Landesweites Schlusslicht

Wegen Corona: Tausende im MK verlieren ihren Job - Zehntausende in Kurzarbeit

Jobcenter
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Die Arbeitslage litt im Märkischen Kreis unter der Corona-Krise.

Corona brachte den Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis ins Wanken. Dennoch blicken Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas und Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters MK, „vorsichtig optimistisch“ (Pawlas) gen erstes Halbjahr 2021.

Märkischer Kreis – Corona brachte den Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis ins Wanken. Dennoch blicken Arbeitsagentur-Chefin Sandra Pawlas und Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters MK, „vorsichtig optimistisch“ (Pawlas) gen erstes Halbjahr 2021. Die Pandemie hatte erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, aber die Entwicklung der vergangenen Monate sei positiv zu sehen, erklärte Pawlas im Rahmen der virtuell abgehaltenen Jahrespressekonferenz der Agentur für Arbeit Iserlohn und des Jobcenters Märkischer Kreis am Donnerstag.

Kreis Märkischer Kreis
VerwaltungssitzLüdenscheid
Einwohner410.222 (Stand: 31. Dezember)
Fläche1.061,06 Quadratkilometer

Wegen Corona: Tausende im MK verlieren ihren Job - MK landesweit Schlusslicht

2019 lag die Zahl der Arbeitslosen im MK im Jahresdurchschnitt bei 14 109. Bereits zum damaligen Zeitpunkt bedeutete dies einen Anstieg von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2018: 13 393). 2020 war der Anstieg nochmals dramatischer. Der Zahl der Arbeitslosen liegt im Jahresdurchschnitt bei 17 265. Damit erhöhte sich die Personenzahl der Erwerbslosen um 3156. Der Anstieg liegt bei 22,4 Prozent. Verglichen mit anderen Arbeitsmarktregionen in NRW sticht die Entwicklung im MK hervor, denn der landesweite Durchschnittswert des Anstiegs liegt bei 15,5 Prozent und damit um fast sieben Prozent weniger als im MK.

„Das liegt auch an der Wirtschaftsstruktur in unserem Landkreis“, erklärt Pawlas und weist damit unter anderem auf die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie hin, die im Zuge des Krisenjahres viele Arbeitsstellen streichen musste. Insgesamt wurden in diesem Arbeitssektor 2589 Stellen abgebaut.

Wegen Corona: Tausende im MK verlieren ihren Job - Verlauf der Arbeitslosenzahlen „atypisch“

Hoffnung macht Riecke der „atypische Verlauf“ der Arbeitslosenzahlen, da erstmals seit 2006 die Anzahl der Arbeitslosen vom Monat November (16 974) auf den Monat Dezember (16 696) rückläufig war. „Corona hat sich natürlich ausgewirkt, aber zum Ende des Jahres hat es sich deutlich gemildert“, weist der Geschäftsführers des MK-Jobcenters auf die rückläufigen Arbeitslosenzahlen hin. „Die Maßnahmen der Bundesregierung haben gegriffen“, sagt Riecke und meint damit unter anderem die Hilfe von Bund und Ländern für die Solo-Selbstständigen.

Der MK ist das Schlusslicht in NRW: 2020 gab es deutlich mehr Arbeitslose als 2019. Auch in den anderen Regionen ist die Arbeitslosenquote gestiegen, jedoch nicht so rapide wie im Märkischen Kreis. grafik: Agentur für arbeit/hERHOLZ

Aber auch die Firmen selbst hätten mit Konzept-Umstellungen dazu beigetragen, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht noch weiter anstieg. „Ob die Entwicklung auch im kommenden Halbjahr weiter positiv verläuft, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagt Pawlas.

Wegen Corona: Tausende im MK verlieren ihren Job - Rekordwert bei Kurzarbeit

Die Kurzarbeit erreichte im vergangenen Jahr historische Höchstwerte. „Wir spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie in der Kurzarbeit ganz massiv. Uns sind im vergangenen Jahr Anzeigen zur Kurzarbeit aus nahezu jeder Branche zugegangen, anders als zur Zeit Finanzkrise 2009. Damals war vor allem die Industrie betroffen“, führt Pawlas aus.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 5944 Anzeigen auf Kurzarbeit gestellt, mit 101 748 potenziell betroffenen Personen. Die Anzeigen verdeutlichen aber nur die Absicht einiger Betriebe, zur Realisierung kommt es nicht immer. Die genauen Zahlen zur realisierten Kurzarbeit liegen derzeit bis zum Juni 2020 vor. Zum damaligen Zeitpunkt befanden sich 37 200 Menschen in Kurzarbeit. „Die heimischen Betriebe machen Gebrauch von der Kurzarbeit, um die Arbeitnehmer im Betrieb zu halten“, sagt Pawlas.

Wegen Corona: Tausende im MK verlieren ihren Job - Fachkräftemangel weiterhin großes Thema

Der offene Stellenbestand ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich gesunken. 2019 lag die Zahl noch bei 5437 Stellen, 2020 ist diese um 28,3 Prozent auf 3898 Stellen geschrumpft. Damit liegt der Wert dennoch über den Jahren 2015 (3035) und 2016 (3596). Der positive Trend der vergangenen drei Jahre hielt nicht an.

„Fachkräfte werden immer gebraucht. Das Thema Fachkräfte wird auch nach der Pandemie eine große Rolle spielen“, sagt Pawlas und untermauert dies mit der Statistik, wonach das Anforderungsniveau bei den ausgeschriebenen Stellen zu 66,7 Prozent (2716 Stellen) bei Fachkräften liegt.

Die restlichen Anteile verteilen sich auf Helfer (19,1 Prozent), Spezialisten (7,8 Prozent) und Experten (6,3 Prozent). Stellen für Spezialisten sind Berufsangebote, die eine Weiterbildung ohne Studienabschluss bedingen. Bei Expertenstellen handelt es sich um eine Tätigkeit, die mit einem Studienabschluss ausgeführt werden soll.

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