Corona bedeutet weniger Patienten und geringere Einnahmen

Klinikum Lüdenscheid: Corona verschlimmert Situation - Sorgen um Widi 

Klinikum Lüdenscheid Corona Widi
+
Als einziges Haus der Maximalversorgung im Märkischen Kreis schulterte das Klinikum Lüdenscheid einen Großteil der Belastungen durch die Corona-Pandemie, vor allem bei der Behandlung intensivpflichtiger Covid-19-Patienten.

Die Folgen der Corona-Pandemie stellen die Märkische Gesundheitsholding vor enorme Herausforderungen – wirtschaftlich und personell. Die kreiseigene Konzernmutter, zu der unter anderem die Märkischen Kliniken und die Wirtschaftsdienste Hellersen (Widi) gehören, legte jetzt im Kreisausschuss den Konzernabschluss für 2020 vor. Dabei präsentierte die Geschäftsführung um Dr. Thorsten Kehe alarmierende Zahlen. Sorgenkind bleibt die Widi. Ihr Bestand ist weiterhin gefährdet.

Lüdenscheid - Die Gleichung ist einfach: Corona bedeutet weniger Patienten; weniger Patienten bedeuten geringere Einnahmen. In der ersten Welle im Frühjahr waren die Kliniken dazu verpflichtet worden, planbare Operationen und Behandlungen zu verschieben. Die vom Gesetzgeber daraufhin initiierten Zahlungen für nicht belegte Betten konnten die Einnahmeverluste ebenso wenig ausgleichen wie die Freihaltepauschalen ab November. Die Gesamterlöse gingen in der Folge deutlich zurück auf 260,6 Millionen Euro (2019: 273,3 Millionen Euro). Statt eines erwarteten Überschusses von 2,4 Millionen Euro stand für die Märkische Gesundheitsholding am Ende des Corona-Jahres ein Fehlbetrag von 6,3 Millionen Euro.

Dabei hätte der Verlust noch deutlich höher ausfallen können. Mit einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen steuerte die Konzernleitung gegen. So wurden die Prüfquote des Medizinischen Dienstes auf fünf Prozent begrenzt und die Strafzahlungen für 2020 und 2021 aufgehoben, ein Zusatzentgelt für Testungen eingeführt und der Pflegeentgeltwert angehoben. Für 2021 plant die Geschäftsführung, direkt mit den Krankenkassen über die pandemiebedingten Mehrkosten zu verhandeln.

Alarmierende Zahlen

Der kreiseigene Unternehmenskonzern stellte dabei auch die überragende Bedeutung des Klinikums Lüdenscheid für die Gesundheitsversorgung in der Region heraus, das als einziges Haus der Maximalversorgung im Märkischen Kreis einen Großteil der Belastungen in der Corona-Pandemie zu schultern hatte, vor allem bei der Versorgung intensivpflichtiger Covid-19-Patienten. Im Konzernbericht mahnt die Geschäftsführung zudem Investitionen an, „um den hohen Standard zu halten.“ Demnach schieben die Kliniken in NRW einen erheblichen Investitionsstau vor sich her.

Das gilt auch für das Klinikum Lüdenscheid, wo die Rückstellungen für Investitionen in den Brandschutz im vergangenen Jahr um 1,9 Millionen Euro auf jetzt 5,3 Millionen Euro erhöht werden mussten. Wie berichtet, hatten sich die Stadt Lüdenscheid und die Märkischen Kliniken nach langem Streit auf ein Brandschutzkonzept geeinigt. Die Genehmigung ist inzwischen erfolgt.

Hintergrund

Nach Abschluss der Sanierung Ende Januar 2022 wird die wirtschaftliche Situation der Widi neu bewertet. Attestieren die Banken dem neu aufgestellten Klinik-Dienstleister dann eine Zukunftsperspektive, ist der Fortbestand vorerst gesichert. Wenn nicht, sind rund 300 Jobs in Gefahr.

Große Sorgen bereitet die Entwicklung bei den Wirtschaftsdiensten Hellersen (Widi). Durch Sparmaßnahmen beim Personal verbesserte die Widi laut Bericht zwar das Vorjahresergebnis, blieb mit einem Minus von 681 000 Euro aber deutlich unter dem angestrebten Plus von 154 000 Euro. Das Corona-Jahr war für die Widi ein Rückschlag im bereits eingeleiteten Sanierungsprozess. Unter anderem sprang ein großer Kunde ab und verschlimmerte die angespannte Lage noch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare