Wartezeit der Eltern für Botschaften ausgenutzt

Corona-Leugner stören Massentest von Schülern auf dem Schützenplatz

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Mehrere Mitarbeiter des Gesundheitsamts nahmen gestern auf dem Schützenplatz die Eltern und Schülern in Empfang.

Lüdenscheid – Nachdem eine Lehrerin in der vergangenen Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden war, stehen 188 Schüler der Adolf-Reichwein-Gesamtschule unter Quarantäne. Sie mussten nun zum Massentest. 

Am Donnerstag wurden die Betroffenen vom Gesundheitsamt zum Corona-Massentest auf den Schützenplatz am Loh in Lüdenscheid gebeten. Gestört wurde die Reihentestung von mutmaßlichen Corona-Leugnern, die von dem Termin offenbar Wind bekommen hatten. 

Störung des Corona-Massentests durch NPD-Mitglied und Corona-Leugner - Ordnungsamt reagiert

Wie ein Stadtsprecher auf Anfrage mitteilte, wurden Vertreter einer vermeintlichen Elterninitiative, die unter anderem Flugblätter verteilte, sowie NPD-Ratsmitglied Stephan Haase durch das Ordnungsamt des Platzes verwiesen. Die Bürgerninitative "Eltern stehen auf" spricht sich in ihren Flugblättern gegen Quarantäne, Masken und Abstand aus - und gegen eine Impfpflicht. 

Eltern warten mit ihren Kindern im Auto auf den Corona-Test

In langen Schlangen warteten die Eltern in ihren Autos auf die Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes. Die Schüler wurden klassenweise geladen – darunter 107 Siebt-, 29 Acht- und 52 Zehntklässler. 

Die Prozedur selbst dauerte jeweils nur wenige Sekunden. Die Schüler blieben währenddessen im Auto sitzen. Das medizinische Fachpersonal trat ans offene Fenster und entnahm mit Hilfe eines Stäbchens eine Probe aus Rachen oder Nase.

Die Abstriche wurden anschließend luftdicht eingetütet und in Sammelbehälter geworfen. Sie wurden noch am Abend in ein Labor gebracht. Die Testergebnisse sollen dann in den nächsten Tagen vorliegen.  Die Quarantäne dauert – abhängig davon, an welchem Tag die infizierte Lehrkraft zuletzt in der Klasse unterrichtet hatte – bis zum 5., 6. oder 7. Oktober. 

Massentest in Lüdenscheid: Auch Lehrer lassen sich freiwillig auf Corona testen. 

Auch 35 Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule ließen sich auf dem Schützenplatz freiwillig testen. Lediglich drei Lehrkräfte befinden sich neben der infizierten Lehrerin derzeit in Quarantäne. Da neben den 188 betroffenen Schülern auch die Geschwisterkinder zuhause bleiben sollen, ist es auf dem Schulhof derzeit auffallend leer. „Entspannt“, sagte gestern Schulleiter Frank Bisterfeld. 

Das sah in der vergangenen Woche noch anders aus. „Als das positive Testergebnis bekannt wurde, ist es wie eine Lawine über uns hereingebrochen“, erinnert sich Bisterfeld. Schnell aber habe man – auch dank der Begleitung durch das Kreisgesundheitsamt – die Situation in den Griff bekommen. 

Nach Corona-Fall: Nachverfolgung über Anwesenheitslisten in den Klassen

Weil alle Lehrer konsequent Anwesenheitslisten geführt hatten, war die Kontaktnachverfolgung in den Klassen unproblematisch. Zunächst informierte Bisterfeld die betroffenen Eltern per E-Mail, anschließend übernahm das Gesundheitsamt.

Vertreter eine Elterniniative nutzten die Wartezeit, um die Eltern anzusprechen. 

„Das Krisenmanagement hätte nicht besser laufen können – 1a. Auch die Bezirksregierung hat uns sehr gut begleitet. Wir haben in kurzer Zeit viel gelernt – für das nächste Mal“, sagt Bisterfeld. Dass es dazu kommt, daran zweifelt der Schulleiter nicht. 

Es erfüllt ihn aber auch nicht mit Sorge. Es werde fortlaufend gelüftet und ein strenges Hygienekonzept in der Schule umgesetzt. Mit Blick auf die Aufhebung der Maskenpflicht in den Klassen zum 1. September übt Bisterfeld allerdings deutliche Kritik. 

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis finden Sie in unserem Newsblog.

Er selbst hatte vor den Sommerferien eine strenge Maskenpflicht an seiner Schule verfügt. „Wenn wir die Maskenpflicht noch gehabt hätten und alle Masken im Unterricht getragen hätten, dann wären nicht 188, sondern nur 20 Schüler unter Quarantäne gestellt worden“, sagt Frank Bisterfeld. 

Lernen auf Distanz: 450 Schüler haben keinen Zugang zu einem digitalen Endgerät

Aufgrund der aktuellen Verordnung hätten die Gesundheitsämter keine andere Chance, als häufig die gesamte Klasse nach Hause zu schicken. Jetzt prüft er, ob er erneut eine Maskenpflicht an seiner Schule anordnen kann. Und noch ein Problem rückt Bisterfeld in den Fokus. 

Bei einer Umfrage an der Schule war herausgekommen, dass 450 Schüler keinen Zugang zu einem digitalem Endgerät (außer Smartphone) haben und beim Lernen auf Distanz benachteiligt sind. Bisterfeld: „Wir warten jetzt dringend auf den Verteilungsschlüssel der zugesagten Ipads, um die betroffenen Schülern damit schnellstmöglich auszustatten.“ Die Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Lüdenscheid hatte zuletzt wegen eines Wespen-Angriffs auf Schüler bundesweit Schlagzeilen gemacht. 

Weitere Testungen an Schulen und Kitas im Märkischen Kreis

Insgesamt wurden am Donnerstag sogar 242 Schülern von Lüdenscheider Schulen abgestrichen. Auch die Kontaktpersonen von Infizierten an der Knapper Grundschule und am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg waren an der Reihe. Zudem gab es Tests an Kitas in Halver und in Plettenberg. 

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