Astrazeneca wird nicht so kritisch gesehen

Corona: Lüdenscheider Hausärzte sind bereit zu impfen

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Lüdenscheider Hausärzte sind bereit, Patienten gegen Corona zu impfen.

Die Lüdenscheider Hausärzte sind bereit, Patienten gegen das Coronavirus zu impfen. Der Ablauf könne ähnlich der Grippeimpfung sein.

Lüdenscheid – Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe sieht die Hausarztpraxen gerüstet, in die Impfungen gegen Corona einzusteigen, um die Impfzentren zu unterstützen und die Zahl der Impfungen zu beschleunigen. „Wir stehen bereit!“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes. Überflüssiger bürokratischer Aufwand müsse abgebaut werden. Wir fragten in einigen Lüdenscheider Praxen nach, inwieweit sich die hiesigen Ärzte für einen Impfstart gerüstet sehen, ob sie in die Impfungen einsteigen wollen und wie sie sich das Impfen in ihren Räumlichkeiten vorstellen.

„Wir sind grundsätzlich bereit zu impfen“, beantwortet Claudia Auner von der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Dr. Auner an der Breslauer Straße die Frage nach der Bereitschaft, vor Ort zu impfen und sich an der Impfkampagne im Kampf gegen das Coronavirus zu beteiligen. „Soweit händelbar“ und genügend Impfstoff da sei, schränkt sie mit Blick auf die Handhabung der Impfstoffe ein.

Bekanntlich erfordern die neuen mRNA-Impfstoffe einen aufwendigen Transport und eine extrem kühle Lagerung, bei der Kühlketten nicht unterbrochen werden dürfen. Der Impfstoff von Astrazeneca ist leichter zu handhaben. „Die neuen Impfstoffe, die vor der Zulassung stehen, sollen noch einfacher zu händeln sein“, sagt sie.

Anfragen von Patienten, die sich in der Praxis impfen lassen möchten, gebe es jede Menge. „Die ganze Zeit schon, seit es die Impfungen gibt.“ Überdies würden viele Patienten das Gespräch suchen, ob sie sich impfen lassen sollen.

Ähnlich wie Grippeimpfungen

Ähnlich wie Grippeimpfungen, die in den Praxisalltag integriert sind, könnten auch Coronaimpfungen verabreicht werden. „Grippeimpfungen laufen ja auch mit. So stelle ich mir das auch bei Coronaimpfungen vor.“ Prinzipiell sei es eine gute Idee, dass Hausärzte impfen. „Aber ohne die Modalitäten zu kennen, kann man noch nicht viel dazu sagen.“

Vorbehalte und Skepsis gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca, der mancherorts aus Sorge um mögliche Impfreaktionen und geringere Wirksamkeit ungenutzt liegen bleibt, kann Claudia Auner nicht verstehen. „Ich kann das nicht nachvollziehen,“ erläutert sie. „Das ist besser als nichts.“ Auch bei einer Grippeimpfung könne es zu Nebenwirkungen kommen.

„Selbstverständlich“ werde er sich an den Coronaimpfungen beteiligen, erklärt Dr. Guido Ludwig, der als Arzt für Allgemeinmedizin an der Knapper Straße tätig ist. „Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir zwei Praxen in der Praxis haben.“ Die zusätzlich angemieteten Räumlichkeiten würden jetzt schon für die Infektionssprechstunde genutzt. „Dort könnte auch das Impfzentrum eingerichtet werden, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht.“

Den schlechten Ruf von Astrazeneca sieht der Allgemeinmediziner in Fehlinformationen begründet. „In der Kommunikation ist das eine Katastrophe.“ Es sei an der Politik, den Ruf des Impfstoffs wiederherzustellen. Er selbst würde den Impfstoff „im Rahmen dessen, was erlaubt ist,“ verimpfen. „Besser den als gar keinen.“ Nebenwirkungen könnten auch bei anderen Impfstoffen auftreten. „Grippesymptome sind normal.“

Bekanntlich sollen in Deutschland nur Menschen, die jünger als 65 Jahre sind, das Vakzin erhalten. Um es den Hausärzten leichter zu machen, sei es wünschenswert, den Impfstoff als Fertigdosis zu erhalten. „Man sollte es uns so einfach wie möglich machen.“ Dann wäre auch ein hoher Durchlauf an Patienten möglich. Wenn die Spritzen jedes Mal aus der Flasche aufgezogen werden müssten, sei das sehr personalintensiv. Gelegentlich würden Patienten schon jetzt nach einer Impfung in der Praxis fragen. Allerdings wüssten die Patienten, dass das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich sei.

„Wenn’s los geht“, ist auch Dr. Djuan Suleiman, Facharzt für Allgemeinmedizin, zum Impfen bereit. Mit drei Ärzten, die sich vor Ort um das Wohl der Patienten kümmern, sieht er die Facharztpraxis an der Staberger Straße – demnächst Rathausplatz – gut für den möglichen Einstieg in die Impfkampagne aufgestellt. „Wir haben uns über die KV (Anm. der Red.: Kassenärztliche Vereinigung) dazu angemeldet.“ Impfen würde er, wenn die Praxen in die Impfkampagne einbezogen werden, nicht nur eigene, sondern auch fremde Patienten.

Bei seinen Patienten hat der Arzt eine große Verunsicherung, was das Impfen angeht, festgestellt. „Die Patienten sind verunsichert, wann es losgeht.“ Während die Älteren bereits Impftermine bekommen hätten, wüssten Jüngere noch nichts. Das verunsichere. Die Frage nach dem Impfstoff von Astrazeneca, der von allen bisher zugelassenen Impfstoffen bislang am einfachsten zu lagern ist, bezeichnet Djuan Suleiman als „heikel“ und „schwierig“. „Besser als nichts“, meint er. Klar sei, dass Corona gefährlich ist, und klar sei, dass die Impfstoffe schützen. „Es ist noch keiner gestorben, der geimpft ist.“ Flaschenweise zu impfen, sieht er nicht als Problem an.

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