Corona: Interview mit Gesundheitsamts-Leiter Volker Schmidt

Werdohl Inzidenz-Spitzenreiter im Märkischen Kreis

Bundeswehr Corona
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Die Bundeswehr hilft dem Gesundheitsamt.

Unter den Städten und Gemeinden des Märkischen Kreises hat Werdohl zurzeit die höchste Inzidenzrate. Doch Volker Schmidt, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, will das nicht überbewerten.

Lüdenscheid - Im Gespräch mit Willy Finke erläutert er den Grund.

Herr Schmidt, der Inzidenzwert für den Märkischen Kreis ist jetzt schon relativ lange recht konstant. Am Dienstag um Mitternacht lag er bei 149,9. Was lässt sich daraus ableiten?

Das exponentielle Wachstum ist zwar zurzeit gestoppt, aber an den Arbeitsbelastungen für uns hat sich dadurch noch nichts verändert. Die Fallzahlen bewegen sich eben nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Entscheidend ist dabei die konstant hohe Anzahl der Neu-Infizierten. Wir können nur hoffen, dass diese Zahl allmählich sinkt.

Wie ist die aktuelle Situation bei Ihren Kontaktermittlern?

Seit dem vergangenen Donnerstag haben wir die Bundeswehr wieder am Start. Die Soldaten machen wirklich eine tolle Arbeit. Sie helfen uns sehr dabei, unsere Rückstände aufzuarbeiten.

Wo sitzen Ihre Ermittler?

In Lüdenscheid, Altena und Iserlohn. Wir müssen sie aus Gründen der Arbeitseffizienz zwar konzentriert unterbringen, aber aus Infektionsschutzgründen andererseits auch nicht zu eng beieinander. Großraumbüros sind schwierig.

Was bedeutet Arbeitseffizienz in diesem Zusammenhang?

Die Koordinierung wird umso problematischer, desto mehr Standorte man hat und desto dezentraler die Kräfte untergebracht sind. Wir sind nach wie vor in einer sehr dynamischen Lage, in der es häufig neue Sachstände gibt. Erst am Montag haben wir wieder eine neue Corona-Schutzverordnung bekommen und einige andere neue Rechtsgrundlagen. Das muss rasch allen Mitarbeitern vermittelt werden.

Kann überhaupt noch die Rede davon sein, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln? Sind Sie nicht voll und ganz damit ausgelastet, die Infizierten erst einmal selbst zu informieren?

Neben den Soldaten bekommen wir am heutigen Dienstag, am 15. Dezember und im Januar weitere Kräfte. Das sind 15 Mitarbeiter des Finanzamtes und etwa fünf weitere Containment Scouts. Ich hoffe natürlich schon, dass wir dann auch wieder die Kontaktpersonen nachverfolgen können.

Wie viele Ermittler brauchen Sie insgesamt?

Unser Ziel ist es, gut 100 Ermittler zur Verfügung zu haben. Das werden wir auch erreichen.

Bekommen Sie von Ihren Ermittlern Rückmeldungen, ob Probleme bei den Telefonaten auftreten?

Wenn, dann sind das vor allem Sprachprobleme. Hilfreich ist da unsere Hotline. Zu verschiedenen Zeiten stehen Dolmetscher unseres Integrationsdienstes für verschiedene Sprachen zur Verfügung. Bei den normalen Telefonaten versuchen unsere Ermittler grundsätzlich erst, sich selbst mit den Angerufenen zu verständigen, bevor sie in einem zweiten Anlauf Dolmetscher dazunehmen.

„Die meisten Menschen haben Verständnis“

Gibt es auch noch andere als Sprachprobleme?

Natürlich haben wir auch schon mal mit Leuten zu tun, die mit den von uns angeordneten Maßnahmen nicht einverstanden sind. Bei einem Großteil der Menschen, mit denen wir reden, stoßen wir aber auf Verständnis.

Ein wichtiger Faktor für die Beurteilung der Pandemie-Entwicklung sind die Inzidenzwerte. Sie werden täglich für alle Landkreise und kreisfreien Städte veröffentlicht. Wie sieht es denn eigentlich zurzeit in den einzelnen Kommunen des Märkischen Kreises aus?

Aktuell liegt Werdohl an der Spitze mit einer Inzidenz von 372. Meinerzhagen folgt mit 358 und Plettenberg auf Platz 3 mit 221. Für uns sind diese Zahlen aber nicht entscheidend, weil sie doch eine sehr kleinräumige Situation abbilden. Wenn in einer Gemeinde wie Herscheid fünf oder sechs Fälle auftreten, dann steigt der Inzidenzwert dort wegen der deutlich geringeren Einwohnerzahl gleich viel drastischer als zum Beispiel bei der gleichen Fallzahl in Lüdenscheid.

Zu Silvester darf geböllert werden - wenn auch nicht überall. Hätten Sie einen generelles Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper befürwortet?

Natürlich ist es aus Infektionsschutzgründen problematisch, wenn sich viele Leute zusammenfinden und möglicherweise alkoholisiert und ohne Masken eng zusammenstehen, um Feuerwerk abzubrennen. Wenn aber jemand sein Feuerwerk kontrolliert und vorsichtig abschießt, ist dagegen nichts zu sagen. Insofern hätte ich ein generelles Verkaufsverbot nicht befürwortet.

Sie sind also für den jetzt beschlossenen Kompromiss?

Ja. Wir sind in einer Situation, in der wir viele Kompromisse machen müssen. Man will den Menschen nicht jegliche Freude verderben, muss aber den Infektionsschutz immer im Auge behalten.

Befürchten Sie, dass die Inzidenzraten nach den für die Feiertage geplanten Lockerungen wieder stärker ansteigen?

Wir können einfach nur an die Menschen appellieren, nicht alle Vorsicht zu vergessen. Halten Sie Abstand, setzen Sie öfter auch einmal innerhalb der Familie eine Schutzmaske auf, verzichten Sie auf die eine oder andere Umarmung, lüften Sie die Räume besser! Damit können Sie Leben retten!

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