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Neue Delta-Variante schreckt Urlauber aus dem MK nicht ab

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Jessica Krause arbeitet seit elf Jahren in der DER-Filiale in Lüdenscheid.
Jessica Krause arbeitet seit elf Jahren in der DER-Filiale am Lüdenscheider Rathausplatz. Endlich kann die Reisekauffrau auch wieder von Angesicht zu Angesicht mit den Kunden reden. © Hans-Georg Gottfried Dittmann

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich rasch in Deutschland, Europa und der Welt aus. Panik scheint sich deshalb unter den Lüdenscheider Urlauberinnen und Urlaubern aber nicht breit zu machen.

Lüdenscheid – Bis Dienstagmorgen sei erst eine Stornierung eingegangen, sagt Ina Petzhold vom Reisebüro Kattwinkel. „Seitdem die Quarantäne vorerst vom Tisch ist, ist die Reisebereitschaft deutlich gestiegen“, sagt die 52-Jährige. Außerdem sei aktuell kein PCR-Test bei der Einreise nach Deutschland nötig, sondern nur ein Schnelltest, sagt die Reisekauffrau. Letzterer ist in Deutschland kostenlos.

Allerdings betont nicht nur sie, sondern auch alle anderen Befragten aus der Reisebranche, dass sich diese Regeln jeden Tag ändern können, sollten die Behörden die Reisebeschränkungen und Einreisekontrollen verschärfen. Man könne sich jedoch nicht auf eine eventuell drohende Quarantäne in einem Urlaubsland vorbereiten, sagt Petzhold.

Doch auch für Stornierungen, die nicht auf eine plötzlich veränderte Rechtslage zurückzuführen sind, bieten nahezu alle Reisebüros Absicherungen an. Es sei wie eine themenbezogene Rücktrittsversicherung zu verstehen, sagt Petzhold. Und somit eine Leistung, die dazu gebucht werden müsse.

Ähnlich wird es auch einige Meter weiter in der DER-Filiale am Rathaus gehandhabt, wo bislang noch keine Stornierung eingegangen ist. „Sie können eine Flex-Option buchen, mit der sie entweder 22 oder 14 Tage vor Beginn von der Reise zurücktreten können“, sagt Reisekauffrau Jessica Krause. Eine weitere Variante der Option sei das kostenlose Umbuchen der Reise zu einem anderen Zeitpunkt.

Das Reiseverhalten der Kunden sei aber immer noch an die Corona-Pandemie angepasst, zum größten Teil blieben die Urlauber in Europa. „Erst für die Wintersaison haben wir vereinzelte Buchungen für Asien oder die Karibik“, sagt Krause. Auch Portugal sei noch nicht unter den Reisezielen. Das Land ist seit Dienstag ein Virusvarianten-Gebiet. Einreisende haben sich laut den geltenden Einreisebeschränkungen direkt in eine 14-tägige Quarantäne zu begeben.

Delta-Variante des Corona-Virus

Die Covid-Mutation B.1.617.2 – oder Delta-Variante – wurde erstmals im indischen Bundesstaat Maharashtra entdeckt. Seit Mai wird sie vom Robert-Koch-Institut (RKI) als „besorgniserregende Variante“ eingestuft.

Die Wissenschaftler sind zum einen beunruhigt, dass sich die Viren schneller übertragen, zum anderen, dass erste Studien zeigen, dass eine „etwas reduzierte Impfstoffwirksamkeit angenommen werden“ kann. Eine Immunisierung schütze aber weiterhin deutlich vor schweren Krankheitsverläufen. Im Bericht des RKI zu den „Virusvarianten von Sars-Cov-2 in Deutschland“, der jeden Mittwoch veröffentlicht wird, geht die Bundesoberbehörde davon aus, dass sich diese Mutation in Deutschland durchsetzen wird. Aktuell sind laut Angaben des RKI etwa 15 Prozent der nachgewiesenen Corona-Erkrankungen auf die Delta-Variante zurückzuführen.

Was alle Unternehmen freudig feststellen, ist, dass das Geschäft wieder anzieht. „Es ist auf jeden Fall besser als im letzten Jahr“, sagt die Reisebüroinhaberin Sultan Polat.

Für Krause ist die wiedergewonnene Reiselust auch ein Genuss. „Wir sind so froh, endlich wieder arbeiten zu können.“ Während der strengen Kontaktbeschränkungen und Reisereglementierungen sei der Arbeitsalltag – auch im Homeoffice – ein anderer gewesen. „Jetzt dürfen wir wieder mit den Kunden von Angesicht zu Angesicht reden“, sagt die 31-Jährige, die ihre Freude auch nicht hinter ihrer Maske verbergen kann.

Los ging es vor rund zwei Wochen. „Da sind wieder sehr viele Menschen ins Büro gekommen, um sich beraten zu lassen“, sagt sie. Aber auch per Video-Chat sollen in Zukunft Kunden beraten werden. Dann sitzt die 31-Jährige auch nicht mehr allein in der Filiale. In einigen Tagen, soll das Büro wieder voll besetzt sein, auch die eingeschränkten Öffnungszeiten dürften sich dann wieder ändern. Ein gutes Zeichen – für Urlauber und Angestellte.

Und die Angst vor der Delta-Variante? Die sei aktuell bei den Reisenden nicht zu spüren, betonen die Reiseexperten unisono. Bei den Nachfragen der Kunden spiele die neue Corona-Mutation bisher keine Rolle, sagt Krause. Thema sei immer die Gesamtsituation.

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