Anfang der 90er-Jahre wurde das Unternehmen gegründet

Alle dürfen öffnen: Modehaus auf Rädern aus dem MK kämpft ums Überleben

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Das Modetaxi fährt sonst bei Seniorenheimen im Sauer- und Siegerland, aber auch in Hessen vor. Besuche dort sind in absehbarer Zeit nicht geplant.

Märkischer Kreis– Zuerst durften die kleinen Geschäfte öffnen, jetzt folgten auch die großen. Nur der Betrieb von Eva Senft ist immer noch geschlossen.

„Ich kann mich vielleicht noch bis September über Wasser halten, aber dann ist Ende im Gelände“, sagt sie. Eva Senft betreibt mit Remscheidt Moden ein Bekleidungsgeschäft speziell für Senioren. Das Besondere daran: Sie verkauft ihre Mode direkt bei den Kunden, den Bewohnern in den Seniorenheimen. 

Anfang der 90er-Jahre gegründet, hat sich Remscheidt Moden im Laufe der Jahre zum rollenden Modehaus für Seniorenheime entwickelt. 500 Alten- und Pflegeheime, aber auch Behinderteneinrichtungen betreut die 60-Jährige zwischen Sauer- und Siegerland, Kassel und Frankfurt bis hinein in die Hocheifel. „In meinem Kalender standen gut 110 Termine für die Zeit bis Juli. Die sind jetzt alle abgesagt“, erzählt sie. Die Corona-Pandemie trifft ihr Unternehmen hart. „Wir dürfen ja nicht mehr in die Heime rein“, erklärt Senft. Doch genau das müssen sie und ihre Mitarbeiter, um den Bewohnern der Einrichtungen ihre Mode vorstellen zu können. 

Kann Unternehmen nicht langfristig finanzieren

Mit einem LKW, voll beladen mit Damen- und Herrenmode, von der Unterwäsche bis zum Therapieschuh, fährt sie sonst bei den Seniorenheimen vor. Für deren Bewohner sind diese Termine meist die einzige Gelegenheit, sich mit aktueller Mode einkleiden zu können. „Bei uns gibt es alles. Zuerst findet eine Modenschau statt, dann können die Modelle anprobiert werden“, erklärt Eva Senft. Und: „Doch das fällt jetzt alles weg.“ Vereinzelt melden sich Heime direkt bei Eva Senft und bestellen gezielt für einzelne Bewohner Kleidungsstücke. Aber von den wenigen Bestellungen kann sie ihr Unternehmen nicht langfristig finanzieren. 

„Die Leute sind vorsichtig geworden, das merkt man“, meint sie. Und dafür hat sie sogar Verständnis. „Der Euro sitzt bei vielen nicht mehr so locker – auch wegen der Kurzarbeit.“ Sie selbst hat ihre drei Vollzeitkräfte ebenfalls in Kurzarbeit schicken müssen. Ihren 450-Euro-Kräften hat sie erst einmal gekündigt. „Aber im Herbst brauche ich die wieder“, sagt sie hoffnungsvoll.

Noch im März war Eva Senft – hier selbst als Model während einer Modenschau – mit ihrem rollenden Modehaus im Werdohler Seniorenzentrum Haus Versetal zu Gast. Wann sie ihre Mode wieder in den Heimen präsentieren kann, ist völlig offen.

„Meine Herbsttermine sind voll“, erzählt Senft. Sie plant, ab August wieder durchs Land reisen zu können. Aber bis jetzt ist die hierfür alles entscheidende Frage noch offen geblieben: „Wann dürfen wir wieder in die Häuser rein?“ „Ich vermisse meine Arbeit“, erzählt Eva Senft. Selbst anstrengende Zwölf-Stunden-Tage machen ihr nichts aus. Jetzt sitzt sie in ihrem Lager an der Noltestraße 13, das voll mit der aktuellen Sommermode ist, und plant um die Corona-Krise herum. 

„Wir haben unsere Lagertore geöffnet, damit die Leute ihre Kleidung auch direkt hier bei uns aussuchen und kaufen können“, erzählt sie. Auch auf die Möglichkeit Kleidung zu verschicken, weist sie noch einmal hin. „Und dann haben wir ja auch noch unser Modetaxi.“ Damit können auch Privatleute ein Modesortiment zur Auswahl nach Hause kommen lassen und in ihrer gewohnten Umgebung anprobieren und auswählen. 

2006 hat Eva Senft Remscheidt Moden übernommen. „Ich habe hier gelernt – von der Pike auf“, erzählt sie. Noch ist sie voller Hoffnung, dass sie das Unternehmen weiter halten kann. Und das nicht nur für sich und ihre Mitarbeiter, sondern auch für ihre betagten Kunden, die auch künftig mit der Mode gehen sollen. 

Das Modetaxi von Remscheidt Moden fährt auch in diesen Tagen raus. Termine können direkt mit Eva Senft unter der Rufnummer 0 23 51/6 65 55 55 oder unter www.modetaxi.de vereinbart werden.

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