Wir geben einen Überblick über die aktuelle Situation

Maskenpflicht ohne Masken: Unsicherheit und Fragen in Stadt im MK

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Ab Montag gilt in NRW eine Maskenpflicht beim Einkaufen und in Bussen. Ein selbst genähter Mund-Nasen-Schutz ist eine Möglichkeit, sich und andere zu schützen.

Lüdenscheid – Die Maskenpflicht ab Montag wirft viele Fragen auf - wie soll sie in der Praxis konkret umgesetzt werden? Und welche Folgen hat ein Verstoß? Wir geben einen Überblick.

Ab Montag gilt in Nordrhein-Westfalen beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr eine Maskenpflicht. Das ist nach der Entscheidung der Landesregierung vom Mittwochmittag klar. 

Unklar ist dagegen noch für viele Bürger, aber auch Verantwortliche, wie diese Vorgabe aus Düsseldorf ab Montag konkret in der Praxis umgesetzt werden soll, woher sie – sofern noch nicht vorhanden – für sich die richtige Maske bekommen und welche Folge es hat, wenn gegen die Maskenpflicht verstoßen wird. Wir geben einen Überblick über den aktuellen Stand für Lüdenscheid. 

Wo gibt’s Masken? 

Zu Beginn der Woche hatte die Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH nach der ersten Lockerung tausende Masken an die innerstädtischen Einzelhändler verteilt. Über einen großen Vorrat, mit dem die Bevölkerung versorgt werden könnte, verfügt die Stadt nach Angabe der Pressestelle aber nicht. Das sei logistisch auch nicht zu machen. 

Die Stadt versuche, den eigenen Bedarf zu decken. „Wir können nur an die Eigenverantwortung der Bürger appellieren, sich zu versorgen“, sagt Stadt-Pressesprecher Sven Prillwitz. Masken gibt es weiterhin zu kaufen, beispielsweise in Apotheken. Einen einfachen Mund-Nasen-Schutz kann man aber selbst nähen oder sich nähen lassen. Auch ein Schal darf als Maske genutzt werden. 

Wie wird kontrolliert? 

Das Ordnungsamt kontrolliert bereits seit längerem verstärkt, um Verstöße gegen das Kontaktverbot zu ahnden. Einen zusätzlichen Kontrollbedarf mit Einführung der Maskenpflicht am Montag sieht das Ordnungsamt nicht. 

Da allerdings bis gestern Nachmittag noch keine Rechtsverordnung zur Maskenpflicht im Lüdenscheider Ordnungsamt vorlag, befinde man sich dort aktuell noch in der Warteschleife. Ob und wie ein Verstoß gegen die Maskenpflicht sanktioniert werden kann, ist dort noch nicht bekannt. 

Wie hilft eine Maske? 

„Ein einfacher, auch selbst gemachter Schutz hilft, damit Tröpfchen nicht direkt verteilt werden, wenn man niest oder hustet“, sagt Dr. Gunter Fay, Sprecher der Apotheker im südlichen Märkischen Kreis. 

Wichtig ist, dass die Maske Mund und Nase bedeckt. „Wenn die Maske feucht ist, sollte man sie austauschen oder trocknen“, rät Dr. Fay, denn ein feuchtes Milieu kombiniert mit Wärme sei ein guter Nährboden für andere Krankheitserreger. 

Welche Maskenklasse? 

In seinen Apotheken hat Dr. Gunther Fay Masken verschiedener Schutzklassen vorrätig. Allein gestern seien 6000 einfache Masken mit einem Dreifachvlies, sogenannte FFP1-Masken, geliefert worden. „Im Grunde kann man auch die mehrmals tragen, aber irgendwann zerfleddern sie“, sagt Dr. Fay. 

Anders als beispielsweise Stoffmasken mit Aktivkohlefilter, von denen Dr. Fay gestern 1000 Exemplare bekommen hat. „Sie kann man bis zu vierzig Mal waschen“, sagt Fay. Zudem gehören diese Stoffmasken wegen des Aktivkohlefilters zur FFP2-Klasse. 

Die Entscheidung aber, zu welcher Maske Kunden greifen, hänge auch entscheidend vom Preis ab. Eine einfache Maske sei derzeit für 2 Euro zu haben, eine Stoffmaske bei ihm für 10 Euro. Fay sagt: „In den Hit würde ich mit einer einfachen Maske einkaufen gehen. Für das Stern-Center, wo es auch mal mehr Gedränge geben könnte, würde ich dagegen eine FFP2-Maske nehmen.“ 

Unterwegs im Bus 

Die Maskenpflicht gilt ab Montag auch für Busse. „Wir sind von der Entscheidung am Mittwoch überrascht worden“, sagt MVG-Sprecher Jochen Sulies. „Wir sind zwar nicht erst seit jetzt mit dem Thema Masken unterwegs“, aber die Maskenpflicht bringe neue Aspekte ins Spiel. 

Schon vor Wochen habe die MVG 40.000 Masken bestellt, doch diese seien bisher noch nicht eingetroffen. Einen Liefertermin gab es bis gestern Mittag nicht. „Was wir auf keinen Fall möchten, ist, dass unsere Fahrer mit Masken fahren“, betont Sulies. Man wolle vermeiden, dass durch das Tragen einer Maske signalisiert werde, dass der Fahrer eventuell infiziert sei. 

Ob Busfahrer nach Einführung der Maskenpflicht jedoch weiter ohne Maske fahren dürfen, müsse noch geklärt werden. Die Verantwortlichen der MVG warten dringend auf die schriftliche Verordnung. Aus Sicht der MVG habe sich die bisherige Maßnahme, den Fahrerbereich abzusperren, bewährt und reiche aus. Es gebe bislang keinen einzigen Covid 19-Fall. 

„Wenn unsere Fahrer aber Fahrgästen, zum Beispiel Rollstuhlfahrern, beim Einstieg helfen – was immer noch vorkommt, dafür haben wir sie auf jeden Fall mit einer Maske versehen“, sagt Sulies. 

Als MVG-Fahrgast 

Eine andere Frage ist, wie MVG-Busfahrer damit umgehen sollen, wenn Fahrgäste ohne Mundschutz in die Fahrzeuge einsteigen sollten. „In den ersten zwei, drei Tagen wird es wahrscheinlich auf Information und Aufklärung durch Lautsprecherdurchsagen hinauslaufen“, denkt Sulies und hofft auf die Eigenverantwortung der Buskunden. 

Schließlich reiche neben selbst genähten Nase-Mund-Schutz auch ein Schal oder selbst Genähtes aus. Denn eins ist dem Unternehmen wichtig: „Wir sind ja selbst Betroffene der Situation und möchten nicht, dass wir nachher die Buhmänner sind“, betont Sulies. 

Der Einführung der Maskenpflicht am Montag sieht die MVG generell übrigens nicht so skeptisch entgegen. „Der Horrortermin für uns ist der 4. Mai.“

Neuigkeiten rund um die Entwicklung des Coronavirus im MK lesen Sie in unserem News-Ticker.

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