Suche nach Bekannten

Corona zum Trotz: Ein Brite will nach Lüdenscheid

Der Engländer Philip H. Hartley plant seit seiner Jugend einen Lüdenscheid-Besuch. 2021 soll die Reise gelingen.
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Philip H. Hartley plant seit seiner Jugend einen Lüdenscheid-Besuch.

„It would be nice to say hello“, findet Philip H. Hartley – und begann im vergangenen Jahr mit seiner Suche nach einem alten Bekannten. Allerdings einem sehr flüchtigen alten Bekannten, der aus Lüdenscheid stammte.

Lüdenscheid - In unserer Weihnachtsausgabe halfen wir dem Briten, mittlerweile jenseits der 70, bei der Suche nach einem Jungen, den er im Rahmen eines Jugendaustausches in seiner Heimatstadt Cleckheaton/West Yorkshire Mitte der 50er-Jahre kennenlernte. Erst sei sein älterer Bruder Anthony über ein Schul-Austauschprogramm in Lüdenscheid gewesen. Und der Jüngere, fasziniert von allem jenseits des Kanals, von fremden Ländern, fieberte seitdem auf seine eigene erste Auslandsreise hin. Doch zunächst kam ein „Jurgen Schussler“ auf Gegenbesuch in die englische Familie, wie sich der Brite bis heute ganz genau erinnert. Eben den sucht er nun. Denn einen Gegenbesuch hatte es, allen Hoffnungen und Träumen zum Trotz, nie gegeben: Vater Hartley hatte das Geld fürs erste Familienauto ausgegeben; für eine Auslandsreise des Jüngsten war nichts mehr übrig.

Die Enttäuschung saß tief. Philip Hartley sollte später die Welt sehen, aber Lüdenscheid blieb ein weißer Fleck auf der Landkarte. Bis jetzt. Sein Entschluss steht fest, Corona hin oder her. In den nächsten Wochen, so schreibt er an die Redaktion, werde er aber seine Corona-Impfung erhalten. Das freue ihn sehr. Deshalb plane er nun seine Reise für das Frühjahr. Erste Prospekte, von der Pressestelle der Stadt auf die Insel geschickt, haben ihm Appetit auf das gemacht, was es hier zu sehen gibt. Auch das „festival of lights“ klinge sehr interessant, schreibt er. Doch auch ohne Lichtrouten reizt ihn ein Besuch.

Erinnerungen an einen England-Aufenthalt

Nur „Hallo sagen“ zu seinem alten Bekannten aus Kindertagen, das wird er nicht können. Denn auf die Veröffentlichung in den LN hin meldete sich eine Lüdenscheiderin. Sie zeigt sich überzeugt, dass es sich bei dem gesuchten „Jurgen Schussler“ um ihren mittlerweile verstorbenen Ex-Mann Hans-Jürgen Schüßler handeln dürfte. Der, so erinnert sie sich, habe auch von einem England-Aufenthalt als Schüler erzählt. Sogar ein Fotoalbum habe es gegeben, weiß sie noch. Sie habe es gesehen – „mit Eintrittskarten, Tickets und vielen Bildern“. Doch all’ das sei nach dem Tode ihres Ex-Mannes, der 2018 im Alter von 76 Jahren starb, weggekommen.

Alles, bis auf ein in dem Zusammenhang aussagekräftiges Dokument: einen Pass. Den hat sie wiedergefunden. Das Reisedokument wurde dem damals 15-jährigen Schüler am 9. Mai 1957 in Lüdenscheid ausgestellt. Ersteinsatz: eine Reise nach England. Stempel, die im Zusammenhang damit stehen, finden sich auf einer Doppelseite. Am 5. Juni 1957 erfolgte die Einreise über Belgien. Am 6. Juni hinterließen die Zeevartpolitie am Haven Oostende sowie das Immigration Office (Dover) ihre Stempel. Bis zu drei Monate hätte der Aufenthalt dauern dürfen. Doch nach zwei Wochen ging’s offensichtlich zurück nach Germany. Die Englischkenntnisse von Hans-Jürgen hätten sich in der Zeit sehr verbessert, erinnert sich Philip Hartley.

Offensichtlich ohne langfristigen Effekt: Ihr Ex-Mann, so erinnert sich die Lüdenscheiderin, habe kein Englisch gesprochen. Hans-Jürgen Schüßler schloss die Schule ab und ging zum Studium nach Mainz. Als Diplom-Vermessungsingenieur kam er zurück in die Bergstadt, wo er sein Arbeitsleben verbrachte.

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