Kliniken am Limit

Immer mehr Corona-Kranke: Dramatischer Hilferuf aus dem Klinikum Lüdenscheid

Auf der Intensivstation des Klinikums Lüdenscheid werden wieder mehr Covid-19-Patienten behandelt.
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Auf der Intensivstation des Klinikums Lüdenscheid werden wieder mehr Covid-19-Patienten behandelt.

Die Situation in den Märkischen Kliniken spitzt sich weiter zu. Immer mehr Covid-19-Erkrankte müssen versorgt werden, infizierte Mitarbeiter fallen aus. Das verbleibende Personal ist am Limit. Mit einem emotionalen Hilferuf richten sich Ärzte und Klinikleitung an die Öffentlichkeit.

„Nur gemeinsam können wir einander schützen. Bleiben Sie zuhause. Meiden Sie Kontakte“ – mit diesem gemeinsamen Appell richten sich der Märkische Kreis und die Märkischen Kliniken an alle Menschen in der Region. Zugleich bitten Sie die Landespolitik entschlossen zu handeln und die Lockdown-Regeln zügig zu verschärfen, wie es in einer am Freitag verbreiteten gemeinsamen Erklärung heißt.

Immer mehr Covid-19-Erkrankte: Lage in der Intensivmedizin spitzt sich zu

Grund ist die angespannte und sich zuspitzende Lage der intensivmedizinischen Kapazitäten. Die Zahl der behandlungsbedürftigen Covid-19-Erkrankten steigt in den Märkischen Kliniken, wie auch in allen anderen Krankenhäuser Nordrhein-Westfalens, rasant. Dies und der hohe pandemiebedingte Ausfall an pflegerischem und ärztlichem Personal bringen die Krankenhäuser an ihre Grenzen.

Leiter der Intensivmedizin: Intensivstationen sind an Kapazitätsgrenze

Prof. Dr. Dr. Dipl. Psych. Thomas Uhlig ist Leiter der Intensivstation. Er findet klare Worte: „Unsere Belastungsgrenze ist bereits erreicht und unsere Intensivstationen sind überbelegt durch die an Covid-erkrankten Patienten, aber auch die jahreszeitbedingten Erkrankungen. Dennoch kämpfen die Märkischen Kliniken um eine adäquate Intensivversorgung unter Pandemiebedingungen.“

Zahl der Intensivbetten wird im Klinikum Lüdenscheid aufgestockt

Als Reaktion haben die Märkischen Kliniken die Zahl der Intensivbetten von gegenwärtig 46 Betten auf nunmehr 50 Betten aufgestockt. Das entspricht schon jetzt nahezu einer Verdopplung der Intensivkapazitäten zum Normalbetrieb. Dafür musste eine weitere Station geschlossen werden. „Das Hauptproblem ist die hohe Zahl der erkrankten oder in Quarantäne befindlichen Mitarbeiter. Wir haben keine Möglichkeiten mehr, durch weitere Stationsschließungen zusätzliches Personal für die Covid-Patienten zu generieren“, sagt Uhlig.

Ärztlicher Direktor: Normale Krankenversorgung nicht mehr möglich

Dr. Dieter Schnalke ist Ärztlicher Direktor der Märkischen Kliniken. Er sagt: „Eine normale Kran-kenversorgung ist nicht mehr möglich, immer mehr Operationen werden vorschoben. Die schweren, langwierigen Covid-Verläufe belasten die Ressource „Krankenhaus“ inzwischen extrem, „normale“ Krankheiten, Verletzungen oder jahreszeittypische Erkrankungen nehmen durch die Covid-Situation zusätzlich kompliziertere Verläufe. Wir stehen am Anfang des Winters und jetzt schon sind alle Rückfallebenen zugunsten Corona aufgebraucht.“

Das Personal arbeite „täglich an der absoluten Belastungsgrenze“. Erschwerend komme hinzu, dass reguläre und notwendige medizinische Eingriffe nicht mehr wie gewohnt durchgeführt werden können. Schnalke: „Ein Teil der OP-Säle wird geschlossen und das Personal zur Behandlung von Covid-Patienten eingesetzt. In dieser angespannten Situation gewährleisten die Märkischen Kliniken die Notfallversorgung und führen die planbaren, elektiven Eingriffe stark eingeschränkt durch.“

Hohe Corona-Fallzahlen bringen Märkischen Kliniken ans Limit

Dr. Thorsten Kehe ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken. Er macht sich Sorgen und warnt: „Sollten die Corona-Fallzahlen weiter so rasant steigen, gelangt das medizinische Personal in den Märkischen Kliniken, aber auch landesweit ebenso wie die Krankenhausversorgung insgesamt an ihr Limit. Eine adäquate medizinische Versorgung kann dann nicht mehr gewährleistet werden.“

Kehe lobt und dankt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die „Außergewöhnliches“ leisteten. „Sie gehen an die physischen und psychischen Grenzen – und darüber hinaus. Unter diesen Bedingungen lässt sich nicht mehr ausschließen, dass das Gesundheitssystem kollabiert“, sagt der Geschäftsführer. Umso wichtiger ist der Appell an alle Bürgerinnen und Bürger und an die Landespolitik: „Halten Sie die Hygiene-Regeln ein, passen Sie die Lockdown-Regeln zügig den Erfordernissen an, verhindern Sie die Überlastung Ihrer Krankenhäuser.“

Corona im MK: Weiter steigende Patientenzahlen zu erwarten

Dem stimmt auch Volker Schmidt, Leiter Krisenstab und Leiter Gesundheitsamt beim Märkischen Kreis zu: „Die Covid-Fallzahlen im Märkischen Kreis, wie in Nordrhein-Westfalen insgesamt und damit auch die Zahl der Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen, bringen die Kliniken in allen Bereichen an ihre Belastungsgrenzen.“ Schmidt sieht jede Bürgerin und jeden Bürger in der Pflicht.

„Ein wichtiger und einfacher Hebel für die Eindämmung der Pandemie ist die strikte Einhaltung der AHA-Regeln durch alle Menschen. Nur so kann die Zahl der Infektionen reduziert werden. Man muss sich vor Augen führen, dass positive Effekte in der Bevölkerung erst mit zwei Wochen Verzögerung in den Krankenhäusern ankommen, so, dass sich die Belastungen in den nächsten Tagen noch verschärfen würden.

Volker Schmidt appelliert eindringlich: „Niemand kann das Leid der Patienten selbst und auch ihrer Angehörigen in der akuten Krankheit ermessen. Jede Covid-19-Erkrankung, die wir vermeiden, hilft denjenigen, die auf eine medizinische Versorgung auch unabhängig von Covid-19 angewiesen sind.“

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