Schüler werden digital von den Lehrern mit Aufgaben versorgt

Coronavirus: Familie aus Lüdenscheid berichtet aus dem abgeriegelten Italien

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Linien auf dem Boden in italienischen Supermärkten sollen für Abstand in Schlangen sorgen

Lüdenscheid - Fußballspiele vor Geisterkulisse, geschlossene Schulen und Reisebeschränkungen: Am Montag erklärte die italienische Regierung das Land zu einer „einzigen Schutzzone“. Eine Tatsache, die auch von den Lüdenscheidern mit italienischen Wurzeln intensiv verfolgt wird.

„Wir telefonieren im Moment tatsächlich miteinander“, erzählt beispielsweise Loredana Bucci-Weiß. Die Frau vom Zweiten Stellvertretenden Bürgermeister Björn Weiß hat Angehörige in Mailand sowie der Region Abruzzen östlich von Rom. Dort gehörten Schutzmasken und Handschuhe mittlerweile zum Alltag der Menschen.

Zwar werde weiterhin gearbeitet, alle weiteren Aktivitäten seien jedoch weitestgehend eingestellt. „Was man vermeiden kann, wird vermieden“, erzählt Bucci-Weiß weiter. 

Von Hamsterkäufen wie zuletzt in Deutschland hätten ihre Verwandten in Italien jedoch noch nicht berichtet: „Die täglichen Einkäufe sind problemlos möglich, es finden nur keine Wochenmärkte statt.“

Für die Schüler gilt: Sie dürfen zu Hause bleiben und werden digital von den Lehrern mit Aufgaben versorgt. „Es sind natürlich drastische Maßnahmen des Staates, aber sie dienen der Sicherheit. Und viele Menschen haben tatsächlich Angst“, weiß Bucci-Weiß, die immer wieder versuche, ihre Angehörigen zu beruhigen.

Sie hatte eigentlich für die Osterferien Flüge in ihre Heimat gebucht, „aber wir werden sehen, ob die Fluggesellschaft überhaupt noch fliegt.“ Und: Auch bei den Planungen für den Sommerurlaub halte man sich derzeit noch zurück, „da sind wir jetzt einfach etwas vorsichtiger.“

„Ruhig, aber vorsichtig“, so beschreibt auch Alessandro Silipo, Betreiber der Bar Segafredo im Stern-Center, das Verhalten der Menschen vor Ort. Er war bis gestern auf Familienbesuch in Kalabrien, der südlichsten Region des italienischen Festlandes.

Auch dort würden viele Menschen, vor allem jene mit Vorerkrankungen, auf Schutzmasken zurückgreifen, ansonsten gingen alle ganz regulär zu Arbeit. „Nur wenn man die Stadt verlässt, braucht man eine Genehmigung des Rathauses“, erzählt Silipo. Grundsätzlich seien die Menschen vorsichtiger geworden: „Man hält einfach ein bisschen mehr Abstand zueinander.“

Auf diese Abstände wird vor allem auch in den Supermärkten geachtet, weiß Luciana Nuovo. „Es gibt Linien auf dem Boden, an denen man stehen bleiben muss, wenn der Vordermann ebenfalls stehen geblieben ist“, erzählt sie im Gespräch. Die gebürtige Lüdenscheiderin mit italienischen Wurzeln kehrte vor 13 Jahren mit ihrem Mann zurück nach Italien, lebt dort mit den beiden Töchtern (10 und 7) in der Stadt Bari in der süditalienischen Region Apulien.

Auch wenn es in ihrer näheren Umgebung noch keinen Corona-Fall gegeben hat, bekommt sie die Auswirkungen hautnah zu spüren. Auch ihre Kinder dürfen das Haus nicht verlassen, bekommen die Schulaufgaben per Internet oder WhatsApp. „Das ist schon schlimm.“ Ihr Mann gehe zwar wie gewohnt arbeiten, muss jedoch immer eine Genehmigung bei sich führen. „Ansonsten gibt es eine Strafe.“

Streng geregelt ist auch die Anzahl jener, die einen Supermarkt betreten dürfen. „Das sind immer nur drei bis vier Personen.“ Hamsterkäufe hätte es zwar so noch nicht gegeben, jedoch sei der Ansturm nach der Ausweitung der „roten Zone“ am Dienstag deutlich größer gewesen. „Da war dann auch das Mehl weg.“ Andere Läden hätten für die nächsten 14 Tage grundsätzlich geschlossen – aus Angst und als Vorsichtsmaßnahme.

Ob die Kommunion ihrer Tochter Ende April stattfinden kann, ist derzeit ebenfalls fraglich. „Grundsätzlich ist es eine angespannte Situation.“ Die Straßen seien leer, viele wichen einen Schritt zurück, wenn man sich begegnet. „Noch ist gesundheitlich bei uns alles gut. Meine größte Sorge ist jedoch, dass ich ältere und gefährdete Menschen anstecke. Davor habe ich Angst.“

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