die Betriebsstätten müssen schließen, die Angestellten sollen daher nun in den Wohnbereichen aushelfen.

Die meisten dort Beschäftigten seien bereits am Mittwoch zuhause und in ihren Wohnbereichen geblieben, sagt Christoph Pasch als Geschäftsleiter von Studjo. Ähnlich wie in den Kitas und Schulen gilt allerdings auch dort laut Erlass ein möglicher Notfallbetrieb, falls Menschen weiterhin betreut werden müssen. Das ist der Fall, wenn ihre privaten oder familiären Betreuer in systemrelevanten Berufen arbeiten. Viele werden den Notbetrieb in Lüdenscheid aber nicht nutzen müssen, sagt Pasch. 

Angestellte helfen in den Wohnbereichen aus

Damit die Betreuung der Menschen weiterhin gewährleistet ist, werden die Angestellten der Märkischen Werkstätten voraussichtlich ab sofort in den Wohnbereichen aushelfen: „Die Wohnbereiche sind ja normalerweise nur morgens und abends besetzt, weil die Menschen tagsüber bei uns beschäftigt sind“, sagt Pasch. 

Müssen sie ab sofort zuhause bleiben, ist entsprechend auch eine ganztägige Betreuung nötig. „So wie es aussieht, werden unsere Angestellten die nun mitübernehmen.“ 

Einen großen Andrang gibt es derweil in den Baumärkten. Viele Kunden schleppen Material für Renovierungen und Gartengestaltung aus den Läden. Denn auch das ist eine Folge der Epidemie: Wer zuhause bleiben muss, hat Zeit, sich um Haus und Garten zu kümmern. 

Bitte: Keine Familienausflüge mehr

Mit Handlungsempfehlungen wie Abstand halten und bargeldlosem Zahlen versuchen Obi und Hellweg die Ansteckungsgefahr für Kunden und Mitarbeiter gering zu halten. Hellweg-Marktleiter Andreas Brening bittet außerdem dringend darum, von regelrechten Familienausflügen, wir er sie in den vergangenen Tagen beobachtet hat, abzusehen. 

„Mama, Papa, Kinder und Opa im Schlepptau für ein paar Primeln.“ Das sei einfach keine Option, um die Ansteckungsgefahr für Kunden und Mitarbeiter zu reduzieren. 

Diese Frage stellt sich bei XXXLutz Sonneborn nicht – das Einrichtungshaus ist geschlossen, gähnende Leere auf dem Parkplatz, lediglich die Warenausgabe ist geöffnet.

Lesen Sie hier alle Neuigkeiten zum Coronavirus im MK und in NRW

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