Zwischen „Knapp“ und Kluse

Corona-Spaziergang durch Lüdenscheid: „Oben ohne“ trotz Maskenpflicht

Innenstadt Lüdenscheid
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Die „besondere Enge der Fußgängerwege“ mache es erforderlich, dass Passanten in der Lüdenscheider Innenstadt Mund und Nase bedecken.

Ein Hauch von Frühling weht durch die Stadt. Die Menschen gehen vor die Tür und blinzeln in die Sonne. Für Unbeschwertheit gibt’s derzeit jedoch keinen Anlass. Vor allem in der seit Montag ausgeweiteten Zone, in der tagsüber strengste Maskenpflicht und damit Ess-, Trink- und Rauchverbot gelten, müssen Passanten mit Kontrollen und empfindlichen Strafen rechnen. Inwieweit sie sich an die Vorgaben halten, zeigt ein Mittagsspaziergang durch die „Maskenzone“.

Lüdenscheid - Gegen 11.30 Uhr im Rosengarten sind noch einige Ruhebänke frei. Drei maskierte Männer sitzen beisammen, halten Abstand zueinander und plaudern. Nebenan sitzt ein älterer Herr „oben ohne“ und steckt sich eine Zigarette an. Die Rauchschwaden aus seinem Mund erreichen ein Ehepaar, das wenige Meter weiter Eis schleckend auf dem Mäuerchen sitzt.

Minuten später auf dem Sternplatz: Die Sitzstufen vor dem Rathaus und der Brunnen sind eingezäunt. Doch zwei Männer neben dem Onkel Willi vor dem Haus Hulda schlürfen Kaffee aus Pappbechern, ihre Masken tragen sie in der freien Hand. Weiter zur Knapper Straße: Der Samtkragen ist laut Aushang an der Tür zwar „vorübergehend auf weiteres geschlossen“. Nebenan, vor den frisch bepflanzten Hochbeeten, scheinen Männer und Frauen jedoch auf die Wiedereröffnung zu warten. Die Masken hängen unterm Kinn.

Corona-Streifen mittags in Lüdenscheid nicht gesichtet

Der Friseur, der vor seinem Salon an einer Zigarette zieht, hat seinen Mund-Nasen-Schutz gar nicht erst mit vor die Tür genommen. An der Ecke Karlstraße steigt ein Mann aus seinem Lieferwagen, lehnt sich auf die Motorhaube und steckt sich eine an. Der Pausenhof und der Spielplatz der Knapper Schule, sonst häufiger Treffpunkt sorgloser Familien oder junger Fußballer, ist inzwischen durch Bauzäune abgesperrt – und tatsächlich leer.

Weder am „Knapp“ als auch in Gegenrichtung im Bereich Kluse / Werdohler Straße sind beim „Spaziergang“ der Redaktion in der Mittagszeit Corona-Streifen zu entdecken. Wohl aber zahlreiche Passanten, denen die Maskenpflicht entweder völlig egal ist oder die noch nichts darüber wissen.

An der Kluser Straße kommt Jutta Hellmann, Sprecherin der IG Kluse und Verteilerin von Gratis-Schutzmasken im Stadtteil (» 2. Lokalseite), vor die Tür ihres Pop-up-Shops und sagt: „Ich bin gerade erst gekommen, habe aber schon vier dumme Diskussionen führen müssen.“ Zwei Häuser weiter reicht ein Wirt einem Kunden einen Becher Kaffee aus dem Fenster – beide „oben ohne“. Zwei andere unmaskierte Männer in direkter Nähe sprechen in ihrer Landessprache lautstark und gestenreich miteinander. Nur Worte wie „Maske“ oder „Werdohler Straße“ sind zu verstehen.

Corona-Einsätze der Polizei am Wochenende

Die Polizisten der Lüdenscheider Wache mussten am Wochenende mehrfach wegen gemeldeter Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung ausrücken.

Auf dem Fußballplatz Wefelshohl an der Gustavstraße rief der Ordnungsdienst der Stadt die Polizei zur Unterstützung hinzu. Auf dem Platz neben der Theodor-Heuß-Realschule hatten sich 15 Personen versammelt. Die Außendienstler erstatteten mehrere Anzeigen.

Am Freitag, um kurz vor Mitternacht, alarmierten Zeugen die Polizei, weil sich 15 bis 20 Personen unerlaubt am Höher Weg versammelt hatten. Als der Streifenwagen vorfuhr, rannten die Verdächtigen in ein Waldstück. Die Beamten stellten am Treffpunkt eine Geldbörse und Cannabis sicher.

Ein 19-jähriger Lüdenscheider hatte es zunächst jedoch nicht eilig wegzulaufen. Er entfernte sich laut Einsatzbericht nur zögerlich, beleidigte die Beamten unter anderem als „Hurensöhne“ und drohte ihnen Schläge an. Dann entschloss er sich doch noch zur Flucht. Die dauerte jedoch nicht lange. Eine Streife fand ihn nur wenige Minuten später auf der Herscheider Landstraße.

Beim Versuch, ihn festzuhalten, schlug er einen seiner Verfolger mit der Faust. Die Beamten überwältigten ihn und nahmen ihn in Gewahrsam. Der stark angetrunkene Mann durfte die Zelle nach der Ausnüchterung verlassen. Gegen ihn wird wegen Beleidigung und Widerstands ermittelt. Ein Polizist wurde leicht verletzt.

Am Freitagabend meldeten Zeugen mindestens zehn feiernde Personen auf dem Schulgelände Kaiserallee. Die Partygesellschaft rannte bei Ankunft des Streifenwagens weg. omo

Stadtpressesprecherin Marit Schulte kündigt an, noch vor Ostern sollen Handzettel in deutscher, griechischer und türkischer Sprache im Stadtteil gedruckt und verteilt werden. Hinweisschilder, die auf die Maskenpflicht vor allem in der Kluse aufmerksam machen, sind laut Schulte in Arbeit. Am zurückliegenden Wochenende haben die Corona-Streifen nach Auskunft aus dem Rathaus verstärkt auf Spiel- und Bolzplätzen kontrolliert. Angaben über die Zahl der Verstöße liegen den Verantwortlichen noch nicht vor.

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