Coronavirus: So lief der erste Tag der Öffnung

Stern-Center und Geschäfte öffnen wieder: Innenstadt ist voll, Händler skeptisch

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Damit sich die Kunden nicht in die Quere kommen, gibt´s bei Vero Moda und in anderen Geschäften nun einen separaten Ein- und Ausgang – jedenfalls dort, wo es umsetzbar ist.

Lüdenscheid – Die meisten Geschäfte durften am Montag nach wochenlanger Schließung wieder öffnen. Das lockte zahlreiche Besucher an - in der Innenstadt ging es zwischenzeitlich recht turbulent zu. Auch deshalb zeigten sich manche Händler skeptisch - die Stimmung war durchwachsen. Ein Rundgang.

Noch ein, zwei letzte Handgriffe, dann steht die bunte Blumenauswahl vor dem kleinen Geschäft an der Ecke bereit. In der Bäckerei gehen bereits seit Stunden die Brötchen über die Theke, in den ersten Geschäften an der Wilhelmstraße brennt Licht, die Mitarbeiter bereiten die Öffnung vor. 

Es ist halb neun am Montagmorgen. Es scheint, als sei der Alltag in die Stadt zurückgekehrt. Na ja, fast. „Oh, Sie haben heute auch wieder auf?“, erkundigt sich ein Kunde, als er mit Maske vor Mund und Nase am Blumenladen vorbeiläuft. „Wir durften schon letzte Woche wieder öffnen.“ „Ach ja.“ Erst auf den zweiten Blick wird klar: Wir leben in besonderen Zeiten. 

Was hat noch geschlossen?

Wochenlang waren die Geschäfte zu, nun dürfen die meisten Händler ihre Läden wieder öffnen; auch im Stern-Center. Beim Gang durch die Stadt stellt sich nun eher die Frage: Was hat noch geschlossen? Tatsächlich sind das noch einige Geschäfte. Hier und da hängen Schilder aus: „Wir öffnen ab Dienstag“ oder „Wir öffnen in den nächsten Tagen“, heißt es mit Hinweis auf Hygienemaßnahmen, die noch umgesetzt werden sollen. 

Mit der Öffnung der Geschäfte kommen auch die Menschen wieder. Noch eine gute Stunde, bis die meisten Türen aufgehen – Besucher sind aber schon allerhand unterwegs. „Ich bin mal gespannt, wie das funktionieren soll“, sagt Jessica Kowollik. Die Vero-Moda-Filialleiterin steht mit Mitarbeiterin Esra Kilic morgens vor dem Stern-Center. 

"Weiß nicht, ob das der richtige Weg ist"

„Wir sind natürlich froh, dass wir öffnen dürfen – aber ich muss sagen, ich habe auch Sorgen und weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Es ist wenig strukturiert, gerade im Stern-Center fehlen klare Weg-Hinweise auf den Gängen, das geht kreuz und quer. Meine persönliche Vermutung: Das geht nach hinten los. Aber wir müssen das jetzt ausprobieren und werden dann sehen, ob es funktioniert und sich alle an die Vorgaben halten.“ 

Deutliche Worte, doch die Verunsicherung ist bei einigen Händlern groß. „Ich muss sagen, das war schon ein kleiner Schock, heute zu öffnen. Wir hatten erwartet, dass die Geschäfte in den Centern zu bleiben und vorerst nur die Straßengeschäfte öffnen dürfen – wir waren darauf gar nicht vorbereitet“, sagt Heide Reusch, Filialleiterin des Bijou-Brigitte-Geschäfts. Doch einig sind sich alle: „Wirtschaftlich ist das wichtig.“ 

Coronavirus im MK: Fast alle Geschäfte wieder geöffnet - Bilder vom ersten Tag

Konkrete Vorgaben seitens des Stern-Centers haben die Händler nicht bekommen, die Geschäfte müssen selbst ihre Kundenzahl entsprechend des Erlasses regulieren und Hygienemaßnahmen treffen. 

