Distanzunterricht wird vorbereitet

Corona-Lockdown im MK verlängert: Existenzängste bei Friseuren

Friseur Lockdown Lüdenscheid
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Wer den nächsten Friseurbesuch – hier ein Foto aus dem vergangenen Jahr – herbeisehnt, muss sich noch ein wenig gedulden: Denn auch die Friseursalons bleiben – ebenso wie große Teile des Einzelhandels, die Gastronomie und Fitnessstudios – geschlossen.

Der verlängerte Lockdown, er macht sich in vielen Branchen drastisch bemerkbar. So sieht es in Schulen, bei Friseuren, oder dem Einzelhandel aus.

Viele hatten bereits damit gerechnet, sich innerlich schon darauf eingestellt – und doch ist die Verlängerung des zweiten Lockdowns ein großer Einschnitt in das öffentliche Leben. Angesichts hoher Infektionszahlen und vieler Todesfälle bleiben nicht nur Gastronomie und Einzelhandel, Friseure und Fitnessstudios bis zum Ende des Monats geschlossen, sondern auch die Schulen. Seit Mittwoch steht fest: Der Präsenzunterricht in NRW wird bis zum 31. Januar ausgesetzt, ab Montag wird lediglich Distanzunterricht erteilt. Für viele Betroffene waren die neuen Maßnahmen am Mittwoch keine Überraschung:

Schulen

„Uns als Schule erwischt diese Entscheidung nicht unvorbereitet“, machte René Jaques, stellvertretender Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums am Nachmittag deutlich. Denn bereits im Vorfeld habe es ja Fernunterricht gegeben und man habe schon Erfahrungen mit der Lernplattform sammeln können. „Da gibt es schon eine gewisse Routine auf beiden Seiten.“ Wie der Erlass im Einzelnen umgesetzt werde, welche Klausuren noch geschrieben und wie die Notbetreuung organisiert werde, darüber berät Jaques am Donnerstag bei einem Treffen der erweiterten Schulleitung. „Sobald der Erlass draußen ist, werten wir ihn aus und geben das weitere Vorgehen vor“, möchte der Schulleiter auch die Eltern zeitnah informieren. Erfreut zeigte sich Jaques über die frühzeitige Entscheidung von Seiten der Landesregierung. „Jetzt wissen wir, in welche Richtung es geht, und haben noch genügend Zeit, die Weichen zu stellen.“

Auch für Jana Scharfe, zweifache Mutter und selbstständige Logopädin, kam die Entscheidung nicht überraschend: Sie wird ihre beiden Söhne, von denen einer eine Grundschule, der andere ein Gymnasium besucht, nun auf den Distanzunterricht einstellen. „Ich habe das Glück, dass ich die beiden stundenweise schon alleine lassen kann, da trifft es andere sicher härter.“ Doch auch wenn ihre Jungs vormittags ihre Aufgaben erledigen, während sie in der Praxis arbeite, sei eine gewisse Nach- und Aufarbeitung – wie schon beim Lockdown im Frühjahr – notwendig. „Da sind dann eben auch die Eltern gefordert.“

Einzelhandel

„Es ist, wie es ist“, brachte es Marco Schwarzkopf vom Bettenhaus Neumann auf den Punkt. „Wenn man die Entwicklung der Zahlen sieht und die Inkubationszeit rund um Weihnachten und Silvester, war schon klar, dass der 10. Januar viel zu kurz gedacht war“, zeigte er sich von der Verlängerung des Lockdowns keinesfalls überrascht. Natürlich hätte er sich etwas anderes gewünscht – „Wer hätte das nicht?“ –, aber grundsätzlich könne er die Entscheidung nachvollziehen. „Ich möchte sie auf politischer Ebene auch nicht treffen wollen.“ Für viele sei dies nun weiterhin eine schwere Zeit, „aber letztlich haben wir das denen zu verdanken, die sich nicht an die Regeln halten und gehalten haben“, wünscht sich Schwarzkopf, dass mehr Rücksicht aufein-ander genommen werde.

