Betreiben wollen gerne weiter machen

Corona lässt keine Wahl: Eis-Café im MK muss schließen

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Draußen dürfen die Gäste sitzen, im Café selbst ist das aufgrund des Infektionsschutzgesetzes nicht möglich. Zwei Tische können maximal bewirtet werden.

Lüdenscheid -  Tanja Roth ist traurig. Das wird ihr letzter Sommer in ihrem „Kleinen Eis-Café“ an der Heedfelder Straße. Sie möchte gar nicht aufhören, denn sie hängt sehr an ihrem Geschäft, Corona zwingt sie und ihren Lebensgefährten Donato Calchera jedoch dazu, noch in diesem Jahr zu schließen.

Mehr Wohnzimmer-Atmosphäre als Eiscafé – das war bei der Eröffnung des Standorts an der Heedfelder Straße vor sieben Jahren der Gedanke. Klein, urig und gemütlich. Doch dieses Konzept bricht dem Paar nun wirtschaftlich das Genick. Gerade als die Saison anfangen sollte, musste „Das kleine Eis-Café“ wegen des Lockdowns schließen. Über den vorherigen Winter hatte das Café zwar geöffnet, der Hauptumsatz wird jedoch in den typischen Sommermonaten gemacht. Nach drei Tagen kompletter Schließung bot man einen Straßenverkauf an. „Damals haben viele versucht, uns zu retten“, sagt Tanja Roth. Das habe sie sehr gefreut.

Als dann die Gastronomie wieder öffnen durfte, konnte das Eis-Café wegen der begrenzten Räumlichkeiten jedoch nicht mitziehen. Gerade einmal zwei Tische könnten unter Berücksichtigung des Infektionsschutzgesetzes im gesamten Café bedient werden. Das sei unwirtschaftlich, und daher musste Tanja Roth beim Straßenverkauf bleiben. Es reiche nämlich nicht aus, dass die Tische in einem Abstand von 1,50 Meter stehen, sondern die Stuhllehnen der Gäste müssen soweit voneinander entfernt sein. Gleichzeitig gibt es nur einen Ein- und Ausgang in dem kleinen Ladenlokal, und durch die Enge seien die Möglichkeiten begrenzt.

Dass sie in anderen Gastronomiebetrieben bewirtet werden, im Eis-Café jedoch nicht, stoße bei einigen Kunden auf Unverständnis. „Es ärgert mich, dass man den Kürzeren zieht, weil man die Vorgaben im Gegensatz zu anderen Gastronomen korrekt umsetzt. Dabei halte ich mich einfach nur an die Sachen, die vorgegeben werden, und nehme das auch wirklich ernst“, sagt Tanja Roth. Jetzt in der Sommerzeit können die Gäste ihr Eis auf der Hand auch auf der Terrasse genießen. Das funktioniere ganz gut, solange es nicht regnet. Auf Waffeln und Sandwiches zum Mitnehmen musste das Café verzichten, da die Zeit für die Zubereitung die erlaubte Verweildauer für Kunden von fünf Minuten im Ladenlokal überschreiten würde.

„Das kleine Eis-Café an der Heedfelder Straße wird noch in diesem Jahr schließen. Die Coronapandemie und ihre Folgen lassen Inhaberin Tanja Roth und ihrem Partner Donato Calchera keine andere Wahl.

Acht Wochen Saison. Dann geht es wieder in den Winter“, sagt die Inhaberin. Dass sie im Oktober das Café wieder richtig öffnen kann, glaubt sie nicht. Und dann breche wetterbedingt das Geschäft auf der Terrasse ein. Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, wird sie das Café für immer schließen. „Wir müssen jetzt reagieren. Wenn Corona nicht wäre, würden wir weitermachen“, sagt Tanja Roth. Das Risiko sei aber einfach zu groß. Durch die derzeitige Lage schlängele man sich von Monat zu Monat so durch. Für die Wintermonate etwas anzusparen, sei nicht möglich. Ohne einen Kredit ginge es nicht, schließlich müssen die laufenden Kosten wie Lohn und Miete bezahlt werden. Der Zinssatz bei ihrer Bank würde für einen Kredit jedoch acht Prozent betragen. Und auch der Vermieter des Eis-Cafés komme ihr nicht entgegen, auch wenn das Mietobjekt derzeit nicht als Café genutzt werden könne.

Es wurde zwar eine Soforthilfe von 9000 Euro vom Staat angeboten, die Tanja Roth auch beantragt hat, doch das Geld sei schließlich nicht geschenkt, sondern müsse zurückgezahlt werden. Das gleiche gelte für andere Förderungen wie die Mietstundung. Ihre Situation zeige, wie Corona und das System aufeinanderprallen. Sie habe keine andere Wahl als die Schließung. Alles andere sei unverantwortlich.

Bevor Tanja Roth das Eiscafé an der Heedfelder Straße vor sieben Jahren eröffnete, hatten ihr Mann Donato Calchera und sie seit 2004 ein Eiscafé in Gevelndorf und zuvor eins in Kierspe. „Mein Mann kommt aus einer Eisdielen-Familie“, berichtet die Inhaberin des „Kleinen Eis-Café“.

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