Corona-Stress-Test an Schulen: Schulleiter üben Kritik

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Masken im Unterricht: Lehrer berichten von vielen freiwillig Maske tragenden Schülern.

Lüdenscheid - Wie es in Schulen in Corona-Zeiten tatsächlich läuft - das hörten Politik und Verwaltung nun erstmals geballt aus erster Hand. 

„Es gibt viele, viele Herausforderungen. Corona offenbart Stärken, aber auch Schwächen im System.“ Christiane Langs-Blöink, Schulleiterin der Theodor-Heuss-Realschule, nutzte das Forum im Schul- und Sportausschuss am Donnerstag und gab einen Einblick in ihren Schulalltag in Corona-Zeiten. Auch Bettina Göldner (Grundschule Wehberg) und Dieter Utsch (BGL) berichteten aus dem Corona-Alltag.

Deutlich wurde dabei ein gewisser Frust, vor allem angesichts oft kurzfristiger  Entscheidungen, die Schulen irgendwie umzusetzen hätten. Christiane Langs-Blöink formulierte das so: „Vor lauter Dingen, die die Ministerin zu erwähnen vergisst, kommen wir nicht dazu, Dinge zu lösen.“ Daran arbeite man gleichwohl „kreativ und unter hoher Belastung“. Allein die „großartige Solidarität“ unter den, aber auch innerhalb der Schulen helfe über solche Frustmomente hinweg. 

Bettina Göldner sprach davon, dass an Tag 3 nach den Sommerferien ihre Schule die erste mit einem positiv getesteten Kind gewesen sei. Das Wochenende habe sie in der Schule verbracht – und organisiert. Am Ende habe es ziemlich gut funktioniert. Göldner: „Es war eine Vorreiter-Erfahrung. Die konnte ich an meine Kollegen weitergeben, die es dann in rascher Folge auch traf.“

Dem Schlagwort Homeschooling zum Trotz („ist in Deutschland verboten“) ging Dieter Utsch aufs „Lernen auf Distanz“ ein. „Für die Erledigung dieser Aufgaben fehlten uns jegliche Voraussetzungen“, sagte er. In der Verwaltung müsse über Ressourcen nachgedacht werden. Geräte fehlten, auch Kapazitäten. Eine „überschaubare Größe“ seien hingegen Schüler ohne Internetzugang, die nicht zu erreichen waren.

Frank Bisterfeld (Reichwein-Gesamtschule) schilderte den „Gänsehaut“-Moment, als auch nach Aufhebung der Maskenpflicht „zu 98 Prozent“ freiwillig Masken im Unterricht getragen wurden. Fachdienstleiter Matthias Reuver hörte das mit Freude: „Wir wollten uns nicht einmischen.“ Eben das frustrierte wiederum Dieter Utsch. Er fand es „schade“, dass er auf seine diesbezügliche Anfrage keine Antwort aus der Verwaltung bekommen habe: „Das finde ich kein so gutes Signal. Wenn ich mir anschaue, dass das Rathaus noch geschlossen ist . . .“

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