Arbeiten in Zeiten von Corona

Coronavirus im MK: Tischtennis per Videokonferenz - Kollegen kämpfen gegen "Homeoffice-Koller"

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Im Architekturbüro KKW hat der Chef ein Tischtennisturnier per Video zu den Mitarbeitern nach Hause übertragen - "damit sie nicht so einsam sind. Wir fehlen ihnen!“. (Symbolfoto)

Lüdenscheid – „KKW“: Das steht für „Kollektiv Kaldewey + Wortmann“. Doch zurzeit ist das Kollektiv arg geschrumpft. Von den 23 Mitarbeitern des Lüdenscheider Architekturbüros ist nur noch etwa ein Drittel anwesend.

Das findet Linus Wortmann gar nicht schön. Wortmann beschreibt sich selbst nämlich als einen Menschen, der die direkte Begegnung, den direkten Kontakt zu Mitarbeitern, Auftraggebern und Handwerkern braucht. Digitalisierung und Videokonferenzen sind für ihn kein ausreichender Ersatz. 

Der Architekt sagt, warum das so ist: „Erstens: Ich bin einfach gern mit Menschen zusammen. Zweitens: Wenn du beispielsweise einem Bauherrn Materialien zeigen willst, dann soll er diese im Original sehen, soll sie anfassen können. Das geht per Videokonferenz eben nicht.“ 

Videokonferenzen – die sind ohnehin so eine Sache. Wortmann: „Die letzten zwei Wochen waren in vieler Hinsicht extrem stressig. Wenn die digitale Kommunikation regelmäßig zusammenbricht, macht das den Gedankenaustausch dann auch nicht gerade einfacher.“ Die Entscheidungswege insgesamt, so sagt er, seien sehr zäh und langwierig geworden. 

Fast alles brauche mehr Zeit: „Aber vielleicht tut eine gewisse Entschleunigung ja auch künftig ganz gut. Unsere Branche hat in den vergangenen Jahren schon extrem hoch gedreht.“ Zufrieden ist Linus Wortmann damit, dass das Büro gut mit Aufträgen eingedeckt ist. 

Linus Wortmann bei der Arbeit.

Nun zahlt sich aus, dass KKW zu rund 70 Prozent für die Öffentliche Hand plant und baut – auch im heimischen Raum. Ob beim Kreishaus, beim Klinikum oder der Sportklinik Hellersen: KKW ist mit von der Partie. Neue Aufträge sind auch in Sicht: „Diejenigen Ausschreibungen für öffentliche Bauvorhaben, die im Januar oder Februar vorbereitet wurden, gehen in diesen Tagen raus. Da haben wir genug zu tun!“ 

Die Arbeit in Zeiten von Corona birgt Überraschungen – sowohl positive wie auch negative. So habe man die Neugestaltung der Fassade des Iserlohner Saturn-Marktes nicht nur nachts, sondern auch tagsüber vorantreiben können, weil der Markt geschlossen ist. 

Hilft aber alles nichts. Jetzt ist der Bau nämlich gestoppt, weil das benötigte Streckmetall aus Norditalien nicht angeliefert werden kann. Beim Bonner Landesmuseum dagegen geht’s aus einem anderen Grund nicht weiter wie geplant. Die ostdeutschen Monteure für die Sicherheitsverglasung finden im Raum Köln/Bonn einfach kein Hotelzimmer. Alles geschlossen. 

Wie sieht es derweil bei KKW an der Gustav-Adolf-Straße aus? Leer ist es. Etwa ein Drittel der KKW-Mannschaft macht Urlaub, ein Drittel arbeitet zuhause. Wortmann: „Das geht den Kollegen zum Teil schon ganz schön auf die Nerven. Homeoffice-Koller! Jüngst haben wir im Aufenthaltsraum ein kleines Tischtennisturnier gemacht. Das habe ich zu ihnen nach Hause übertragen, damit sie nicht so einsam sind. Wir fehlen ihnen!“ 

Und was fehlt Linus Wortmann, dem „Willi & Söhne“-Mitglied? „Zu Ostern hätte ,Burn the Fox‘ stattfinden sollen. Da bin ich in der Vorbereitung immer stark engagiert. Es ist wirklich schade, dass wir das absagen mussten. Aber dann brennt der Fuchs eben im Herbst!“

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