Im Krisenstab schon lange nicht mehr alleiniger Maßstab

Inzidenz-Stufen am Ende? So liegt der MK bei den neuen Corona-Kennzahlen

Die Inzidenz als alleiniger Maßstab zur Bewertung der Corona-Lage vor Ort hat ausgedient. Sie wird zwar noch mit einbezogen, andere Faktoren aber bekommen mehr Bedeutung. So ist es zumindest im Krisenstab des Märkischen Kreises schon seit Wochen, womöglich auch bald in ganz Deutschland. Heute sprechen Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten genau darüber.

Update vom 10. August, 17.29 Uhr: Die Inzidenz bleibt alleiniger Maßstab. Das wurde heute in Berlin entschieden. Die Hoffnung im Kreishaus auf eine Abkehr von der Inzidenz haben sich damit zerschlagen.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Fläche87,02 Quadratkilometer
Einwohner72.313 (31. Dez. 2019)

Erstmeldung vom 10. August, 9.52 Uhr: Märkischer Kreis – Die Sieben-Tage-Inzidenz im Märkischen Kreis nähert sich mit großen Schritten dem nächsten Schwellenwert. Am Montag lag die Inzidenz bei 32,4, am Dienstag bei 31,4. Ab dem Erreichen von 35 läuft die Uhr für eine Verschärfung der Maßnahmen.

Nach acht Tagen in Folge über 35 tritt dann nach jetziger Regelung (Coronaschutzverordnung NRW) ab dem übernächsten Tag die Inzidenzstufe 2 in Kraft. Unter anderem wird dann innen in Restaurants wieder ein negativer Testnachweis verlangt. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir in der kommenden Woche die Inzidenzstufe 2 erreichen“, sagt Kreissprecher Alexander Bange. Falls die Inzidenz dann noch alleiniger Maßstab ist.

Inzidenz nicht mehr alleiniger Maßstab: Merkel und Ministerpräsidenten beraten am Dienstag

Denn am Dienstag (10. August) beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über zusätzliche Parameter zur Beurteilung der Corona-Lage. Sollte es zu einer Einigung kommen, könnten künftig Coronaschutzmaßnahmen nicht mehr nur an der Inzidenz festgemacht werden. Landrat Marco Voge und seine sechs Amtskolleginnen und -kollegen aus dem Regierungsbezirk Arnsberg dürften die jüngste Entwicklung in Berlin mit Genugtuung verfolgen. Die Abkehr von der Inzidenz als alleinigem Maßstab war eine zentrale Forderung des gemeinsamen offenen Briefes an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Gesundheitsminister Karl Josef Laumann am 29. Juli.

Andere Corona-Zahlen könnten zur Beurteilung der Corona-Lage herangezogen werden

„Es deutet sich an, dass die Inzidenz künftig nicht mehr alleine zählt. Wir haben angesichts der bisherigen Signale sehr große Hoffnung, dass die Belegung der Krankenhausbetten, der Impffortschritt sowie die Zahl der Todesfälle zusätzlich zur Inzidenz in die Bewertung der Corona-Lage mit einbezogen wird“, sagt Kreissprecher Bange auf Anfrage. Im Kreishaus ist man sich sicher, dass die Argumente der Landräte verfangen und der Brief seine Wirkung entfaltet hat. Eine direkte Antwort aus Berlin oder aus Düsseldorf hat der Kreis bislang allerdings nicht erhalten.

Inzidenz adé: So steht der MK bei den anderen Kennzahlen da

Sollten neben der Inzidenz künftig weitere Parameter herangezogen werden, rechnet der Kreis damit, zunächst von weiteren Corona-Verschärfungen verschont zu bleiben. Denn: Laut Kreissprecher Bange ist die Corona-Lage im Kreis trotz steigender Inzidenz derzeit „entspannt und für das Gesundheitsamt gut händelbar“.

  • Laut Divi-Intensivregister waren am Montag drei von 109 Intensivbetten belegt. Auch das ist kein beunruhigender Wert und von einer Überlastung des Gesundheitssystems weit entfernt.
  • Zudem gab es im Juli nur einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus, im August noch keinen.
  • Die Positivquote bei den Corona-Tests stieg zuletzt zwar leicht an, war in der 30. Kalenderwoche mit 42 Positivtests auf 34 964 Schnelltests (0,12 Prozent) aber immer noch auf dem Stand von Anfang Juni.
  • Inzwischen sind 53,7 Prozent der Menschen im Märkischen Kreis vollständig geimpft, in der vulnerablen Gruppe der Über-60-Jährigen ist die Impfrate noch deutlich höher, über 80 Prozent. Zuletzt erkrankten zudem fast nur die jungen, noch nicht geimpften Personengruppen im Märkischen Kreis – bei zumeist milden Verläufen. So entfielen lediglich zehn der 133 Neuinfektionen in der vergangenen Woche auf Märker, die 60 Jahre oder älter sind.

„Wir haben derzeit eine ähnliche Kurve wie im vergangenen Jahr im Oktober und liegen aktuell etwas höher als im August des Vorjahres – allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen“, erklärt Bange. Er verweist auf die zahlreichen Testmöglichkeiten, die es im Vorjahr noch nicht gab, und auf den Impffortschritt im MK.

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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