Trotz des Lockdowns ist das Bettenhaus weiterhin für seine Kunden erreichbar. „Wir beraten am Telefon, schicken Fotos per Mail hin und her und übergeben die Waren an der Tür“, erklärte Schwarzkopf. „Und das wird durchaus auch gerne genutzt.“

Unverändert bleibt die Situation auch im Stern-Center: „Wir halten die Stellung und öffnen die erlaubten Geschäftsflächen in den Kernzeiten von 10 bis 20 Uhr“, verwies Center-Manager Daniel Dalsasso am Mittwoch auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Anweisungen des Ordnungsamtes. „Wir möchten unsere Kunden optimal schützen, das ist derzeit unser Anliegen.“ Er habe noch nie ein so ruhiges Weihnachtsgeschäft erlebt, die Arbeit und auch die Belastung der Mitarbeiter sei derzeit einfach anders. Vor dem Hintergrund, dass die Zahlen weiterhin hoch seien und man die Eindämmung des Virus’ gewährleisten wolle, sei die Entscheidung, den Lockdown zu verlängern, durchaus nachzuvollziehen. „Deshalb war sie für mich auch keine Überraschung.“ Dennoch weiß er um die Schwierigkeiten, die der Lockdown auch für den Einzelhandel mit sich bringe. „Aber das müssen wir jetzt als Gemeinschaft umsetzen.“

Gastronomie

„Ich persönlich hatte bereits damit gerechnet – und ich schließe auch eine weitere Verlängerung des Lockdowns nicht aus“, machte Bastian Vogl, Küchenchef im Hotel Restaurant Passmann, auf Anfrage deutlich. „Solange sich die Menschen weiterhin öffentlich treffen, zum Beispiel zum Schlittenfahren, kann sich ja auch nichts ändern.“ Natürlich würde er sich wünschen, das Restaurant wieder öffnen zu dürfen – bis dahin halte man jedoch weiter am Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice fest. „Etwas anderes bleibt uns ja auch nicht übrig“, hofft Vogl, dass die Menschen nun vernünftiger agieren und zu Hause bleiben.

Friseure

„Ein wenig hatte man ja doch die Hoffnung, wieder starten zu können. Allerdings ließen die Diskussionen der vergangenen Tagen kaum einen anderen Rückschluss als die Verlängerung zu“, erklärte Achim Schilling. „Aber wenn es dann tatsächlich so weit ist, dann ist das schon bedrückend.“ Innerlich habe man bereits die verschiedenen Szenarien durchgespielt – mit all ihren Folgen. Natürlich sei die Entscheidung nachvollziehbar, doch wirtschaftlich sei sie für viele Betriebe ein Desaster. „Viele haben Existenzängste“, weiß der Obermeister der Friseur-Innung im Kreis, zumal noch nicht klar sei, welche finanziellen Hilfen es geben wird, wie schnell sie ausgezahlt und in welchen Fällen sie zurückgezahlt werden müssen. „Das ist für viele eine bedrohliche Situation.“ Eine Situation, die von jenen verursacht werde, die sich nicht an die Regeln halten, und unter der dann viele andere leiden müssten, ist Schilling überzeugt. Wie viele seiner Kollegen sei er nun damit beschäftigt, bereits vergebene Termine der kommenden Wochen auf den Februar zu schieben. „Wir telefonieren jetzt alle Kunden ab.“

Fitnessstudios

„Man muss es nehmen, wie es kommt“, sagt Gerd Groll, Gesellschafter von Feelgood. Die Fitnessstudios der Kette in Lüdenscheid müssen weiterhin geschlossen bleiben. „Je länger der Lockdown dauert, desto trauriger und unbefriedigender ist die Situation“, sagt Groll, dem eine Einschätzung der Lage schwer fällt: „Die Folgen für unsere Mitglieder sind noch gar nicht abzusehen und werden sich auch sicherlich von Mitglied zu Mitglied unterschiedlich bemerkbar machen.“ Die fehlenden Mitgliedsbeiträge, die derzeit ausbleiben, würden gut aufgefangen, wie Groll sagt: „Die Hilfen sind angekündigt, und auch wenn es dazu andere Meinungen gibt, finde ich, dass der Staat sehr viel hilft.“

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