Und das wird auch überall umgesetzt: Glasfronten bleiben teils zu, Pfeile auf dem Boden weisen den Kunden den Weg in die Geschäfte. Fast alle haben einen Ein- und einen separaten Ausgang gekennzeichnet. Der Zugang wird von Mitarbeitern kontrolliert, in kleinen Geschäften hängt meist ein Hinweis aus: Nur ein oder zwei Kunden dürfen dort hinein. 

"Sie dürfen hier nicht sitzen"

Doch hier und da macht sich bereits am Morgen etwas Hektik breit: „Moment, kommen Sie bitte zurück! Sie müssen bitte hier reingehen und einen Korb mitnehmen...“ Die nutzt Bezirksleiter Rüdiger Munkenberg im Tedi, um die Anzahl der Kunden im Blick zu haben. „Höchstens 22 dürfen gleichzeitig rein, mehr Körbe gibt es nicht.“ Mitarbeiterin Betti Tigci steht dafür am Eingang bereit, gibt die Körbe aus, nimmt sie wieder entgegen und desinfiziert anschließend die Griffe. 

Doch fast überall müssen sich die Vorgaben erst noch einspielen. Die meisten Leute setzen sie dann auch um, doch Ausnahmen gibt es. „Sie dürfen hier nicht sitzen, ich muss einen Platzverweis aussprechen“, sagt ein Sicherheitsmann des Centers zu einem Besucher. Der hat es sich auf einem der Sessel im Gang bequem gemacht. Die Bereiche sind extra abgesperrt worden – nicht für jeden ein Hindernis. Doch das bleiben Ausnahmen. 

Schwierig, den Mindestabstand einzuhalten

Spätestens zur Mittagszeit herrscht ein buntes Treiben in der Stadt, teilweise ist es schwierig, einen Mindestabstand beim Gehen einzuhalten. Die Menschen schlendern die Wilhelmstraße entlang, Kik macht mit rot-weißen Luftballons an der Fassade auf die Wiedereröffnung aufmerksam, vor manchen Läden bilden sich Warteschlangen und drinnen stöbern die Kunden durch das Sortiment. 

Besonders gut besucht war gleich am Morgen die Deichmann-Filiale: „Dürfen wir rein?“, fragt ein Pärchen am Eingang. „Gerne dürfen Sie rein, hier ein Chip für Sie“, werden sie von einer Mitarbeiterin empfangen. Die Chips dienen auch hier der Kontrolle. 

Coronavirus im MK: Geschäfte teils voll

„Wir dürfen ungefähr 50 Leute in den Laden lassen“, sagt Filialleiter Musa Zorlu. Der ist zu dem Zeitpunkt noch keine Stunde geöffnet, „aber die Chips waren zwischendurch schon fast weg – also der Laden quasi voll“, erzählt er. Ein Problem sei das aber nicht. „Wir haben damit gerechnet und sind gut vorbereitet. Es ist natürlich noch sehr früh, mal schauen, was der Tag so bringt, vor allem wenn die Leute etwas gestresster sind. Aber wir sind froh, wieder öffnen zu können, und die Kunden achten bislang gut aufeinander.“ 

Und tatsächlich: Zahlreiche Hinweisschilder erinnern an den Mindestabstand, per Lautsprecher gibt´s zwischendurch eine Ansage. Viele Geschäfte halten Desinfektionsmittel bereit, Mitarbeiter wurden im Vorfeld mit Schutzmaterialien ausgestattet. Und wo das noch nicht der Fall ist, da helfen die Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH (LSM) und die Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid aus. Sie verteilen gegen Mittag zahlreiche Masken zur freien Verwendung an die Händler in der Stadt. 

Die offensiven Maßnahmen kommen an: „Man muss die Leute jetzt daran erinnern, dass das noch nötig ist“, sagt eine Frau in der Stadt. „Aber immerhin kehrt ein Stück Normalität zurück.“

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