Das Fest müssen viele Familien anders verbringen als sonst

Corona-Osterfeiern in Lüdenscheid: Kommt der Osterhase trotzdem?

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Mit bunter Fingerfarbe haben Luise und Greta Tamboers ihr Kinderzimmerfenster für den Osterhasen verschönert.

Lüdenscheid – Ostereier suchen, ein Essen im Kreise der Familie, danach ein ausgedehnter Spaziergang und hinterher lässt man gemeinsam das Osterfest gemütlich ausklingen oder besucht ein Osterfeuer. So sah Ostern bisher in vielen Familien aus. Und in diesem Jahr?

Diesmal ist der Kreis der Familie auf die Bewohner eines Haushaltes beschränkt, das Kontaktverbot verbietet größere Zusammenkünfte, die Osterfeuer wurden abgesagt und Spaziergänger sollten nicht in größeren Gruppen unterwegs sein. Ostern 2020 ist anders – und das trifft auch Familien mit Kindern, die das Coronavirus nun zum Umdenken zwingt. 

„Kommt der Osterhase denn trotzdem oder ist der auch krank“, fragte die fünfjährige Lina vor ein paar Tagen ihre Mutter. „Da kamen mir bald die Tränen“, erzählt Diana Klinkenberg. Auch kleine Kinder erfassen die überall spürbar angespannte Situation. Die geschlossenen Kindergärten, der fehlende Kontakt zu den Großeltern und den sonst vertrauten Spielfreunden. 

"Habe versucht sie zu beruhigen"

„Natürlich habe ich versucht sie zu beruhigen und ihr versichert, dass der Osterhase sie auf jeden Fall besucht“, sagt Linas Mutter. Sie möchte, ebenso wie viele andere Familien derzeit, so viel Druck wie möglich von ihrer Tochter nehmen. „Wir spielen viel zusammen, haben aber auch lustige Hasenkekse gebacken und Ostereier bunt bemalt“, erzählt sie. 

Alles, was Lina von ihren Sorgen ablenkt, ist dabei für Diana Klinkenberg genau richtig. „Man kann ja nichts planen“, sagt Isabell Tamboers, als sie auf die Ostertage angesprochen wird. In den vergangenen Jahren verbrachte die Familie schon die Tage vor Ostern bei Oma und Opa in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Kinder haben dann schon einmal dort Ostern gefeiert und dann Ostersonntag mit meiner Familie hier in Lüdenscheid“, erzählt sie. 

Doch in diesem Jahr müssen die fünfjährigen Zwillinge Greta und Luise sowohl auf ihre Großeltern verzichten, als auch auf ausgedehnte Familienfeiern oder den Besuch des Osterfeuers. „Diesmal sind wir eben nur zu viert“, sagt Tamboers. 

Ostereier bemalen gehört für viele Familien zur festen Tradition für die Feiertage.

Eine fröhliche Osterstimmung soll es trotzdem für die Mädchen geben. „Wir malen das Kinderzimmerfenster mit einem schönen Osterbild an, und am Sonntag dürfen sie im Garten ihre Osternester suchen.“ Und auch das Familienessen hat Isabell Tamboers schon geplant: „Alles ist eingekauft, jetzt muss ich nur noch für uns vier kochen.“ 

Der gemeinsame Besuch des Gottesdienstes an Ostersonntag ist für Familie Vellmann eigentlich ein festes Osterritual. Doch die Kirchen werden am höchsten christlichen Fest geschlossen bleiben. „Eine Pandemie kennt keine Feiertage“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bürger schon vor einigen Wochen auf schwere Zeiten eingeschworen und die Maßnahmen festgelegt. „Trotzdem ist es für uns schon ein komisches Gefühl, nicht in die Kirche zu können“, sagt Andrea Vellmann. 

Online-Gottesdienste als Ersatz sieht die Familie mit gemischten Gefühlen. „Das ist nicht dasselbe, wie zusammen in der Kirche zu sein“, sagt sie. Gemeinsam wollen sie in diesen Tagen nun die Geschichte Jesu vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung in der Bibel lesen. „Wir zünden Kerzen an und versuchen so, zumindest ein wenig österliches Gefühl aufkommen zu lassen.“ 

Erst Ostereiersuche, dann Oster-Brunch

Erst werden die Ostereier gesucht, dann sitzt die Familie beim Oster-Brunch zusammen und genießt die gemeinsame Zeit. So war es zumindest in den vergangenen Jahren bei Familie Seiler. Diesmal wird aber auch Lisa Seiler ihre Ostereier nur mit Mama und Papa im Garten suchen können. „Die Großeltern, Tanten und Onkel dürfen diesmal natürlich nicht dabei sein“, sagt Lisas Mutter Christina traurig. 

Ihrer vierjährigen Tochter hat sie versucht zu erklären, warum sich die Familie im Moment nicht treffen darf. „Sie hat zwar genickt, aber ich glaube nicht, dass sie wirklich verstanden hat, warum das im Moment nicht geht.“ Einen Oster-Brunch soll es bei den Seilers morgen aber trotzdem geben.

„Wir bereiten das vor, was immer zu Ostern bei uns auf den Tisch kommt – nur eben nicht für fünfzehn Personen, sondern nur für drei.“ Und per Videoanruf soll dann auch die Familie ein bisschen dabei sein. „Damit sie zumindest aus Lisas Osterfreude ein wenig Kraft schöpfen können.“ 

Eiersuche im Park? Daraus wird in diesem Jahr nichts. Während der Coronakrise sollten die Nester besser im heimischen Garten oder der Wohnung versteckt werden.

Der Osterspaziergang gehört für viele Familie zur Tradition. Eigentlich auch für Familie Rose. Thomas Rose ist ein begeisterter Wanderer und hat seine Familie schon an so manch einem Osterfest „quer durchs Sauerland gejagt“, wie er selbst sagt. Oft waren auch seine Geschwister mit ihren Familien dabei und seine Eltern. „Einmal sind wir sogar bis ins Hochsauerland gefahren, um dort zu wandern“, erinnert er sich. In diesem Jahr wird er alleine „eine Runde um den Block“ laufen. 

Als Alleinstehender fällt ihm der Gedanke an Ostern besonders schwer. „Das Essen bei meinen Eltern gehört für mich und meine Geschwister eigentlich zu Ostern dazu“, erzählt er. Doch die Eltern sind beide über siebzig und Thomas Rose will sie durch seinen Besuch nicht in Gefahr bringen. 

„Das Kontaktverbot fällt mir nicht leicht – und an Ostern alleine zu Hause zu sitzen, natürlich auch nicht“, sagt er. Die Feiertage will er dennoch nutzen. „Nicht zum Putzen, wie das jetzt ja wohl alle Welt macht, sondern um nach neuen tollen Wanderrouten zu schauen für die Zeit nach Corona.“

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