Kaum Umsatz seit März

"Corona-Katastrophe": Diese Hoteliers im MK kämpfen ums nackte Überleben

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Gastronom und Hotelier Bernd Meyer in dem verwaisten Gelände vor dem Brauhaus.

Lüdenscheid – „Der Wetter ist gut, aber der Biergarten ist leer. Da könnten wir locker die Abstandsregeln einhalten“, sagt der Lüdenscheider Gastronom und Hotelier Bernd Meyer mit Blick auf das große, verwaiste Gelände vor dem Brauhaus im Herzen der Innenstadt.

Während sich die Wilhelmstraße mit den Lockerungen des Lockdowns nach und nach wieder mit Leben füllt, bleiben die Stühle im Rosengarten leer. „Seit Mitte März ist die Gastro geschlossen. Wir haben hier 17 Zimmer, die sind fast alle leer. Unsere Aushilfen dürfen gar nicht arbeiten. Wir haben alle Hilfen beantragt, aber es ist nicht nachvollziehbar, warum andere wieder dürfen und wir nicht“, hat Meyer kein Verständnis für die neue Bewegungsfreiheit, die gleichzeitig die Gastronomen außen vor lässt. 

Auch in der Sportalm stehen alle gastronomischen Räder seit Mitte März still. Noch Anfang des Jahres waren hier die Auftragsbücher voll – Hochzeiten, Kommunionsfeiern, reservierte Zimmer. Dann hagelte es Absagen. Nun sind die 38 Zimmer verwaist. „Das Jahresgeschäft ist kaputt, auch wenn noch vereinzelt Geschäftsleute buchen. Wir haben noch Glück, dass wir hier nicht auf der letzten Rippe hängen, aber man hat sich hier mit sehr viel Mühe und Fleiß etwas aufgebaut. Wir waren die ersten in Lüdenscheid, die Homeoffice in unserem Haus angeboten haben. Aber das wird fast nicht genutzt“, skizziert Ulrike Stahnke die Corona-Lage an der Kalver Straße.

„Überall wird Geld versprochen, aber wir haben noch nicht einen Euro gesehen. Ich weiß gar nicht, wie die anderen das machen, die kein Polster haben. Kurzarbeit heißt ja nicht, dass das Geld sofort da ist. Man tritt ja in Vorleistung. Wir wissen nicht, ob wir das überleben können.“ Auf den Schreibtischen in der Sportalm türme sich der Papierkrieg. Eine Außer-Haus-Bewirtung wäre für die Sportalm eher eine zusätzliche Belastung – „wir haben so ein wunderbares, tolles Haus, und dann diese Katastrophe.“ Platz genug, um Kontakte zu beschränken, wäre ausreichend vorhanden, Fingerfood könne man anbieten. Verständnis dafür, dass nach wie vor Hotels geschlossen bleiben sollen, hat sie nicht. 

Ebenso wenig wie Marcus Kaufmann, der das Hotel Zum Markgrafen und das Restaurant Heerwiese betreibt: „Der Markgraf ist fast unbewirtschaftet, und in der Heerwiese passiert nicht wirklich viel. Die Auftragslage war gut, aber wir haben schon sehr früh die ersten Auswirkungen von Corona gespürt, viel eher als der Einzelhandel. Die Leute haben ihre Feiern abgesagt. Das ist nicht mehr aufholbar. Und wie lange wir das noch aushalten können, weiß ich nicht.“ 

Marcus Kaufmann hat kein Verständnis dafür, dass Hotels weiterhin geschlossen bleiben sollen.

Mehr ein Tropfen auf den heißen Stein sind da der Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice, die das Restaurant Heerwiese anbietet. Wöchentlich wechselt hier die Karte, gekocht wird allerdings nur, was Sinn macht. Fisch oder ein auf den Punkt gebratenes Rumpsteak verlieren an Geschmack, wenn Marcus Kaufmann gemeinsam mit seiner Mutter ausliefert: „Viele holen das Essen bei uns ab“, den „Begegnungsverkehr“ unter den Abholern hat er lange schon geregelt. 

Gerade der Wonnemonat Mai hätte ein gutes Geschäft für die Gastronomen bedeutet: „Aber die Gastronomie ist offenbar nicht so relevant. Man hätte da durchaus vernünftige Lösungen finden können. Erst hieß es ,Fachkräftemangel’, und jetzt haben wir zwei Läden, die gar nicht laufen.“ Das Haus „auf links“ gedreht hat man auch bei Passmann. 26 leere Hotelzimmer, Homeoffice für Geschäftsreisende bringt keinen Umsatz. 

„Die Firmen haben ja auch alle zu“, vermutet Silke Passmann. Drei Monate keine Umsätze – das zehrt. „Wir sind da ja gleich doppelt gestraft. Wir haben im Februar die Küche renoviert.“ Auch sie bringt kein Verständnis dafür auf, dass beispielsweise Friseure wieder arbeiten dürfen: „Wir kommen noch nicht einmal so nah ran wie ein Friseur! Die nehmen einem die Existenzgrundlage.“ 

Kurzarbeit für die Mitarbeiter, die Aushilfen bleiben unbezahlt, private Feiern sind nahezu komplett weggebrochen – „da nutzt uns auch kein Kredit. Sinnvoll wäre, die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent zu senken oder die Umsatzsteuer zurückzuzahlen. Wir können die Verluste nicht aufholen. Das, was weg ist, kriegt man nicht wieder.“

Alle Neuigkeiten zur Corona-Krise im Märkischen Kreis gibt es in unserem News-Ticker

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